Feiern mit Covid-Zertifikat - Clubs freuen sich auf Party-Sommer
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Feiern mit Covid-ZertifikatClubs freuen sich auf Party-Sommer

Outdoor Partys sollen im Juli mit bis zu 5000 Personen stattfinden können - ausschliesslich für Personen mit Covid-Zertifikat. In der Szene freut man sich, sieht den Entscheid aber auch kritisch.

von
Leo Hurni
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So könnte es in den Clubs schon bald wieder aussehen. Der Bundesrat will Ende Juni die Clubs wieder öffnen, wenn der Zugang auf Personen mit gültigem Covid-Zertifikat beschränkt wird. 

So könnte es in den Clubs schon bald wieder aussehen. Der Bundesrat will Ende Juni die Clubs wieder öffnen, wenn der Zugang auf Personen mit gültigem Covid-Zertifikat beschränkt wird.

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Höchstens 250 geimpfte, genesene oder getestete Personen will der Bundesrat in die Clubs lassen. In der Club-Szene freut man sich über diesen geplanten Öffnungsschritt. 

Höchstens 250 geimpfte, genesene oder getestete Personen will der Bundesrat in die Clubs lassen. In der Club-Szene freut man sich über diesen geplanten Öffnungsschritt.

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«Nach acht Monaten Schliessung ist das eine grosse Erleichterung für uns», sagt Alexander Bücheli, Geschäftsführer der Bar & Club Kommission Zürich.

«Nach acht Monaten Schliessung ist das eine grosse Erleichterung für uns», sagt Alexander Bücheli, Geschäftsführer der Bar & Club Kommission Zürich.

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Darum gehts

  • Der Bundesrat will im nächsten Öffnungsschritt auch die Clubs wieder öffnen.

  • Die Club-Szene freut sich dementsprechend über die kommenden Öffnungen.

  • Dass der Eintritt vorerst nur für Personen mit Covid-Zertifikat erlaubt ist, wird aber auch scharf kritisiert.

Für viele ist es ein Aufatmen. Nachdem Clubs und Tanzlokale rund acht Monate lang ihre Pforten schliessen mussten, zeigt sich ein Licht am Ende des Tunnels. Der Bundesrat will den Clubs im nächsten Öffnungsschritt vom 28. Juni einen grossen Schritt entgegenkommen – sie sollen ab dann bis zu 250 Gäste empfangen dürfen. Ohne Maske, dafür mit Covid-Zertifikat.

Die Club-Szene freut sich. «Nach acht Monaten Schliessung ist das eine grosse Erleichterung für uns», sagt Alexander Bücheli, Geschäftsführer der Bar & Club Kommission Zürich. Der Vorschlag des Bundesrates gebe einigen Veranstaltern wieder Perspektiven für die kommenden Monaten, doch nicht alle würden davon profitieren. «Die Grenze von 250 Personen und maximal 50 Prozent Kapazitätsauslastung hilft den wenigsten Clubs, da sie so nicht wirtschaften können. Um wirklich eine Perspektive zu schaffen, muss beides nun in der Vernehmlassung erhöht werden», so Bücheli.

Bücheli geht davon aus, dass sich rund 20 bis 30 Prozent der Gäste gegen die Nutzung eines Zertifikats entscheiden. Das Zertifikat sei daher eine «krasse Einschränkung der wirtschaftlichen Freiheit». Umso wichtiger sei, dass kostenlose Tests für diejenigen, die sich nicht oder noch nicht impfen lassen konnten, zur Verfügung stehen würden.

Mehr Möglichkeiten sieht Bücheli hingegen an sogenannten «Outdoors», also Partys im Freien. «Hier bieten die Lockerungen eine deutlich bessere Perspektive. Dass dafür ein Covid-Zertifikat nötig ist, ist in dieser Übergangsphase verständlich.»

