Awareness-Konzept: Clubs und Juso fordern Ausgang ohne  Diskriminierung – Junge SVP wehrt sich

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Awareness-KonzeptClubs und Juso fordern Ausgang ohne  Diskriminierung – Junge SVP wehrt sich

Vermehrt setzen sich Clubs mit Awareness-Konzepten gegen Diskriminierung ein. Während die Juso dies von allen Veranstaltern fordert, wehrt sich die JSVP vehement gegen den «Woke-Wahn».

von
Michelle Bucher
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Vor allem im Ausgang häufen sich diskriminierende und grenzüberschreitende Vorfälle.

Vor allem im Ausgang häufen sich diskriminierende und grenzüberschreitende Vorfälle.

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«Gewalt, auch sexualisierte Gewalt, ist ein gesellschaftliches Phänomen, das leider auch vor der Clubtür nicht Halt macht», so Alexander Bücheli, Pressesprecher der Bar & Club Kommission Zürich.

«Gewalt, auch sexualisierte Gewalt, ist ein gesellschaftliches Phänomen, das leider auch vor der Clubtür nicht Halt macht», so Alexander Bücheli, Pressesprecher der Bar & Club Kommission Zürich.

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Rassismus, Homophobie und Diskriminierung sind in der Schweiz immer noch ein grosses Thema.

Rassismus, Homophobie und Diskriminierung sind in der Schweiz immer noch ein grosses Thema.

Tamedia AG

Darum gehts

Das Zusammenleben in einer Gesellschaft bringt einige Herausforderungen mit sich. Obwohl die Sensibilisierung gegenüber Menschen anderer Hautfarben oder anderer sexueller Orientierung zugenommen hat, sind Rassismus, Homophobie und Diskriminierung immer noch vorhanden.

Gerade im Nachtleben häuften sich in der Vergangenheit homophobe und diskriminierende Vorfälle. Dagegen will Nicola Giordani aus Basel und sein «Schöni-Team» vorgehen. Der Partyveranstalter aus Basel habe deshalb mit seinem Team ein Awareness-Konzept ausgearbeitet, welches dazu anregen soll, das Gegenüber aufgrund seiner Ansichten oder Eigenschaften nicht anzuprangern oder gar anzugreifen.

Wohlfühleffekt dank «Awareness»

«Im Awareness-Konzept haben wir festgehalten, wie wir uns ein schönes Zusammensein vorstellen. Wichtig ist, dass sich alle Besucher wohlfühlen», so Giordani. Dafür hätten er und sein Team viel positives Feedback zu ihren Veranstaltungen erhalten. «Viele haben sich auf unserer Party so wohl gefühlt, wie noch nie zuvor», so Giordani. 

Für den Ausgang reiche ein Awareness-Konzept alleine natürlich nicht aus. Es brauche immer auch Personen, die das Geschehen an Partys im Auge behalten und darauf achten, dass sich alle daran halten, erklärt der Privatveranstalter.

«Ja zum bewussten Zusammenleben»

Für Alexander Bücheli, Pressesprecher der Bar & Club Kommission Zürich ist Gewalt, auch sexualisierte Gewalt, ein gesellschaftliches Phänomen, «das leider auch vor der Clubtür nicht Halt macht.» Neben klaren Grenzen wie verbaler oder körperlicher Gewalt, seien Grenzüberschreitungen aber etwas Individuelles. Deshalb sei es wichtig, dass die Bedürfnisse der Betroffenen im Vordergrund stehen, sie die nötige Unterstützung erhalten und sich nicht erst erklären müssen, so Bücheli.»

Awareness sei ein kontinuierlicher Prozess, der Verband werde sich «weiterhin mit diesem Thema auseinandersetzen und Schulungen anbieten». Auch werde es etwa im Rahmen der «NIGHTS2022 Konferenz» vom 10. bis 12. November 2022 um das bewusste Feiern gehen, so Bücheli.

Die Juso appelliert an Clubbetreiber

Auch bei den Jungsozialisten und -sozialistinnen ist diskriminierendes oder grenzüberschreitendes Verhalten mit ihren Prinzipien nicht vereinbar. «Das Problem fängt schon vor dem Ausgang an: Insbesondere bei vielen Männern fehlt das Verständnis für Konsens», sagt Juso-Präsident Nicolas Siegrist. Damit man dies ändern kann, müssen Grenzüberschreitungen stärker thematisiert werden, so Siegrist.

«Es braucht Reflektion und Auseinandersetzungen mit den verschiedenen Rollenbildern der Gesellschaft», erklärt Siegrist. Das Konzept sei hierfür ein guter Anfang. Das Hauptziel sei es, ein Bewusstsein für einen respektvollen Umgang zu schaffen. «Wir brauchen mehr sichere Räume mit einem Awareness-Konzept und geschultem Personal. In Zukunft sollten alle Clubbetreiber und Clubbetreiberinnen ein solches Konzept vorweisen», so Siegrist.

Was haltest du vom Awareness-Konzept?

Junge Bürgerliche befürchten eine Bevormundung

Anders sieht das David Trachsel, Präsident der Jungen SVP: «Wir müssen dafür sorgen, dass in der Schweiz Recht und Ordnung gelten und sich keine rechtsfreien Räume bilden, wo beispielsweise Gewalt vorkommt und mit Drogen gehandelt wird.» Zudem seien typische Schweizer Werte wie Anstand und Respekt hochzuhalten – auch im Ausgang.

«Bevormundende Awareness-Konzepte, in denen irgendwelche Opfergruppen erfunden werden und diese den Leuten dann detailliert vorschreiben, was man noch denken, sagen und tun darf, sind nicht nur falsch, sondern gefährlich», so Trachsel. Das entspreche genau dem aktuell viel diskutierten Woke-Wahn. «Und wir brauchen definitiv keine Woke-Apostel, die uns im Ausgang sagen, wie viele Biere gesund sind und welche Sprüche unangemessen wären».

LGBTIQ: Hast du Fragen oder Probleme?

Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

InterAction, Beratung und Information für intergeschlechtliche Menschen, Tel. 079 104 81 69

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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