CIA-Verhörmethoden geraten unter Beschuss
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CIA-Verhörmethoden geraten unter Beschuss

Die US-Geheimdienste sind zunehmend besorgt, dass wegen dem Folterskandal ihre Verhörmethoden grundsätzlich unter die Lupe genommen werden könnten.

So sei der vor gut einem Jahr festgenommene Bin-Laden-Vertraute Chalid Scheich Mohammed festgebunden und unter Wasser gedrückt worden, um ihn in Todesangst zu versetzen und zum Reden zu bringen, berichtete die «New York Times» am Donnerstag. Anderen würden Medikamente oder Nahrung vorenthalten. Mehrere Dutzend El Kaida-Mitglieder werden von den USA an geheimen Orten festgehalten und verhört. Menschenrechtsgruppen haben keinen Zugang zu den Gefangenen.

«Einige der Beteiligten fürchten, dass es irgendwann einen anderen Präsidenten gibt, die Stimmung in der Bevölkerung umschlägt und sie zur Rechenschaft gezogen werden», zitierte die Zeitung einen Beamten.

Methoden von Justizministerium genehmigt

Die Methoden seien vom Justizministerium und dem Geheimdienst CIA für Verhöre ranghoher Mitglieder des Terrornetzwerks El Kaida genehmigt worden, berichtete die Zeitung. Regierungsbeamte sähen darin keine Verletzung des Folterverbots. Im Antiterrorkampf könnten Gefangene nur auf diese Weise gezwungen werden, Informationen zur Verhinderung weiterer Anschläge preiszugeben.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat der US-Regierung einen neuen Bericht übergeben. Darin betrachtet die Organisation die Behandlung von Gefangenen im US- Militärlager Guantánamo in Kuba kritisch.

Das US-Aussenministerium habe dem stellvertretenden US- Verteidigungsminister Paul Wolfowitz am Dienstag den Bericht weitergeleitet, sagte ein ranghoher Pentagon-Mitarbeiter am Donnerstag bei einem Besuch von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in der irakischen Hauptstadt Bagdad.

Der Bericht sei noch nicht in Einzelheiten ausgewertet worden. Rumsfeld sagte am Rande der Reise vor Journalisten, es werde immer unterschiedliche Auffassungen darüber geben, ob die Gefangenen in Guantánomo nach den Standards der Genfer Konvention behandelt würden. Manche würden sagen, «unglaublich, wie gut das gemacht wird».

Andere dagegen würden sagen: «Das ist grandios, abgesehen davon, dass es meiner Meinung nach geistige Folter ist, einem Gefangenen etwas anzutun, das auf gewisse Weise unangenehm für ihn ist, wie zum Beispiel lange auf der Stelle zu stehen oder irgendetwas anderes, von dem andere wiederum sagen würden, es ist keineswegs missbräuchlich oder schädlich.»

Es sei nicht möglich, die Übereinstimmung aller zu finden, sagte Rumsfeld, denn als die Genfer Konvention vorbereitet und verabschiedet worden sei, «sind sie noch nicht so sehr in die Details gegangen».

Der Pentagon-Chef steht wegen der Misshandlung irakischer Gefangener durch US-Soldaten unter Druck. US-Präsident George W. Bush hatte Rumsfeld am Montag erneut sein Vertrauen ausgesprochen.

(sda)

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