Früherer «Spiegel»-Reporter - Claas Relotius spricht erstmals über gefälschte Texte
Aktualisiert

Früherer «Spiegel»-ReporterClaas Relotius spricht erstmals über gefälschte Texte

Ein «Spiegel»-Reporter hat in grossem Masse eigene Geschichten manipuliert. Jetzt nimmt Claas Relotius zum ersten Mal Stellung.

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Claas Relotius hat zweieinhalb Jahre nach Bekanntwerden des Betrugsskandals beim «Spiegel» erstmals ausführlich in einem Interview über seine gefälschten Texte gesprochen.

Claas Relotius hat zweieinhalb Jahre nach Bekanntwerden des Betrugsskandals beim «Spiegel» erstmals ausführlich in einem Interview über seine gefälschten Texte gesprochen.

Julius Hirtzberger/dpa
Das Magazin «Reportagen» veröffentlichte am Dienstag auf seiner Webseite ein ungewöhnlich langes Interview mit mehr als 90 Fragen an den früheren «Spiegel»-Reporter, der Ende 2018 die Medienbranche schwer erschütterte.

Das Magazin «Reportagen» veröffentlichte am Dienstag auf seiner Webseite ein ungewöhnlich langes Interview mit mehr als 90 Fragen an den früheren «Spiegel»-Reporter, der Ende 2018 die Medienbranche schwer erschütterte.

imago images/Eventpress
Relotius hatte für den «Spiegel» Reportagen geschrieben, die fehlerhaft waren, und die zum Teil erfundene Szenen, Gespräche und Ereignisse enthielten. (Symbolbild)

Relotius hatte für den «Spiegel» Reportagen geschrieben, die fehlerhaft waren, und die zum Teil erfundene Szenen, Gespräche und Ereignisse enthielten. (Symbolbild)

Jonas Walzberg/dpa

Darum gehts

  • Der «Spiegel»-Reporter Claas Relotius fälschte seine eigenen Texte.

  • Vor zweieinhalb Jahre flog der Deutsche auf.

  • In einem Interview spricht er nun erstmals darüber.

Der frühere «Spiegel»-Reporter Claas Relotius hat zweieinhalb Jahre nach Bekanntwerden des Betrugsskandals bei dem Nachrichtenmagazin erstmals ausführlich in einem Interview über seine gefälschten Texte gesprochen. Der Zeitschrift «Reportagen» sagte er auf die Frage, wie viele seiner insgesamt 120 verfassten Texte in seiner Journalistenzeit korrekt waren: «Nach allem, was ich heute über mich weiss, wahrscheinlich die allerwenigsten.» Er habe «in der unverrückbaren Überzeugung geschrieben, es würde bei der Erzählform Reportage keinen Unterschied machen, ob alles 1:1 der Realität entspricht oder nicht».

Relotius drückte an einer anderen Stelle sein Bedauern aus: «Ich habe offensichtlich sehr viel Verantwortungsgefühl ausgeschaltet, am meisten gegenüber Kollegen, aber auch gegenüber realen Menschen, über die ich geschrieben habe. Ich hatte beim Schreiben nie niederträchtige Absichten, und ich wollte auch niemanden verletzen, indem ich etwas Falsches schreibe. Dass ich das getan habe, bereue ich am meisten.»

Erfundene Szenen, Gespräche und Ereignisse

Das Magazin «Reportagen» veröffentlichte am Dienstag auf seiner Webseite ein ungewöhnlich langes Interview mit mehr als 90 Fragen an den früheren «Spiegel»-Reporter, der Ende 2018 die Medienbranche schwer erschütterte. Relotius hatte für den «Spiegel» Reportagen geschrieben, die fehlerhaft waren, und die zum Teil erfundene Szenen, Gespräche und Ereignisse enthielten. Er war als Journalist mit Preisen überhäuft worden und genoss hohes Ansehen.

Aufgedeckt wurden die Manipulationen nach internen Hinweisen. Dem «Spiegel»-Reporter Juan Moreno fielen bei den Texten von Relotius Unstimmigkeiten auf. Der «Spiegel» machte den Betrugsfall selbst öffentlich und arbeitete diesen akribisch auf. Relotius, der damals für das Gesellschaftsressort tätig war, hatte die Fehler laut «Spiegel» eingeräumt. Seine Karriere bei dem Nachrichtenmagazin war vorbei. Es folgten weitere personelle Konsequenzen im Haus, das Magazin überarbeitete zudem seine redaktionellen Standards.

Viele andere deutsche Redaktionen steuerten bei ihren Quellenchecks nach. Für das Magazin, das das Interview nun veröffentlichte, hatte Relotius in seiner Journalistenzeit ebenfalls mehrere Texte geschrieben.

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(DPA/fur)

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