CIA verfehlt Al-Kaida-Vize Al Sawahri
Aktualisiert

CIA verfehlt Al-Kaida-Vize Al Sawahri

Die USA haben nach pakistanischen Angaben bei einem Bombenangriff auf ein Dorf nahe der Grenze zu Afghanistan den dort vermuteten Al-Kaida-Vize Ajman al Sawahri verfehlt.

Der Stellvertreter Osama bin Ladens habe sich nicht in Damadola aufgehalten, hiess es am Samstag auf Kreisen von Geheimdienst und Regierung in Islamabad. Tausende demonstrierten am Samstag nahe der Ortschaft gegen den Angriff, dem am Freitag mindestens 17 Menschen zum Opfer fielen.

Ein ranghoher Mitarbeiter des pakistanischen Geheimdienstes sagte, der US-Geheimdienst habe auf Grundlage falscher Informationen gehandelt. Das habe eine pakistanische Untersuchung ergeben. Seine Angaben wurden in Regierungskreisen bestätigt. Der US-Sender NBC berichtete, Drohnen hätten am Freitag etwa zehn Flugkörper auf das Dorf in der von Stämmen kontrollierten Region Bajur im Nordwesten Pakistans abgefeuert.

Dorfbewohner sprachen von mehr als 30 Toten, Ärzte gaben die Zahl der Todesopfer mit mindestens 17 an. Ein lokaler Abgeordneter der Islamistischen Partei, Sahibzada Haroon ur Rashid, sagte, bei den Opfern handele es sich um Dorfbewohner. Der US-Luftangriff sei Terrorismus. Der US-Sender ABC hatte unter Berufung auf pakistanische Militärkreise berichtet, dass fünf hochrangige Al-Kaida-Mitglieder getötet worden sein könnten, darunter Al Sawahri. Ein pakistanischer Geheimdienstbeamter sagte der Nachrichtenagentur AP, die Identität mehrerer Leichen werde per DNA-Analyse untersucht.

Am Samstag demonstrierten nach Augenzeugenberichten rund 8.000 Menschen in der Nähe des Dorfes Damadola gegen die amerikanische Militäraktion. Shah Zaman, der zwei Söhne und eine Tochter verlor, sagte: «Nur unsere Familienmitglieder sind bei dem Angriff getötet worden.» Auch sein Nachbar Shamroze Khan erklärte, er habe niemals einen Ausländer in seinem Dorf gesehen. «Das ist eine grosse Lüge», sagte Zaman. In der Ortschaft wurden drei Häuser zerstört. In der nahe gelegenen Stadt Bajur ging die Polizei am Samstag mit Tränengas gegen 400 Demonstranten vor, die ebenfalls gegen den US-Luftangriff demonstrierten.

Der Abgeordnete Rashid sagte, die Menschen verurteilten die Politik von Präsident Pervez Musharraf, die zu solchen Vorkommnissen führe. «Wir wollen, dass die Regierung vermeidet, den Amerikanern gefällig zu sein.» Die Unterstützung Musharrafs für den Kampf der USA gegen den Terrorismus trifft auf Widerstand in dem islamischen Land.

Der Zwischenfall vom Freitag war bereits der dritte mysteriöse Luftangriff auf ein pakistanisches Grenzdorf seit Anfang Dezember. Erst Samstag vergangener Woche waren bei einem Luftangriff auf das Haus eines pakistanischen Geistlichen nahe der Grenze acht Menschen ums Leben gekommen. Anwohner erklärten, US-Hubschrauber hätten das Haus beschossen und ausserdem fünf Stammesmitglieder entführt. Die US-Streitkräfte dementierten eine Beteiligung.

Im Dezember war bei einem gezielten Raketenangriff in der Region ein führendes Mitglied des Terrornetzwerks Al Kaida getötet worden, Hamza Rabia. In diesem Fall räumte die US-Regierung ein, sie habe die Fahndung unterstützt.

Auf Al Sahwari haben die USA ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar ausgesetzt. Anfang Januar forderte er US-Präsident George W. Bush in einer Videobotschaft auf, seine Niederlage im Irak anzuerkennen.

(dapd)

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