Aktualisiert 09.12.2007 14:43

CIA-Verhöre: US-Politiker wussten alles

Wer wusste eigentlich nicht von den brutalen CIA-Verhörmethoden? US-Kongressmitglieder beider Parteien sollen seit langem über die harschen Verhörmethoden informiert worden sein.

Das berichtete die «Washington Post» am Sonntag unter Berufung auf Regierungsvertreter. Schon 2002 wurden demnach mehrere Abgeordnete und Senatoren von der CIA detailliert über US-Gefangenenlager im Ausland und über die Befragungstechniken der Agenten informiert.

Den Kongressmitgliedern sei eine «virtuelle Tour» durch die Lager präsentiert und auch die umstrittene Verhörmethode des «Waterboarding» erklärt worden. Dabei wird der Verhörte unter Wasser gehalten, bis er zu ertrinken glaubt.

Seinerzeit seien diese und andere Verhörtechniken bei den Zuhörern auf überwiegend positives Echo gestossen, hiess es in dem Blatt. Mindestens zwei Kongressvertreter hätten die CIA sogar zu noch schärferem Vorgehen aufgefordert. Inzwischen kritisieren Demokraten und einige Republikaner das «Waterboarding» als Folter.

Führende Kongressmitglieder seien ausserdem in rund 30 Briefings im kleinen Kreis über die Arbeit der CIA informiert worden, berichtete die Zeitung. Auch dabei sei über «Waterboarding» und andere raue Verhörmethoden berichtet worden.

«Stillschweigende Billigung»

Regierungsvertreter, die an den Briefings teilnahmen, beschrieben die Reaktionen der Kongressmitglieder gegenüber der «Washington Post» als «stillschweigende Billigung, wenn nicht Unterstützung».

Die Namen der betroffenen Kongressmitglieder nannte die Zeitung nicht. Allerdings hätten damals unter anderem die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi und ihr Parteikollege Senator John Rockefeller eine Rolle bei der Geheimdienstaufsicht gespielt.

Verschwundene Bänder

In der aktuellen Affäre um die Vernichtung von Terror- Verhörvideos der CIA steht auch die Frage im Raum, ob durch die Zerstörung der Bänder möglicherweise raue Verhörmethoden der Geheimdienstagenten vertuscht werden sollten.

Die Videos mit der Aufzeichnung von Verhören mutmasslicher Terroristen waren 2005 zerstört worden. Die offizielle Darstellung der CIA lautet, durch das Vernichten des Videomaterials hätten die Ermittler und deren Angehörige vor Racheakten geschützt werden sollen.

Das US-Justizministerium und die CIA leiteten unterdessen eine Untersuchung zum Verschwinden der Bänder ein. (sda)

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