Hingis/Bacsinszky: «Cincinnati? Scheissegal, jetzt lassen wir uns gehen»
Aktualisiert

Hingis/Bacsinszky«Cincinnati? Scheissegal, jetzt lassen wir uns gehen»

Auch wenn die Reise am Montag bereits in die USA führt: Martina Hingis und Timea Bacsinszky wollen ihre Silbermedaille ausgiebig begiessen.

von
Kai Müller
Rio
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Silbermedaille: Das Schweizer Tennis-Duo Hingis/Bacsinszky verliert den Olympia-Final um Gold in zwei Sätzen 4:6, 4:6. Das Duo Makarowa/Wesnina aus Russland gewinnt verdient die Goldmedaille.

Silbermedaille: Das Schweizer Tennis-Duo Hingis/Bacsinszky verliert den Olympia-Final um Gold in zwei Sätzen 4:6, 4:6. Das Duo Makarowa/Wesnina aus Russland gewinnt verdient die Goldmedaille.

Keystone/Laurent Gillieron
Die Schweizerinnen wehren sich zwar wie schon im Halbfinal tapfer gegen die drohende Niederlage, können diese gegen die überlegenen Russinnen jedoch nicht verhindern.

Die Schweizerinnen wehren sich zwar wie schon im Halbfinal tapfer gegen die drohende Niederlage, können diese gegen die überlegenen Russinnen jedoch nicht verhindern.

Keystone/Laurent Gillieron
Das Schweizer Duo kämpft während der Partie immer wieder mit Abstimmungsproblemen. Hingis und vor allem Bacsinszky können im Olympia-Final nicht ihre beste Leistung abrufen.

Das Schweizer Duo kämpft während der Partie immer wieder mit Abstimmungsproblemen. Hingis und vor allem Bacsinszky können im Olympia-Final nicht ihre beste Leistung abrufen.

Charles Krupa/AP Photo

Und dann umarmten sie sich, vergossen Tränen, mitgerissen von ihren Emotionen, ehe sie den Raum verliessen. Martina Hingis und Timea Bacsinszky machten die abschliessende Pressekonferenz nach dem verlorenen Doppel-Final gegen die Russinnen Jekaterina Makarowa/Jelena Wesnina zu einem letzten Schweizer Höhepunkt des Tennisturniers.

Unmittelbar zuvor hatte Bacsinszky mit vibrierender Stimme folgende Sätze ins Mikrofon gestottert: «Egal, was man Materielles hat, egal, was man sich mit Geld alles kaufen kann – das, was wir hier erlebt haben, ist nicht käuflich. Und es wird für immer bleiben.»

Die Sache mit dem komplizierten Namen

Die beiden Schweizerinnen haben in Rio eine wunderbare Reise erlebt, die sie bis in den Olympia-Final geführt hat. Dass es am Ende Silber und nicht Gold wurde, schmälert ihren Stolz kein bisschen. «Natürlich ist man im ersten Moment enttäuscht», sagte Hingis. «Aber wenn man zurückdenkt, wie wir zusammengekommen sind, haben wir das Maximum herausgeholt. Auch deshalb bin ich so emotional.» Da war es wieder, dieses Wort, das so oft fiel: emotional.

Die Gefühle seien auch deshalb so stark, weil sie diese Tage als Team erleben und für ihr Land spielten durften, sagte Bacsinszky. Dass ihr Name auf dem Schild an der Pressekonferenz einmal mehr nicht korrekt geschrieben war – das K fehlte –, hatte sie da längst abgehakt. Beim Hereinkommen hatte sie noch gesagt: «Es ist schon wieder falsch, wie die ganze Woche. Ich kann nichts dafür, dass ich so einen komplizierten Namen habe.»

Raclette, Weiss- und Rotwein

Die beiden Silbergewinnerinnen mochten verständlicherweise noch nicht weit vorausblicken. Ob Tokio 2020 für Hingis ein Thema sein könnte? Keine Ahnung. Ob sie künftig zusammen Turniere bestreiten würden? Vielleicht, irgendwo, irgendwann einmal. Und ob es schwierig sei, sich nun auf Cincinnati zu konzentrieren, wo sie bereits am Montag hinreisen und diese Woche spielen werden? «Scheissegal, ob nun Cincinnati ansteht», sagte Hingis. «Zuerst gibt es heute Abend im House of Switzerland einmal Weissen, Roten und Raclette – wir werden uns gehen lassen. Ab morgen können wir dann wieder professionell sein.»

Bacsinszky räumte schliesslich ein, dass sie eigentlich lieber direkt in die Schweiz fliegen würde. «Ich würde diese Medaille so gerne mit meiner Familie, mit meinen Freunden, mit allen, die uns unterstützt haben, feiern. Wir holen das halt nach dem US Open nach», sagte die Lausannerin. Dann kamen ihr die Tränen.

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