Chemiekonzern: Clariant in tiefroten Zahlen

Aktualisiert

ChemiekonzernClariant in tiefroten Zahlen

Der Baselbieter Chemiekonzern Clariant weist für das vergangene Jahr einen Verlust von 37 Millionen Franken aus, verglichen mit einem Vorjahresgewinn von fünf Millionen Franken. Konzernchef Kottmann schliesst einen weiteren Stellenabbau nicht aus.

Der Gruppenumsatz schrumpfte, wie bereits am vergangenen 27. Januar berichtet, um fünf Prozent auf 8,071 Milliarden Franken. In Lokalwährungen resultierte ein Plus von einem Prozent. Der operative Cashflow erreichte 391 Millionen Franken, verglichen mit 540 Millionen Franken im Vorjahr, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Clariant hatte Ende Januar ebenfalls bekannt gegeben, dass wegen der Wirtschaftskrise zusätzlich zu dem 2006 angekündigten Abbau von 2200 Stellen weitere 1000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen und dass den Aktionären für 2008 ein Dividendenverzicht vorgeschlagen werde. Im Ausblick weist Clariant darauf hin, dass es derzeit keine Hinweise gebe, dass sich die Weltwirtschaft kurzfristig von der Talfahrt der letzten Monate erholen werde. Clariant werde in diesem schwierigen Umfeld einige Massnahmen beschleunigen, um sowohl die unbefriedigende Performance zu verbessern und damit den wirtschaftlichen Abschwung abzufedern.

Weiterer Stellenabbau?

Konzernchef Hariolf Kottmann erklärte am Dienstagmorgen, dass Clariant schlanker werden müsse, um in der Krise bestehen zu können. Das Unternehmen konzentriere sich daher darauf, die Kosten zu senken und seine Komplexität zu reduzieren.

Die Reduzierung der Arbeitsplätze sei ein Weg, wie rasch Kosten gesenkt werden könnten und gleichzeitig auf den Rückgang der Nachfrage reagiert werden könne, sagte Kottmann an einer Telefonkonferenz am Dienstagmorgen. Falls sich die wirtschaftliche Situation nicht verbessere, werde Clariant auch weitere Stellenstreichungen in Betracht ziehen müssen.

Kottmann machte überdies Angaben darüber, in welchen Ländern wie viele Stellen im Zuge des Ende Januar angekündigten Abbaus gestrichen werden. Beim Abbau von weltweit 1000 Stellen fallen deren 150 in der Schweiz und deren 200 in Deutschland weg.

Die Entlassung von Mitarbeitern falle dem Unternehmen nicht leicht, betonte Kottmann. Allerdings gebe es im Interesse des Unternehmens keine andere Alternative, Clariant eine nachhaltige Zukunft zu ermöglichen. Der Konzernchef versicherte, dass das Unternehmen weiterhin selbständig bleiben wolle.

Während Kottmann den Verkauf von Unternehmensteilen kategorisch ausschloss, ist der Zukauf anderer Unternehmen für ihn durchaus möglich. «Der Finanzkrise werden noch einige Marktteilnehmer zum Opfer fallen. Diese Gelegenheiten wollen wir wahrnehmen», sagte Kottmann. Clariant wolle aktiv am Konsolidierungsprozess der Branche teilnehmen.

Gewerkschaften enttäuscht

Derweil zeigt sich die Gewerkschaft Unia vom Spezialchemiehersteller mit Sitz in Muttenz BL enttäuscht. Das Unternehmen weigere sich, Vorschläge zu prüfen, wie ein Stellenabbau verhindert werden könne. So sei etwa Kurzarbeit als Massnahme zur Vermeidung von Entlassungen nicht in Erwägung gezogen worden, teilte die Unia am Dienstag mit.

Zusammen mit der Betriebskommission fordert die Gewerkschaft die Clariant-Verantwortlichen auf, das gesetzliche Mitwirkungsrecht der Belegschaft zu beachten und mit der Betriebskommission und den Gewerkschaften Alternativen zu den Entlassungen auszuarbeiten.

Der Personalverband Angestellte Schweiz kritisierte zudem, dass Clariant nach dem Abbau von Stellen nun auch noch Kurzarbeit in Betracht ziehe. Dies sei die falsche Reihenfolge, liess Angestellte Schweiz am Dienstagmorgen verlauten. Die Logik gebiete, dass zuerst Kurzarbeit geprüft werde, um Arbeitsplätze zu erhalten.

Quellen: SDA/AP

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