Anton Corbijn: «Clooneys Rolle in diesem Film ist sehr düster»
Aktualisiert

Anton Corbijn«Clooneys Rolle in diesem Film ist sehr düster»

Oscar-Preisträger George Clooney spielt in dem Thriller «The American» einen smarten Auftragskiller. Im Interview erzählt Regisseur Anton Corbijn von seiner Zusammenarbeit mit dem «sexiest man alive», die heissen Liebesszenen und den Dreharbeiten in der italienischen Erdbebenregion um L'Aquila.

von
Heike Stoll
Jack (George Clooney) zeigt grosse Gefühle...

Jack (George Clooney) zeigt grosse Gefühle...

Anton Corbijn, wie erlebten Sie die Dreharbeiten mit Superstar George Clooney (Video)?

Anton Corbijn: Als Fotograf habe ich bereits mit sehr berühmten Menschen, auch Schauspielern und Regisseuren, gearbeitet. Dass George Clooney so bekannt ist, hätte für den Film auch von Nachteil sein können – wenn George nicht so ein unglaublich talentierter Schauspieler wäre. Seine Rolle in diesem Film ist sehr düster und ganz anders als seine üblichen Rollen. Daher betrachtet man ihn nicht sofort als den bekannten George Clooney, sondern lässt sich auf seine Figur ein. Er spielt so gut, dass der Vorteil mit ihm zu arbeiten die möglichen Nachteile bei weitem überwiegt.

Die Dreharbeiten (Video) fanden kurz nach dem schweren Erdbeben 2009 direkt in der Nähe von L'Aquila statt...

Das Erdbeben hatte viele Auswirkungen auf den Film, da wir einige Drehorte wechseln mussten. Wir konnten nicht mehr in L'Aquila drehen, sondern in einem Ort namens Sulmona. Einige der nahen Ortschaften konnten wir immer noch benutzen, aber in einem Ort namens Castelvecchio durften wir leider nicht mehr drehen. Dafür konnten wir in Castel del Monte weiter arbeiten. Die ganzen Leute von unserem Film für drei Monate vor Ort zu haben, hatte grosse Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft. Wir haben Millionen von Dollar investiert und der Film kann auch als eine Art Werbung für diese Region angesehen werden. Die Gegend ist sehr schön und viele Menschen kennen sie gar nicht. Wir haben bereits einen Preis für den Film bekommen. Einen sehr interessanten Preis für die beste Verwendung von Italien in einem ausländischen Film. Das zeigt wohl, was die Italiener über unser Projekt denken.

Die Beziehung zwischen George Clooneys Figur Jack und Clara (Video) ist sehr intensiv. War diese erotische Stimmung leicht einzufangen?

Ich komme aus Holland, da kommt das ganz von alleine. Wir Holländer werden mit der Fähigkeit erotische Filme zu produzieren geboren. Ein wenig rotes Licht, davon kann ich gar nicht genug bekommen (lacht). Es gibt viel Liebes- und Sexszenen, die einfach nicht sexy sind. Daher habe ich mich auf eine Sache konzentriert, alleine auf die Reaktionen der Frau. Violante Placido spielt das prima und so natürlich, dass man mit ihr mitfühlen kann. Es ist nicht wirklich eine Liebesszene, es entwickelt sich zu einer, aber es war eher eine Sexszene. Man erhält einen Eindruck davon durch die Art wie wir gefilmt haben, ohne dass man dabei zu viel sieht.

Die Musik zu „The American" stammt von Herbert Grönemeyer...

Oh ja, Herbert Grönemeyer und ich sind seit langer Zeit sehr enge persönliche Freunde und haben bereits einige Male zusammen gearbeitet. Ich habe einiges für seine Tour entworfen und Videos für ihn gedreht und Herbert spielte in meinem Film «Control» mit, obwohl er davor lange Zeit nicht mehr in Filmen zu sehen war. Ich war erfreut wieder mit ihm arbeiten zu können. Herbert ist ein sehr talentierter Songschreiber und ich wusste, dass das Ergebnis gut wird. Da er eine Vergangenheit beim Film hat, kennt er sich damit aus und er kann speziell für einzelne Szenen schreiben. Viele andere Sänger können nicht passend für eine Situation komponieren, aber Herbert schrieb bereits die Musik für Theaterstücke von Bob Wilson und beherrscht diese Kunst. Ich habe ihm eine frühe Version des Filmes gezeigt und wegen des Scores angefragt. Erst danach habe ich die Idee dem Studio mitgeteilt und dort wurden sie etwas nervös, weil ich einen deutschen Rocksänger gebeten habe, die Filmmusik zu schreiben. Ich vermute nachdem sie ihn bei youtube gesucht haben, wurden sie noch nervöser, weil sie tatsächlich einen Rocksänger sahen. Aber ich habe sie beruhigt und die drei ersten Melodien für den Film haben das Studio einfach umgehauen. Danach war es dann leicht. Er hat einen wunderschönen Score geschrieben.

«The American» startet am 16. September in den Deutschschweizer Kinos.

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