Aktualisiert 03.05.2006 18:56

Ciampi will nicht - Regierungsbildung verzögert sich

Die Regierungsbildung in Italien verzögert sich weiter: Staatspräsident Azeglio Ciampi verzichtete am Mittwoch definitiv auf eine zweite Amtszeit und überlässt die Berufung von Romano Prodi zum neuen Ministerpräsidenten seinem Nachfolger.

Gewählt wird das neue Staatsoberhaupt am kommenden Montag. Prodi hatte sich ebenso wie der bei der Parlamentswahl Anfang April unterlegene Regierungschef Silvio Berlusconi für einen Verbleib Ciampis an der Spitze des Staates ausgesprochen.

Der 85-Jährige begründete seinen Verzicht am Mittwoch mit seinem hohen Alter. Darüber hinaus sei noch kein italienischer Präsident nach sieben Jahren wiedergewählt worden. Diese Tradition solle «besser nicht gebrochen werden», erklärte Ciampi, dessen Amtszeit am 18. Mai endet. Zuvor hatte er noch angedeutet, er könne doch weiterhin zur Verfügung stehen. «Wir werden sehen», hatte er bei einem Besuch in seiner norditalienischen Heimatstadt Livorno gesagt.

Prodi bedauerte Ciampis Entscheidung. Er danke dem Staatspräsidenten für die vergangenen sieben Jahre und bedaure, dass es nicht sieben weitere gebe. In Italien wird der Staatspräsident von den Abgeordneten beider Parlamentskammern und Vertretern der 20 Regionen gewählt. Am Dienstag zog das Parlament den Termin für die Abstimmung auf den 8. Mai vor.

Prodi bemühte sich, die Verzögerung bei der Regierungsbildung herunterzuspielen. Es handele sich lediglich um ein paar Tage, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA. Die Aufstellung der Kabinettsliste hat bereits zu Spannungen zwischen den Parteien von Prodis Mitte-links-Bündnis geführt. Berlusconi hatte am Dienstag, gut drei Wochen nach seiner knappen Wahlniederlage, seinen Rücktritt eingereicht, bleibt aber geschäftsführend im Amt. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.