Claude Nicollier will nochmals ins All
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Claude Nicollier will nochmals ins All

Claude Nicollier, der erste Schweizer im All, schliesst einen weiteren Flug in den Weltraum nicht aus.

Das sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda in Houston, wo er als Astronautenausbilder arbeitet.

Obwohl schon mehrmals das Ende seiner beruflichen Laufbahn verkündet wurde, bleibt Claude Nicollier, rangältester Astronaut der European Space Agency (ESA) bei der NASA in Houston, auch in den nächsten zwei Jahren aktiv. Und das vielleicht nicht nur in der Ausbildung junger Astronauten am Boden.

«Ich sprach kürzlich mit meinem ESA-Chef in Deutschland,» erklärt er. Dieser habe ihm gesagt: «Wenn die Russen in den nächsten zwei Jahren einen Flug unternehmen, könntest Du mitfliegen».

Die Wahrscheinlichkeit eines solchen russischen Sojus-Flugs sei jedoch nicht hoch, sagt der bald 60-jährige Astronaut. Und die Schweiz müsste mithelfen, die Kosten zu tragen.

Ein weiterer Flug mit der US-Raumfähre sei ebenfalls unwahrscheinlich, es sei denn, die NASA wolle noch einmal das Hubble-Teleskop besuchen. «An einer solchen Mission könnte ich mich beteiligen, denn ich habe das schon vorher getan,» erklärt Nicollier.

Forschen ist menschliches Bedürfniss

Ist die Erforschung des Weltraums und anderer Himmelskörper nicht ein Luxus geworden angesichts hoher Budgetdefizite der führenden Industriestaaten und dringender sozialer Bedürfnisse auf der ganzen Welt? «Der Wille zum Forschen ist tief im menschlichen Wesen verankert,» entgegnet Nicollier.

«Historisch gesehen, immer wenn die Menscheit auf Entdeckung ging und ihren Existenzbereich und Wissensschatz erweitert hat, hat uns das langfristig bereichert.»

Für ihn ist die Erforschung des Alls eine Fortsetzung dessen, was die Menschheit schon immer getan hat. Einfach mit dem Unterschied, dass «die technologischen Mittel es uns heute erlauben, die irdischen Grenzen zu überschreiten.»

Schweiz kann Rolle spielen

Der Astronaut ist überzeugt, dass auch die Schweiz eine bedeutende Rolle im neuen Vorhaben der NASA und der ESA haben kann, zurück zum Mond und dann auf den Mars zu gelangen. Zwar sei die Schweiz ein kleiner Mitgliedstaat der ESA, «aber ein sehr aktiver.»

Das an der ETH Lausanne gegründete Raumfahrtzentrum könne bestimmt eine Rolle im Mars-Unternehmen spielen, ebenso wie die Schweizer Raumfahrtindustrie. «Nicht nur Contraves, auch andere, kleinere Firmen nehmen an ESA-Projekten in beachtlicher Manier teil und haben sich Respekt verdient,» sagt Nicollier.

Es gebe ein wachsendes Interesse Schweizer Ingenieure und Wissenschafter an der Raumfahrt. Und Projekte wie der Mars-Besuch könnten sich wie ein «Magnet auf die Motivation junger Studenten auswirken, ihr Talent für die Erforschung des Weltraums einzusetzen.»

Kampf um Hubble

Nicollier ist Astrophysiker und Astronaut mit Leib und Seele. Das eindrücklichste Erlebnis hatte er auf seinem letzten Flug mit der Raumfähre, als er auf dem Raumspaziergang das Hubble-Teleskop nicht nur sehen, «sondern mit meiner eigenen Hand berühren konnte.»

Der Kampf um die Erhaltung des Hubble-Teleskops sei noch nicht entschieden, sagt Nicollier. Eigentlich wollte die NASA die Wartung des Teleskops aus finanziellen Gründen einstellen. Doch nach Proteststürmen vieler Wissenschafter erwäge die NASA die Möglichkeit, Hubble per Roboter zu betreuen oder eine bemannte Wartung mit der Raumfähre zu unternehmen.

(sda)

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