Valentin Stocker: «Cluj war so etwas wie ein Worst Case»
Aktualisiert

Valentin Stocker«Cluj war so etwas wie ein Worst Case»

In der CL-Qualifikation gegen Rasgrad geht es am Mittwoch und in einer Woche für den FC Basel um sehr viel. Valentin Stocker warnt vor den Bulgaren.

von
Eva Tedesco
Sofia

Valentin Stocker ersetzt im Playoff-Hinspiel zur Champions League gegen Ludogorez Rasgrad den verletzten FCB-Captain Marco Streller. (Video: 20 Minuten)

Die Anspannung vor den wichtigsten zwei Spielen in diesem Herbst ist FCB-Präsident Bernhard Heusler deutlich anzusehen. Klar, die Teilnahme an der Champions League ist aus wirtschaftlicher Sicht für den Präsidenten wichtig. Bruttoeinnahmen um die 20 Millionen Franken plus Transfereinnahmen (bisher rund 10 Millionen aus dem Verkauf von Aleksandar Dragovic) helfen in der Jahresrechnung ein kalkuliertes Defizit auszugleichen. Das wäre in der sportlich unattraktiveren und wirtschaftlich weniger bedeutenden Europa League kaum möglich.

Aus sportlicher Sicht gibt es für einen Fussballer nichts Grösseres, als in der Sternenliga zu spielen, also die Möglichkeit zu haben, jeweils Dienstag oder Mittwoch im Rampenlicht zu stehen und die Crème de la Crème des europäischen Klubfussballs nicht nur vom Sofa aus zu erleben. Aber es geht für den FCB auch darum, nach turbulenten Tagen und einem verhaltenen Start in die aktuelle Saison wieder Tritt zu finden. Auf der Suche nach entsprechenden Beispielen muss Rotblau nur in den eigenen Erinnerungen kramen, und die führen ihn gar nicht so weit zurück.

Der Anfang vom Ende von Heiko Vogel

Die Stolperfalle vor einem Jahr hiess Cluj. Eine Aufgabe, die genauso machbar schien wie jetzt Rasgrad. Aber nach einer 1:2-Heimpleite im Hinspiel verloren die Bebbi – damals noch unter Trainer Heiko Vogel – auch das Rückspiel. Alex Frei jagte damals einen Penalty salopp in den rumänischen Nachthimmel. Es war der Anfang vom Ende im Millionenspiel und der Anfang vom Ende der kurzen Ära unter Vogel.

Der FCB zog nach dem Verpassen der Champions League, einem verhaltenen Start in der Europa League mit einem Remis in Lissabon und einem 2:2 im Heimspiel gegen Genk und lediglich 21 von 36 möglichen Punkten (12 Spiele, 5 Siege, 6 Remis, 1 Niederlage – Platz 4) in der Meisterschaft die Notbremse und trennte sich Mitte Oktober vom Deutschen.

Stocker übernimmt von Streller das Captainamt

«Die Ähnlichkeit der Ausgangslage will ich so nicht vergleichen, da ich damals nicht dabei war», sagt Yakin. «Ich glaube aber, dass die Mannschaft seither an spielerischer Qualität zugelegt hat und dass der Siegeshunger wieder da ist. Sie zeigt Bereitschaft zu kämpfen und Leidenschaft.»

«Cluj war sicher so etwas wie ein Worst Case», sagt auch Valentin Stocker, der in Abwesenheit von Marco Streller die Mannschaft als Captain aufs Feld führen wird. «Wir haben Cluj damals unglaublich stark erlebt. Es kann durchaus sein, dass jetzt mit Rasgrad wieder ein Gegner auf uns wartet, von dem wir nach zwei Spielen vielleicht sagen müssen, dass er uns ebenbürtig war. Ich hoffe schwer, dass es nicht so sein wird und wir unsere Chance nützen können.»

Eine einzigartige Situation im Fussball

Stocker weiter: «Solche Situationen wie diese jetzt sind so einzigartig im Fussball, da braucht es keine zusätzliche Motivation. Da kann jeder noch einmal alles mobilisieren in diesen zwei Partien, die es braucht, um in die Gruppenphase der Champions League zu kommen. Wir werden heiss sein und wollen dieses Spiel gewinnen.»

Und dann sagt der 24-jährige Flügelspieler, der es bereits auf 50 Spiele auf europäischem Parkett gebracht hat, angriffig: «Wenn wir uns gegen Rasgrad nicht qualifizieren können, dann haben wir es nicht verdient, in der Champions League zu spielen. Von dem her müssen wir unsere Leistung abrufen und unsere Qualität auf den Platz bringen und sonst müssen wir gar nicht weiter diskutieren. So einfach ist das.»

Yakin hat wohl nichts zu befürchten

Auch Trainer Yakin weiss von der Relevanz der kommenden internationalen Partien, auch wenn er sich nichts anmerken lässt. Der Verzicht auf das Cupspiel am letzten Samstag zugunsten eines Spionagetrips nach Bulgarien lässt ahnen, dass Yakin die anstehende internationale Aufgabe nicht mit der gewohnt stoischen Gelassenheit nimmt, wie es den Augenschein hat. Und er weiss auch, dass seine Arbeit wohl einfacher würde, wenn der Einzug in die Gruppenphase der Champions League geschafft wäre. Ein ähnliches Schicksal wie sein Vorgänger hat der 38-Jährige kaum zu befürchten. Auch wenn im Fussball diesbezüglich nur fix ist, dass nichts fix ist.

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