Abbau: Clariant streicht weitere 1000 Stellen
Aktualisiert

AbbauClariant streicht weitere 1000 Stellen

Die weltweite Rezession kostet beim Baselbieter Chemiekonzern Clariant weitere 1000 Stellen. Auf eine Dividende sollen die Aktionäre verzichten. Die Börse reagierte positiv.

Der weltweite Konjunkturabschwung traf die Clariant-Bereiche Textil, Leder, Bau sowie die Zulieferungen für die Automobilindustrie nach guten ersten neun Monaten im vierten Quartal 2008. Andere Bereiche, etwa Agrochemie und Öl-Dienstleistungen, zeigten sich dagegen widerstandsfähig. Die Geschäftspläne für Textil- und Lederchemikalien wurden revidiert, was zu Lasten des vierten Quartals zu Abschreibungen von 180 Millionen Franken führte.

Der Gesamtumsatz 2008 schrumpfte gemäss provisorischen Zahlen gegenüber 2007 um fünf Prozent auf 8,1 Milliarden Franken. In Lokalwährungen resultierte ein Plus von einem Prozent. Erreicht wurden die Ziele bei Betriebsgewinn und operativem Cash-Flow. Die Betriebsgewinnmarge vor Sonderposten lag bei 6,5 bis 6,8 Prozent, und der operative Cash-Flow erreichte rund 400 Millionen Franken.

Die vom teils dramatischen Nachfragerückgang besonders betroffenen Bereiche werden nun restrukturiert, wie Clariant mitteilte. Die Produktion wird gedrosselt oder eingestellt. Dabei werden die Zahl der Temporärangestellten reduziert, Überzeit abgebaut, Zwangsferien verhängt und Kurzarbeit eingeführt. Die gesamte Restrukturierung kostet insgesamt 1000 Arbeitsplätze, zusätzlich zu dem bereits 2006 angekündigten Abbau von 2200 Stellen. Dieser wurde gemäss den Angaben Ende 2008 praktisch abgeschlossen. Der Abbau sei ein erster Schritt, um die Personalkosten massiv zu reduzieren, teilte der Konzern mit. Clariant hofft, seine Position stärken und die Schulden reduzieren zu können.

Zur Kasse gebeten werden auch die Aktionäre. Der Verwaltungsrat beantragt der Generalversammlung vom kommenden 2. April, dass die Aktionäre auf eine Dividende und jegliche weitere Ausschüttung verzichten.

Die Schweizer Börse reagierte auf die Massnahmen positiv. Der Clariant-Kurs schoss im frühen Geschäft gegenüber dem Vortagesschlusskurs um bis zu 4,4 Prozent auf 5,70 Franken hinauf.

(dapd)

Gewerkschaften wehren sich

Die Angestelltenvertretung, die Angestelltenvereinigung AVCS und die Angestellten Schweiz wehren sich gegen die Streichung von 1000 weiteren Stellen bei Clariant. Sie erinnerten am Dienstag daran, dass sie bereits am vergangenen Donnerstag der Geschäftsleitung des Chemiekonzerns ein Bündel von Massnahmen vorgeschlagen hatten, welche die Sicherung der Arbeitsplätze und des Einkommens der Arbeitnehmer zum Ziel hatten. Unter anderem hatte der Vorschlag der Gewerkschaften ein Einstellungsmoratorium, eine Job-Börse, Job-Rochaden, Kurzarbeit und Altersteilzeit vorgesehen. Die Clariant-Geschäftsleitung forderten die Gewerkschaften auf, mit ihnen über diese Vorschläge zu verhandeln. Erst dann soll über konkrete Massnahmen entschieden werden, hiess es. Die Mitarbeiter hätten bereits ein Opfer gebracht, indem sie auf eine Lohnerhöhung gänzlich hätten verzichten müssen.

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