Nordische Ski-WM: Cologna & Co. verpassen Medaille - Norwegen siegt
Aktualisiert

Nordische Ski-WMCologna & Co. verpassen Medaille - Norwegen siegt

In der 4x10-km-Staffel laufen die Schweizer auf den guten sechsten Rang. Die Goldmedaille geht an Norwegen vor Schweden und Russland.

In einem verrückten Staffelrennen über 4x10 km wurden die Karten vor dem letzten Viertel neu gemischt. Von den Favoriten übernahm bei frühlingshaften 12 Grad keiner die Initiative, Petter Northug und Co. bummelten wie bei einem vorgezogenen Auslaufen. Dies ermöglichte es dem Schweizer Schlussläufer Remo Fischer, in die Spitzengruppe aufzuschliessen, nachdem er mit einer Hypothek von 23 Sekunden ins Rennen gegangen war. Toni Livers hatte auf den letzten 1,2 km des ersten Skating-Abschnitts etwas abreissen lassen müssen.

Auf seiner zweiten von drei Runden machte Fischer in der sechsköpfigen Spitzengruppe dann das Tempo. Der 31-jährige Zürcher wollte verhindern, dass nicht noch mehr zurückliegende Läufer den Anschluss an den «Bummelzug» schaffen konnten. «In dieser Phase habe ich sicherlich viel Kraft gebraucht», sagte Fischer, der es bedauerte, dass er kurz vor dem Ziel noch den Finnen Matti Heikkinen vorbeiziehen lassen musste, und die Schweiz so nicht wie vor zehn Jahren an gleicher Stätte als Fünfte einlief. Eine kleine Medaillenchance hätte Fischer vor allem dann gesehen, wenn ihm auf seiner vorletzten 3,3-km-Schlaufe jemand bei der Führungsarbeit geholfen hätte, und er so beispielsweise in einer Dreigruppe hätte davonziehen können.

Die Spitzengruppe blieb jedoch zusammen und wurde in der Endphase gar noch durch Heikkinen ergänzt. Als dann das Tempo von Calle Halfvarsson (Sd) und Northug forciert wurde, fiel Fischer aus der Entscheidung. Auf der Zielgeraden hatte Halfvarsson gegen die berüchtigte Endschnelligkeit Northugs keine Chance. Bronze sicherte sich Russland (Sergej Ustjugow) vor den Lokalmatadoren aus Italien (David Hofer). Zwangsläufig tritt bei diesen finalen Entscheidungen die Frage auf, wie das Rennen wohl mit Dario Cologna als Schweizer Schlussläufer geendet hätte.

Mangels Alternativen musste die Schweizer Equipe ihren Skiathlon-Weltmeister jedoch schon im zweiten Klassisch-Abschnitt einsetzen. Und auf dieser Position verrichtete der bald 27-jährige Münstertaler wertvolle Dienste. Der Leader im Gesamtweltcup, der mit 18 Sekunden Rückstand von Startläufer Curdin Perl in die Loipe geschickt worden war, führte vor dem zweiten Wechsel eine Sechsergruppe mit den Favoriten Norwegen, Schweden und Russland sowie Deutschland und Italien ins Stadion von Lago di Tesero. Wichtig sei gewesen, nach den beiden Klassisch-Abschnitten in der Spitzengruppe dabei zu sein, so Cologna. Nach seiner ausgezeichneten Leistung blickt der Bündner dem Fünfziger vom Sonntag optimistisch entgegen - zumal das Schweizer Quartett gestern auch auf sehr gutes Material zurückgreifen konnte.

Künftig mehr taktische Möglichkeiten

Die Schweizer Cheftrainerin Guri Hetland attestierte ihrem Teamleader ein «geniales Rennen» und war mit dem Abschneiden ihrer Staffel sehr zufrieden. «Wir haben gezeigt, dass wir zur Weltspitze gehören. Wir sind nicht weit weg von einer Medaille.» Die 38-jährige Norwegerin ist überzeugt, dass die Schweizer Staffel an den kommenden Grossanlässen aufs Podest laufen kann. Dank den jungen Läufern Roman Furger und Jonas Baumann würden sich in den kommenden Jahren mehr taktische Möglichkeiten ergeben. «Die Perspektiven sind gut», so Hetland.

Den Sieg vor 35'000 Zuschauern sicherte sich wenig überraschend Norwegen mit Tord Asle Gjerdalen, Eldar Rönning, Sjur Röthe und Northug. Wie vor zwei Jahren in Oslo musste Olympiasieger Schweden mit Silber vorlieb nehmen, die Revanche für die Verhöhnung ihres Marcus Hellner auf der Ziellinie am Holmenkollen durch Northug gelang nicht. Für Norwegen war es an Weltmeisterschaften der siebte Staffel-Sieg de suite und der elfte Erfolg an den vergangenen zwölf Titelkämpfen. Mit seinem neunten WM-Gold schloss Schlussläufer Northug in der ewigen Bestenliste zu seinem Landsmann Björn Dählie auf.

Resultate

Val di Fiemme (It). WM. Langlauf (in Lago di Tesero). Männer. Staffel (4x10 km/je 2mal klassisch und Skating):

1. Norwegen (Tord Asle Gjerdalen, Eldar Rönning, Sjur Röthe, Petter Northug) 1:41:37,2.

2. Schweden (Daniel Richardsson, Johan Olsson, Marcus Hellner, Calle Halfvarsson) 1,2 Sekunden zurück.

3. Russland (Jewgeni Below, Maxim Wylegschanin, Alexander Legkow, Sergej Ustjugow) 2,4.

4. Italien (Schlussläufer David Hofer) 2,6.

5. Finnland (Matti Heikkinen) 11,7.

6. Schweiz (Curdin Perl, Dario Cologna, Toni Livers, Remo Fischer) 13,0.

7. Deutschland 45,5.

8. Japan 54,2.

9. Frankreich 55,6.

10. USA 1:01.

18 Teams gestartet. (si)

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