15.10.2020 18:16

Corona-MassnahmeClubs kritisieren geplantes Tanzverbot in der Ostschweiz scharf

Das Tanzen und Stehen soll in Ostschweizer Clubs verboten werden: So wollen es die Gesundheitsdirektoren der sieben Ostschweizer Kantone. Vertreter des Nachtlebens sind über das «faktische Arbeitsverbot» erzürnt.

von
Joel Probst
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Nur noch so soll es bald in Ostschweizer Kantonen aussehen. Zumindest wenn es nach den Gesundheitsdirektoren der sieben Ostschweizer Kantone geht.

Nur noch so soll es bald in Ostschweizer Kantonen aussehen. Zumindest wenn es nach den Gesundheitsdirektoren der sieben Ostschweizer Kantone geht.

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Sie wollen ein Tanzverbot in Clubs einführen.

Sie wollen ein Tanzverbot in Clubs einführen.

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Künftig soll in den Ostschweizer Clubs also nur noch gesessen und getrunken werden dürfen.

Künftig soll in den Ostschweizer Clubs also nur noch gesessen und getrunken werden dürfen.

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Darum gehts

  • Die Ostschweizer Gesundheitsdirektoren schlagen ein Tanzverbot in Clubs vor.

  • Konkret soll zwar das Spielen von Musik und die Konsumation von Getränken erlaubt bleiben, aber nur sitzend.

  • Die Interessengemeinschaft des St.Galler Nachtlebens «Nacht Gallen» ist darüber wenig erfreut.

  • Die Kantone sollten die Clubs lieber ganz schliessen und dafür auch Verantwortung übernehmen, sagt ein Vorstandsmitglied.

In den sieben Ostschweizer Kantonen soll es sich in Clubs bald ausgetanzt haben: Die Gesundheitsdirektoren der Kantone St.Gallen, Thurgau, Schaffhausen, Graubünden, Glarus sowie Appenzell Inner- und Ausserrhoden wollen flächendeckend ein Tanzverbot in ihren Clubs erlassen. Geschlossen sollen die Tanzlokale aber nicht werden.

«Unter dem Tanzverbot verstehen wir, dass man in Clubs weder tanzt noch steht», erklärt der Präsident der Ostschweizer Gesundheitsdirektorenkonferenz und Glarner CVP-Regierungsrat Rolf Widmer auf Anfrage von 20 Minuten: «In diesen Lokalen soll das Spielen von Musik und die Konsumation von Getränken erlaubt bleiben, aber nur sitzend. Die Tanzfläche sollte dementsprechend abgesperrt oder mit Sitzmöglichkeiten ausgestattet werden.»

«Lieber eine Clubschliessung»

Die Clubszene hält nichts von der geplanten Einschränkung: «Ein Tanzverbot für Clubs ist wie ein Übernachtungsverbot für Hotels oder ein Essensverbot für Restaurants», enerviert sich Marc Frischknecht, Vorstandsmitglied von «Nacht Gallen», der Interessengemeinschaft des St.Galler Nachtlebens. Er fordert klare Ansagen und wird deutlich: «Es wäre mehr gedient, wenn man die Clubs gleich ganz schliessen, aber dafür auch die Verantwortung übernehmen würde.»

Ob die St. Galler Clubs die Umstellung mitmachen würden, müsse jeder Club für sich entscheiden. Für ihn ist klar: «Clubs sind keine Bars.» Es seien keine grossen Reserven da, um alles auf einen Barbetrieb umzustellen. «Zudem ist fraglich, ob die Partygänger dann überhaupt kommen würden.»

Clubbetreiber spricht von Berufsverbot

Gar nichts vom «weltfremden» Vorschlag hält auch Roni Szepanski, Geschäftsführer und Inhaber des Churer Clubs Selig. «Ein Tanzverbot kommt einem Berufsverbot gleich.» Es gehe den Kantonen eindeutig darum, den Clubs die Existenzgrundlage zu entziehen, ohne für den dadurch entstehenden finanziellen Schaden geradezustehen, sagt Szepanski. «Die für den Vorschlag verantwortlichen Personen haben in ihrem Leben wohl noch nie einen Fuss in einen Club gesetzt.»

Ein Tanzverbot mit gleichzeitiger Maskenpflicht im Club würde für viele Clubs den schleichenden Konkurs bedeuten, sagt auch Alexander Bücheli, Sprecher der Schweizer Bar- und Clubkommission (SBCK). «Ein Tanzverbot raubt diesen ihre DNA. Wieso sollte jemand dann überhaupt noch in einen Nachtclub wollen?» Die Kantone müssten bei einer Einführung des Tanzverbots Verantwortung übernehmen und die Clubs für das faktische Berufsverbot entschädigen, sagt Bücheli.

Gesundheitsdirektor: «Wollen niemanden in den Ruin treiben»

Gesundheitsdirektor Rolf Widmer macht keinen Hehl daraus, was das für das Nachtleben bedeutet: «Uns ist klar, dass damit der ganze Reiz an Tanzlokalen wegfällt.» Zudem müsse man ehrlich sein, dass die Clubs so zu einem Gastrobetrieb würden. Trotzdem hält Widmer die Einschränkung für gerechtfertigt: «Damit können wir sicherstellen, dass der Mindestabstand jederzeit eingehalten werden kann. Das ist beim Tanzen kaum möglich.»

Das Tanzverbot müsse aber erst einmal von den Kantonsregierungen angenommen werden. «Dann werden wir gemeinsam mit den Clubs und Bars anschauen, inwiefern wir Unterstützung leisten können», stellt Widmer in Aussicht. «Wir wollen niemanden in den Ruin treiben, sondern die Übertragung des Virus unterbinden.»

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611 Kommentare
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Nils

16.10.2020, 20:27

Das wilde Rumgehopse ist doch kein Tanzen.

Footloose

16.10.2020, 20:03

Footloose, du darfst nicht tanzen 😉 Tut mir Leid für diesen unnötigen Kommentar. Mir ist der Ernst der Lage bewusst, jedoch sollte man das Lachen und Fröhlich sein in ernsten Situationen nicht vergessen ☺️ Bleibt gesund 😊👍

Cavi33

16.10.2020, 19:14

Alle Clubs und Barsschlies Alle Clubs und Bars schliessen aber entschädigen für die Fixkosten wie Mieten und Personal nebst Kurzarbeitsentschädigung. Die können ja Mitte 2021 wieder öffnen. Das intimer noch besser als ein zweiter Lockdown.