Legal Kiffen: Colorado als Vorbild für die Schweiz
Aktualisiert

Legal KiffenColorado als Vorbild für die Schweiz

Während der staatlich kontrollierte Cannabis-Verkauf im US-Bundesstaat Colorado floriert, geht die Kriminalität zurück. Nun drängen Schweizer Politiker auf die Legalisierung.

von
G. Brönnimann

Nach sechs Monaten legalem Verkauf von staatlich geprüften Cannabis-Produkten im US-Bundesstaat Colorado ist der von rechten Politikern und Journalisten beschworene gesellschaftliche und moralische Zerfall bisher ausgeblieben. Für rauchende Köpfe hatte etwa die ehemalige Staatsanwältin und heutige TV-Talkerin Nancy Grace gesorgt, als sie im Januar sagte: «Bekiffte Menschen erschiessen einander, stechen sich ab, erwürgen sich, fahren zugedröhnt rum - sie löschen ganze Familien aus.»

«Der Himmel ist uns nicht auf den Kopf gefallen», sagt Andrew Freeman, Direktor von Colorados Marihuana-Adminstration, zur Nachrichtenagentur Reuters. Es sei aber noch zu früh, eventuelle «unbeabsichtigte Folgen» der Legalisierung zu eruieren.

Weniger Gewaltverbrechen nach 6 Monaten kiffen

Freude herrscht nicht nur wegen des Gras-Geldsegens (siehe Box), sondern auch wegen der soeben veröffentlichten Halbjahres-Verbrechensstatistik: Gegenüber 2013 ging die Kriminalität in der Millionenstadt Denver um 10,1 Prozent zurück, die Gewaltdelikte um 5,2 Prozent. Das Pro-Cannabis-Lager sagt, es liege daran, dass Konsumenten ihren Stoff nicht mehr bei Gangstern kaufen müssten. Überhaupt seien Kiffer friedlich, die Legalisierung könne die Verbrechensstatistik nur positiv beeinflussen. Denvers Polizei prahlt dagegen damit, der Rückgang sei allein auf ihre neue Einsatztaktik zurückzuführen. Und Experten mahnen, es sei noch viel zu früh, um irgendwelche Schlüsse zu ziehen.

Schweizer Politiker drängen auf Legalisierung

Dass die Cannabislegalisierung zu weniger Gewalt führt, macht für Sven Schendekehl vom Schweizer Verein «Legalize It!» durchaus Sinn. Erstens würde das organisierte Verbrechen geschwächt und zweitens sei es «erwiesen, dass das Gewaltpotenzial bei Alkoholkonsum um einiges höher ist als beim Kiffen». Dazu sagt Toni Berthel, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen: «Beide Erklärungen haben etwas für sich.» Berthel fügt aber an: «Aus den wenigen Informationen aus Colorado lassen sich allerdings keine definitiven Schlüsse ziehen.»

«Das sind genau die erwarteten Resultate», kommentiert Nationalrat Geri Müller (Grüne) die News aus Colorado. Er meint: «Es ist an der Zeit, dass das Thema Cannabis-Legalisierung in der Schweiz wieder diskutiert wird.»

«Die bisherigen Resultate aus Colorado sind interessant: Sie entsprechen genau dem, was wir sagen», meint auch SP-Nationalrätin Marina Carobbio. Die Präsidentin der Nationalen Arbeitsgemeinschaft Suchtpolitik fügt an: «Auch wir sind nicht für den freien Verkauf, sondern für einen staatlich regulierten Markt. Drogenerwerb auf der Strasse ist ein Problem. Colorado ist ein regulierter Markt, der kleine Mengen straffrei erlaubt. Wir fordern, dass das auch in der Schweiz diskutiert wird, und dass die Pilotversuche ausgebaut werden, dass wir vernünftige Alternativen zu einem generellen Verbot finden.»

SVP bezweifelt Zusammenhang

SVP-Nationalrat Hans Fehr hat für all das kein Verständnis: «Drogen sind nicht gefährlich, weil sie verboten sind: Sie sind verboten, weil sie gefährlich sind», sagt er. Colorado positiv zu werten sei «absurd»: «Die Schäden und Risiken einer Legalisierung sind wesentlich grösser als irgendwelche Steuergewinne.» Der Zusammenhang zwischen Legalisierung und weniger Verbrechen sei «eine reine Behauptung, die niemand beweisen kann». Laut Hans Fehr warten auf Colorado «bald grössere Probleme als irgendein angeblicher Nutzen».

Grünes Gold: Millionen für Unternehmer und Staat

Die bisherigen Folgen der Cannabis-Legalisierung sind für Colorados Hauptstadt Denver (mit ihren 3 Millionen Einwohnern auf 1600 MüM auch als «Mile High City» bekannt) durchaus erfreulich. In den ersten vier Monaten betrug der Umsatz mit Cannabis-Produkten über 202 Millionen Dollar. Das freut nicht nur die 340 offiziellen Händler und deren Angestellte es spült auch 10,8 Millionen Dollar in die Staatskasse. Das Steuergeld soll unter anderem in den Bildungssektor fliessen. (gbr)

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