Aktualisiert 22.04.2018 08:52

Kiste BadenClub gibt nach Lärmstreit auf und schliesst

Vor kurzem wurde bekannt, dass der Kanton Aargau der Kiste Baden keine längeren Öffnungszeiten erlaubt. Nun ziehen die Betreiber die Konsequenzen.

von
wed
1 / 2
Am 30. Juni wird in der Kiste Baden zum letzten Mal von einem DJ Musik gespielt.

Am 30. Juni wird in der Kiste Baden zum letzten Mal von einem DJ Musik gespielt.

Mit ein Grund für die Schliessung ist ein Knatsch um die Öffnungszeiten: Eigentlich hatte der Stadtrat Baden eine Bewilligung bis 6 Uhr erteilt. Wegen einer Beschwerde wurde diese Bewilligung vom Kanton aber wieder gestrichen.

Mit ein Grund für die Schliessung ist ein Knatsch um die Öffnungszeiten: Eigentlich hatte der Stadtrat Baden eine Bewilligung bis 6 Uhr erteilt. Wegen einer Beschwerde wurde diese Bewilligung vom Kanton aber wieder gestrichen.

Die Kiste in Baden ist einer der wenigen Nachtclubs im Aargau, die eine internationale Bekanntheit erreicht haben. Als elektronischer Underground-Club wären sie eigentlich auf längere Öffnungszeiten angewiesen, um mit der Konkurrenz im nahen Zürich mithalten zu können, wo man bis spät in den nächsten Tag hineinfeiern kann. «Wir kämpfen nun seit drei Jahren, dass wir bis um sechs Uhr offen haben können am Wochenende statt bis um vier Uhr wie bisher», sagt Kiste-Inhaber Jorin Schmitz.

Zwar habe die Stadt Baden dieses Gesuch nach einer Lärmmessung gutgeheissen. «Doch der Entscheid wurde vom Hotel Linde, das schräg vis-à-vis unseres Clubs steht, an den Kanton weitergezogen», sagt Schmitz. Am Wochenende wurde dann bekannt, dass die Bewilligung vom Kanton wieder annulliert wurde.

Per Ende Juni 2018 ist Schluss

Jetzt hat Schmitz genug: «Schweren Herzens haben wir uns dazu entschieden, die Kiste per Ende Juni nach sieben Jahren zu schliessen.» Zwar habe man noch bis am 26. April die Möglichkeit, den Entscheid weiterzuziehen, aber Schmitz glaubt, dass er sowieso keine Chance hätte. «Wir haben schon genug hohe Kosten für die Verfahren und die Anwälte. Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn mehr.»

Die Entscheidung des Kantons habe das Fass nun zum Überlaufen gebracht. «Vonseiten der Polizei und der Behörden werden uns seit Jahren Steine in den Weg gelegt, obwohl wir uns stets an alle Regeln halten – man will uns hier einfach nicht», sagt Schmitz.

«Das ist doch bizarr»

Das zeige auch das Beispiel, dass es zwischen dem Hotel Linde und der Kiste noch einen weiteren Club gebe, der deutlich länger als bis vier Uhr geöffnet habe: «Unsere Gäste müssen um vier Uhr das Lokal verlassen, weil sich das Hotel Linde über den Lärm beklagt, und dann gehen sie weiter in einen Club, der noch näher beim Hotel ist – das ist doch bizarr», so Schmitz.

Er freue sich nun aber auf die letzten Monaten in der Kiste und sei bereits an der Planung für eine grosse Abschlussparty am letzten Juni-Wochenende. «Schliesslich soll es ein schönes Ende werden – wir sind ja auch stolz auf das, was wir in den letzten sieben Jahren geleistet haben.»

«Im Aargau kämpft man gegen das Nachtleben»

Für Nachtleben-Experte Alex Flach ist die Schliessung der Kiste eine grosser Verlust für den Aargau: «Es ist schon sehr schade, wie man im Aargau mit allen Mitteln gegen das Nachtleben kämpft.» In seinen Erfahrungen mit Aargauer Clubs habe er mitbekommen, wie sich die Behörden und auch die Bewohner immer wieder gegen das Nachtleben aussprächen.

«Dass man im Aargau auch immer noch ein Tanzverbot hat an religiösen Feiertagen, sagt doch schon alles», sagt Flach. Man müsse sich daher auch nicht wundern, wenn die Jugendlichen ihren Lebensmittelpunkt so früh wie möglich nach Zürich oder Basel verlagern würden.

Hotel-Sprecher: «Wir müssen ebenfalls überleben»

Wie es beim Hotel Restaurant Linde auf Anfrage von 20 Minuten heisst, habe man nichts gegen die Kiste und will ihr keineswegs schaden. «Wir müssen als Betrieb mit 40 Mitarbeitenden aber ebenfalls überleben», sagt ein Sprecher.

Der Lärm durch den Club bringe die Hotelgäste und Wohnungsmieter im Lindehochhaus um den Schlaf. «Störend sind vor allem die Partygäste vor der Kiste, die nachts laut reden oder gar grölen. Auch tätliche Auseinandersetzungen kommen vor. »

Mindestmass an Nachruhe müsse gewährleistet sein

Ein unabhängiges Gutachten des Kantons habe die hohe Lärmbelastung festgestellt und sei ausschlaggebend gewesen dafür, dass die Beschwerde der Anwohner gutgeheissen wurde. Neben dem Hotel Restaurant Linde hätten auch zahlreiche Anwohner, die teilweise seit vielen Jahrzehnten hier leben, sich gegen die vom Club beantragte Verlängerung der Öffnungszeiten gewehrt.

«Die Stadt Baden schreibt in unserem Quartier einen Wohnanteil von 30 Prozent vor.» Ein Mindestmass an Nachtruhe für die Anwohner müsse deshalb gewährleistet sein, zumal es hier tagsüber durch die sehr vielbefahrene Mellingerstrasse schon laut genug sei.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.