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Florianne Koechlin - «Zellgeflüster»Clevere Pflanzen

Die Gentechnologie dominiert heutzutage die Wissenschaft. In die Gene werden grosse Hoffnungen gesetzt. Es scheint möglich, mit Hilfe der Gentechnologie unheilbare Krankheiten zu heilen und Hunger und Armut zu bekämpfen. Aber kann man diesen Versprechungen glauben? Wenn sich ein Schimpanse nur in ganzen zwei Prozent der Gene vom Menschen unterscheidet, kann doch das Gen gar nicht so zentral sein. Vielleicht macht etwas ganz anderes den Unterschied zwischen den Lebewesen aus. Und haben Pflanzen nicht sogar so etwas wie Intelligenz, da sie ja direkt auf die Umwelt reagieren? Zum Beispiel Tomaten, die mit Duftstoffen untereinander gegen Parasitenbefall kommunizieren. Ein japanischer Forscher schreibt sogar dem Schimmel eine gewisse Intelligenz zu. Weshalb also an pflanzlichen Genen rumpfuschen? Wer garantiert denn für die gewünschten Ergebnisse? Kann nicht alles noch schlimmer werden?

Die Basler Biologin Florianne Koechlin erzählt von indischen Bäuerinnen, die ihr eigenes Saatgut pflegen und von Wissenschaftlern, die nicht dem Machbarkeitswahn der Gentechnologie verfallen sind. Aber keine Angst vor dem Stoff: Koechlin schreibt sehr verständlich und so spannend wie in einem Wissenschaftskrimi. Und sie jammert nicht herum, sondern versucht neue Ebenen und Ansätze in der Diskussion um die Gentechnologie zu finden.

wob

Florianne Koechlin «Zellgeflüster», Lenos-Verlag, 256 Seiten, 36 Franken.

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