Aktualisiert 24.02.2014 20:12

Schweizer Bilanz

Cologna und die unerwarteten Exploits

10 Medaillen angesagt, 11 gewonnen. Die Schweiz hat die Erwartungen an den Olympischen Spielen damit leicht übertroffen. Dario Cologna überstrahlt trotz seinem Pech alles und alle.

von
Marcel Allemann, Sotschi

Zwei Goldmedaillen fuhr der Bündner ein, ohne sein grosses Pech zum Abschluss über 50 km — nach einem Sturz fuhr ihm ein Konkurrent über den Ski und dieser ging zu Bruch — hätten es sogar drei werden können. Trotzdem war es einzigartig, was der 27-Jährige geleistet hat: Cologna liess sich auch nicht durch seine Mitte November erlittene Fussverletzung, die ihn an einem gepflegten Formaufbau hinderte, aus der Ruhe bringen. «Wir dürfen stolz sein, jemanden wie ihn zu haben», erklärte Gian Gilli, Missionschef von Swiss Olympic in seiner abschliessenden Bilanz.

Cologna überstrahlt damit alle und alles, aber herausragend waren auch andere. Vor allem jene, die für unerwartete Exploits sorgten. Selina Gasparin ermöglichte den ersten Schweizer Medaillengewinn im Biathlon, Iouri Podladtchikow schlug in der Halfpipe Shaun White, Dominique Gisin wurde trotz einer zuvor schwierigen Saison zur neuen Abfahrts-Queen, Sandro Viletta hatte in der Kombination auch niemand auf der Rechnung und Nevin Galmarini trat im Alpin-Snowboard aus dem Schatten der Gebrüder Schoch. Speziell ist auch, dass die Eishockey-Girls den Männern die Show stahlen. Und dies nicht nur wegen ihrer Bronzemedaille, sondern vor allem wegen dem spektakulären Weg zu dieser.

Skicrosser und Curler enttäuschen

Diese Exploits gleichen im Prinzip die Enttäuschungen aus, bei einem optimalen Verlauf wären sogar 15 Medaillen möglich gewesen. Aber die Skicrosser wurden ihrer Favoritenrolle ebenso wenig gerecht wie die Curler, die erstmals seit der Sport 1998 olympisch wurde, ohne Medaille blieben. Leer ging auch der vierfache Olympiasieger Simon Ammann sowie das Speed-Team im Ski Alpin der Männer aus und bei den insgesamt zwölf neuen olympischen Disziplinen bestieg die Schweiz ebenfalls nie das Podest.

«Wir hatten drei Medaillen im Freestyle-Ski-Bereich eingeplant und sind schon enttäuscht, dass es weder beim Slopestyle, noch in der Halfpipe und auch nicht im Skicross geklappt hat», erklärte Gilli. Und über den unglücklichen Auftritt von Amman meinte er: «Dieses Beispiel zeigt klar, wie schwierig es ist, an Olympia Medaillen zu gewinnen. Ammann wollte hier nochmals zuschlagen, kam aber mit der Schanze nicht zurecht. Da sieht man, an welch einem dünnen Faden Erfolg und Misserfolg hängen.»

Rang sieben im Medaillenspiegel

Swiss Olympic hat sich gegenüber 2010 in Vancouver um zwei Medaillen gesteigert, an der Rekordmarke von 1988 in Calgary mit 15 Medaillen konnte man jedoch nicht kratzen, obwohl das Programm seither wesentlich umfangreicher geworden ist. Wichtiger ist jedoch der schöne siebte Rang im Medaillenspiegel – vor Ländern wie Österreich, Frankreich, China, Schweden, Tschechien, Japan, Finnland und Italien.

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