Grüne Welle: Cola und Pepsi setzen auf Drinks mit Stevia
Aktualisiert

Grüne WelleCola und Pepsi setzen auf Drinks mit Stevia

Nach Coca-Cola erweitert nun auch Pepsi sein Sortiment durch ein mit Stevia gesüsstes Light-Getränk. Die Strategie mit dem natürlichen Süssstoff hat aber einen Nachgeschmack.

von
Valeska Blank

Bei den US-Getränkeriesen ist Grün das neue Rot. Coca-Cola hat mit «Coca-Cola Life» kürzlich eine mit Stevia gesüsste Version seines Klassikers auf den Markt gebracht. Das Getränk mit dem grünen Etikett soll «zu einem gesünderen Leben inspirieren», verspricht die Werbung.

Nun lanciert auch Erzrivale Pepsi eine grüne Version seines Flaggschiffs: Es heisst Pepsi True und ist wie Coke Life neben Zucker hauptsächlich mit Stevia gesüsst. Durch diese Kombination enthalte es ein Drittel weniger Zucker und Kalorien, heisst es bei Pepsi. Gesundheitsbewusste Konsumenten sollen zusätzlich damit angesprochen werden, dass das Pepsi in der grünen Dose keinen Maissirup und keine künstlichen Süssstoffe wie Aspartam enthält.

Bitterer Nachgeschmack

Ob Softdrinks mit Stevia wirklich gesünder sind, ist umstritten (siehe Box). Ernährungswissenschaftlerin Christine Brombach von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften sieht darin aber eine mögliche Alternative zu Zucker: «Stevia hat Potenzial, vor allem weil die Konsumenten heute Wert auf natürliche Süssstoffe legen.»

Ein grosser Nachteil von Stevia sei jedoch der lakritzartige Nachgeschmack, der lange im Mund bleibe, so Brombach. Dieser sei bei Getränken und Lebensmitteln oft schwer zu überdecken. US-Konsumenten geben ihr recht. Sie beschwerten sich auf Facebook über das neuerdings mit Stevia gesüsste «Vitaminwater» des Coca-Cola-Konzerns - es schmecke «wie Chemikalien» oder Hustensirup.

Während neben den Konsumenten auch viele US-Analysten skeptisch gegenüber mit Stevia gesüssten Getränken sind, ist Lebensmittelanalyst Michael Winkler von der Zürcher Kantonalbank für den europäischen Markt optimistischer: «Der Erfolg der Zero-Getränke hat gezeigt, dass die Konsumenten bereit sind, für weniger Zucker und Kalorien beim Geschmack Abstriche zu machen.» Der Trend zu weniger Zucker in Lebensmitteln werde anhalten. Darum sei die Chance intakt, dass die neuen Cola- und Pepsi-Versionen genügend Abnehmer finden, so Winkler.

Schleichende Markteinführung

Pepsi wählt für die Markteinführung von Pepsi True einen ungewöhnlichen Weg: Es wird in einem ersten Schritt exklusiv über Amazon vertrieben, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Damit will der Getränkekonzern die Nachfrage und die Herkunft der Kunden besser einschätzen können.

Coca-Cola will es noch langsamer angehen lassen: Coke Life war zuerst in Argentinien, Chile und Mexiko, danach in Grossbritannien erhältlich. Seit Kurzem steht es auch in einigen Teilen der US-Südstaaten in den Regalen. Ob und wann das Produkt in die Schweiz kommt, steht bis jetzt nicht fest.

Neues Segment

Eine 0,33-Liter-Dose Coke Life bringt es auf 89 Kalorien, eine Dose normales Cola auf 139. Die in den USA vertriebene 7,5-Unzen-Dose (ca. 220 Milliliter) von Pepsi True enthält 60 Kalorien, verglichen mit 100 Kalorien für ein reguläres Pepsi. Mit ihren Getränken mit mittlerer Kalorienzahl wollen die Hersteller die Lücke zwischen ihren Light- beziehungsweise Zero-Linien und den Klassikern mit dem vollen Kalorien- und Zuckergehalt schliessen.

Ein weiterer Grund für die neuen, «gesunden» Cola-Varianten dürften auch politische Vorstösse sein. In verschiedenen Ländern hat die Politik den Softdrink-Herstellern den Kampf angesagt. In New York ist ein Verbot von XXL-Softdrinks erst in letzter Minute durch einen Gerichtsbeschluss gescheitert. In Grossbritannien fürchten sich die Getränkehersteller vor der Einführung einer Zuckersteuer durch die Regierung.

Ist Stevia wirklich gesünder?

Unter dem Begriff Stevia werden gemeinhin die Steviolglycoside gemeint, die aus der Steviapflanze gewonnen werden. Diese Stoffe sind etwa 300-mal süsser sind als normaler Haushaltszucker. Da der Körper die Steviolglycoside kaum verarbeitet, kann er auch keine Energie aus ihnen gewinnen. So enthält Stevia quasi keine Kalorien. Ob Stevia wegen seiner pflanzlichen Herkunft gesünder ist als ein künstlicher Süssstoff, ist noch nicht wissenschaftlichen Langzeitstudien erforscht. Die Steviablätter dürfen in der Schweiz nicht als Lebensmittel vermarktet werden. Die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Steviapflanze sei nicht vollständig belegt, schreibt das Bundesamt für Gesundheit.

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