Aktualisiert 27.07.2015 19:18

Schattdorf URClevere Güsel-Krähen zum Abschuss freigegeben

Güselsünder in Schattdorf: Mehrere Krähen reissen immer wieder Abfallsäcke auf. Gelernt haben sie dies wohl von anderen Tieren. Nun sollen sie geschossen werden, doch der Tierschutz wehrt sich.

von
gwa
Sorgen für eine Güsel-Sauerei in Schattdorf: Krähen im Gebiet Acherli.

Sorgen für eine Güsel-Sauerei in Schattdorf: Krähen im Gebiet Acherli.

Immer wieder liegt auf den Strassen im Gebiet Acherli in Schattdorf Abfall auf dem Boden. Grund: Die Güselsäcke werden von Wildtieren zerrissen, die im Siedlungsgebiet auf Nahrungssuche sind. Im Acherli sind die Übeltäter jedoch nicht Fuchs, Katze und Marder – die Müllsäcke werden seit einiger Zeit regelmässig von einigen schlauen Krähen aufgerissen. «Das Problem tritt ausschliesslich im Acherli auf», so die Schattdorfer Gemeindeschreiberin Sybille Jauch gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung».

Um dem Problem beizukommen, sollen die Übeltäter nun

abgeschossen werden. Dabei wird jedoch nicht einfach wild auf die Vögel geschossen: «Wir wollen gezielt nur jene Krähen jagen, die sich an Kehrichtsäcken zu schaffen machen», bestätigt Jagdverwalter Josef Walker.

Krähen lernten wohl von anderen Wildtieren

Der geplante Abschuss der Vögel ist dem Tierschutz ein Dorn im Auge: «Wir sind entschieden gegen ein solches Vorgehen», sagt Hans Murer, Vorstandsmitglied beim Tierschutzverein Uri. Laut Murer sollte man eher den Güsel vor den Tieren schützen als diese zu jagen. «Man könnte die Abfallsäcke etwa mit einer Blache vor den Krähen schützen», sagt Murer. Auch in Containern seien die Güselsäcke vor Krähen und anderen Wildtieren geschützt.

Dass sich Krähen an Güselsäcken vergreifen, kommt laut Matthias Kestenholz von der Vogelwarte Sempach nur punktuell vor. «Es ist tatsächlich so, dass ein Vogel zuerst auf die Idee kommen muss, dass es im Kehrichtsack etwas zu fressen gibt», sagt der Biologe. Die Krähen könnten dies jedoch nicht am Duft erkennen. Die schlauen Vögel haben den Trick gemäss dem Experten wohl von anderen Tieren kopiert: «Vielleicht hatte ein Marder oder eine Katze einen Kehrichtsack aufgerissen und eine Krähe entdeckte dadurch, wie sie an die Abfälle herankommt», so Kestenholz. Danach kopierten weitere Krähen das Verhalten. In erster Linie könne die Bevölkerung helfen, das Problem zu lösen: Man soll möglichst wenig Essensreste wegwerfen und die Güselsäcke erst kurz vor der Sammlung an den Strassenrand stellen.

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