Kontrollierter als bei illegalen Partys

Auch bei den Clubs herrscht optimistische Stimmung. «Wir haben in den letzten Monaten stark unter der Schliessung gelitten. Umso mehr freuen wir uns jetzt auf die Zeit, die vor uns liegt», sagt Valentin Aschwanden, Geschäftsführer vom Club Viertel in Basel. Ob es sich lohne, den Club, der rund 650 Personen fasst, jetzt zu öffnen, werde derzeit noch abgeklärt.

Dass der Eintritt vorerst nur für Personen mit Covid-Zertifikat möglich sei, sieht Aschwanden kritisch. «Leute, dich sich nicht impfen lassen wollen, müssen sich jedes Mal testen, was schnell sehr stark ins Geld geht. Daher schliesst das Zertifikat schon auch aus.» Es sei aber eine pragmatische Lösung, die hoffentlich «bald und schnell vorbei ist». Die Öffnung der Clubs könne aber auch zum Impfen motivieren. «Zum einen gibt es diejenigen, die schon lange ihre Meinung zur Impfung gemacht haben. Aber es gibt auch diejenigen, die sich das jetzt überlegen.» Mit den Club-Öffnungen werde es plötzlich sehr konkret. «Und sich jedes Mal zu testen, nervt wohl viele. Das könnte durchaus auch die Leute zur Impfung motivieren.»

Entscheid des Bundesrates gelte es zu akzeptieren

Kritiker der Covid-Zertifikate befürchten etwa eine Zweiklassen-Gesellschaft. «Jeder hat die Möglichkeit, sich zu impfen oder zu testen», sagt Nightlife-Experte Alex Flach. «Der Vorwurf, den man immer wieder hört, dass damit eine Zweiklassen-Gesellschaft entsteht, finde ich nicht gerechtfertigt, da sich jeder vor dem Clubbesuch testen kann.» Es sei der Entscheid des Bundesrates, dass ein Covid-Zertifikat notwendig sei, und diesen gelte es zu akzeptieren.

Der Bundesrat hat den Vorschlag, die Clubs wieder zu öffnen, in die Vernehmlassung an die Kantone zugestellt. Diese müssten jetzt entscheiden, ob sie mit den vorgeschlagenen Öffnungen einverstanden seien oder ob sie mehr oder weniger öffnen wollen. Am 23. Juni entscheidet der Bundesrat über die definitiven Lockerungen, die am 28. Juni dann in Kraft treten werden.

So will der Bundesrat Grossveranstaltungen laufen lassen

Letzten Monat hatte der Bundesrat entschieden, dass Grossveranstaltungen mit Covid-Zertifikat ab Juli wieder möglich sein werden. Dabei soll künftig eine Maskenpflicht gelten - allerdings nur für Veranstaltungen in Innenräumen. Draussen soll auf die Maske verzichtet werden dürfen. Zudem soll die maximale Anzahl Personen vereinheitlicht werden: Drinnen sollen maximal 3000, draussen 5000 Personen teilnehmen können, unabhängig davon, ob eine Sitzpflicht gilt. Es dürfen stets zwei Drittel der Kapazität genutzt werden. Veranstaltungen mit weniger als 1000 Personen, Sport-, Kultur- und Freizeitbetriebe können den Zugang auf Personen mit einem Covid-Zertifikat einschränken, um von Erleichterungen bei den Schutzmassnahmen zu profitieren.

Anders sieht es für Veranstaltungen ohne Covid-Zertifikat aus. Hier soll eine Obergrenze von 1000 Personen gelten, wenn es eine Sitzpflicht gibt, wie es etwa im Kino oder am Fussballmatch der Fall ist. Für Veranstaltungen ohne Sitzpflicht soll eine Obergrenze von 250 Personen gelten, zudem gilt in Innenräumen eine Maskenpflicht. Für Veranstaltungen draussen gilt die Maskenpflicht, wenn man sich bewegt. Die Kapazität der Örtlichkeit darf bis zur Hälfte genutzt werden.

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