Washington Football Team: Club streicht seine Cheerleader – und setzt neu auf gemischte Gruppe
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Washington Football TeamClub streicht seine Cheerleader – und setzt neu auf gemischte Gruppe

Das NFL-Team aus der amerikanischen Hauptstadt möchte in Zukunft nur noch eine Tanzgruppe aus Frauen und Männern in ihren Stadion-Shows. Auch in der Schweiz gibt es solche «Coed-Teams».

von
Florian Osterwalder
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Die Cheerleader des Washington Football Team während eines Spiels gegen die New York Giants. 

Die Cheerleader des Washington Football Team während eines Spiels gegen die New York Giants.

USA TODAY Sports
Die Cheerleader haben auch während der Corona-Pandemie vor leere Rängen performt. 

Die Cheerleader haben auch während der Corona-Pandemie vor leere Rängen performt.

USA TODAY Sports
Bereits vergangene Saison hatte das Team aus Washington den Namen geändert. Es trennte sich vom Beinamen «Redskins», was so viel bedeutet wie «Rothäute». 

Bereits vergangene Saison hatte das Team aus Washington den Namen geändert. Es trennte sich vom Beinamen «Redskins», was so viel bedeutet wie «Rothäute».

imago images/Icon SMI

Darum gehts

  • Das Washington Football Team verzichtet in Zukunft auf Cheerleader.

  • Ab der neuen Saison wird es eine Tanzgruppe aus Frauen und Männern geben.

  • Die Gruppe wird mit einem Mix aus Athletik und Tricks daherkommen.

  • In der Schweiz gibt es mehrheitlich Vereine, die ausschliesslich aus Frauen bestehen.

Das Washington Football Team verzichtet zukünftig auf Cheerleader und will stattdessen eine Tanzgruppe mit Männern und Frauen bei NFL-Spielen einsetzen. Darüber berichteten mehrere US-Medien am Mittwoch und beriefen sich auf Aussagen von Petra Pope, die zuvor als neue Beraterin des Teams angestellt worden war. «Veränderungen sind schwierig, aber ich habe das Gefühl, dass die Fans lieben werden, was wir ihnen in Zukunft auftischen werden», sagte sie demnach. Die Auflösung des Teams ist jedoch auch ein Verlust für den Cheerleading-Sport, denn das Team aus Washington gab es bereits seit 1962. Es war das am längsten bestehende Programm einer Mannschaft aus der NFL.

Grund für die Auflösung sind unter anderem mehrere Fälle von sexueller Belästigung, wie die «New York Times» schreibt. So verlangte etwa der ehemalige Teamdirektor, dass die Cheerleader sich als Sex-Symbole präsentieren müssen, um männliche Fans und Sponsoren zu befriedigen. «Es scheint so, als ob die Frauen einer Gehirnwäsche unterzogen wurden, um zu glauben, dass es OK sei, wie Abfall behandelt zu werden», sagte die ehemalige Washington-Cheerleaderin Allison Cassidy in einem Interview 2018.

Die neue Gruppe solle einen Mix aus Athletik und Tricks drauf haben und «moderner» sein. Andere NFL-Teams – wie die Los Angeles Rams oder die Seattle Seahawks – haben bereits Männer in ihren Tanzgruppen. Weiter sagt Pope: «Die neue Tanzgruppe wird aus 36 Personen bestehen. Wir wissen aber noch nicht, wie viele Männer die neugebildete Gruppe ergänzen werden, da die Castings dafür noch am Laufen sind.»

Das Washington-Football-Team schrieb bereits letztes Jahr Geschichte. Es hat mit Jason Wright den ersten und einzigen schwarzen Club-Präsidenten in der NFL. 

Das Washington-Football-Team schrieb bereits letztes Jahr Geschichte. Es hat mit Jason Wright den ersten und einzigen schwarzen Club-Präsidenten in der NFL.

imago images/ZUMA Wire

Washington Football Team als Vorreiter

Bereits letzte Saison hat das sich im Wandel befindende Team aus Washington für Aufsehen gesorgt und Geschichte geschrieben. So trennte sich das Team vor der vergangenen Saison von dem heftig kritisierten Beinamen «Redskins». Amerikanische Ureinwohner kämpften jahrelang erfolglos für eine Namensänderung. Der Tod von George Floyd und die daraus resultierten Black-Lives-Matter-Demonstrationen zwangen die Clubführung aber zu einem Umdenken. Denn: Sponsoren wurden aufgefordert, ihre Beziehungen zum NFL-Team einzustellen.

Als erste Mannschaft überhaupt in der NFL hat das Washington Football Team zudem seit 2020 einen schwarzen Club-Präsidenten im Amt. Dies, nachdem Washington das letzte Team der Liga war, das afroamerikanische Spieler zugelassen hatte. Doch nicht nur in der Führungsetage nimmt das Franchise inzwischen eine Vorreiterrolle ein. Mit Jennifer King verpflichteten die Washingtoner die erste schwarze Vollzeit-Trainerin einer Mannschaft in der NFL. Sie ist als Assistenz-Trainerin für die Offensive tätig. Für die neue Saison kommt es nun also zu einer weiteren Neuerung – im Cheerleader-Team.

«Wir würden uns sehr freuen über mehr Männer»

Das FCSG Cheerleader Team des FC St. Gallen gehört zu den erfolgreichsten Teams der Schweiz. Cheerleaderin und Trainerin Selina Trivigno kann den Schritt des Washington Football Teams aber nur bedingt nachvollziehen: «Die Idee an sich ist nicht schlecht und es geht natürlich überhaupt nicht, wenn sich die Cheerleaderinnen als Sexobjekt präsentieren mussten.» Sie hoffe aber gleichzeitig, dass man bei den Auftritten in Washington nun nicht in alte Klischees zurückkehre. «Cheerleading ist ein Sport mit vielen akrobatischen und spektakulären Möglichkeiten, nicht einfach ein paar Frauen und Männer, die bisschen rumtanzen.»

In der Schweiz gibt es laut Trivigno mehrheitlich All-Girls Cheerleader-Teams, die ausschliesslich aus Frauen bestehen: «Wir würden uns sehr freuen, wenn wir mehr Männer in unserem Verein haben – sie haben mehr Kraft und man könnte viel mehr und spektakulärere Figuren gestalten.» Auf die Frage, ob ihr Cheerleading-Team auch schon sexuelle Belästigungen hinnehmen musste, sagt Trivigno: «Im Stadion wird uns immer nachgepfiffen, aber mittlerweile können wir das professionell ausblenden.» Leider gebe es auch den einen oder anderen «Grüsel» der sie anspreche.

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