Queen vergibt: Codeknacker nach 59 Jahren begnadigt
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Queen vergibtCodeknacker nach 59 Jahren begnadigt

Alan Turing knackte die Enigma-Verschlüsselung der Nazis, doch statt als Kriegsheld verehrt, wurde er als Homosexueller verurteilt. Jetzt hat ihn die Queen begnadigt.

von
lmm
Wegbereiter der modernen Computerwissenschaft: Alan Turing als Gymnasiast, 1928.

Wegbereiter der modernen Computerwissenschaft: Alan Turing als Gymnasiast, 1928.

Ohne ihn sähe die Welt heute anders aus: Der Mathematiker Alan Turing, geboren 1912 in London, hat die Grundlagen für die Informatik gelegt und die ersten Computer gebaut. Mit einer seiner Maschinen und mit seiner Geisteskraft half er im Zweiten Weltkrieg mit, die berühmte Enigma-Verschlüsselung der Nazis zu knacken.

Doch in den Augen der damaligen Gesellschaft und Justiz hatte Turing einen Fehler: Er war homosexuell. Dazu stand er auch und gab freimütig zu, dass er mit einem Mann Geschlechtsverkehr hatte. So wurde er 1952 wegen «grober Unzucht und Perversion» verurteilt und vor die Wahl gestellt, ins Gefängnis zu gehen oder sich psychiatrisch behandeln zu lassen. Turing entschied sich für Letzteres, unterzog sich einer chemischen Kastration und litt in der Folge an Depressionen. 1954 nahm er sich mit einem vergifteten Apfel das Leben.

Seit einiger Zeit kämpften unter anderem Stephen Hawking und andere Wissenschaftler dafür, Turing zu rehabilitieren. 2009 erfolgte eine offizielle Entschuldigung durch Premierminister Gordon Brown im Namen der britischen Regierung. Dies war den Aktivisten jedoch noch nicht genug. 37'000 Menschen unterschrieben eine Petition an die Königin, Turing zu begnadigen – mit Erfolg. Der Justizminister veröffentlichte heute die entsprechende Urkunde im Namen Ihrer Majestät. Es ist erst das vierte Mal, dass Queen Elizabeth von ihrem Begnadigungsrecht Gebrauch macht.

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