Familiensache: Come & back
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FamiliensacheCome & back

Milagros Mumenthaler wanderte auch wegen ihrer Schwester Eugenia aus. Heute erfindet und erobert die Genferin mit ihren Filmen die Welt.

von
Cécile Blaser
«Sie blühte auf»:  Eugenia (r.) über Milagros' Zeit in Argentinien.

«Sie blühte auf»: Eugenia (r.) über Milagros' Zeit in Argentinien.

Milagros, 34, Regisseurin

«Meine Schwester war immer wunderschön. Ihr Lehrer hat sich mal bei unserer Mutter beklagt, als Eugenia mit anderen Kindern auf dem Pausenplatz Seilhüpfen spielte: ‹Was macht Ihre Tochter da? Die Jungs können die Augen nicht von ihr lassen!› Im Gegensatz zu unserer ältesten Schwester, die genau wusste, wie man den Jungs den Kopf verdreht, war sie aber einfach sie selbst und hatte dabei diese umwerfende Ausstrahlung. Daneben fühlte ich mich oft als die Hässliche, die mit den kurzen Haaren. Als ich mit 14 mit Kunstturnen aufhörte und zunahm, fühlte ich mich überhaupt nicht mehr wohl in meiner Haut. Weil auch meine Noten schlecht wurden, ging ich nach Argentinien. Ich wollte Abstand. Als mich Eugenia besuchen kam, war ich zuerst ziemlich fies zu ihr: Ich wollte nicht, dass sie mir mein neues Leben wegnimmt – und prompt verliebte sich mein Schwarm in sie. Später lernte sie David kennen, ihren Mann. Zusammen sind sie heute meine Produzenten. Und ich bin sehr froh, habe ich sie.»

Eugenia, 36, Produzentin

«Meine Schwester hat lange nicht gesprochen. Unsere Eltern waren politische Flüchtlinge und dadurch viel umgezogen – von Argentinien nach Madrid, Bern, Lausanne und Genf. Um uns herum wechselte dauernd die Sprache. Meine Mutter sagte mal: ‹Wir müssen endlich entscheiden, wo wir wohnen wollen, sonst fängt sie nie an zu reden!› In Genf blieben wir. Mila und ich gingen auf eine Sportschule und ins Kunstturnen. Wir haben uns Schulweg und Freundeskreis geteilt, verbrachten Tage mit Trainieren und an Wettkämpfen. Als Teenager war Mila sehr verschlossen. Während ich immer unterwegs war, blieb sie zu Hause und half unserer Mutter beim Einkaufen und Kochen. Mit 18 reiste sie zu unserer Grossmutter nach Argentinien, machte in Bue­nos Aires die Filmschule und kre­ierte sich eine komplett neue, eigene Welt: Sie blühte auf, schloss Freundschaften und lernte, wie sie all ihre Ideen in Filme packen kann. Dass ich heute als Produzentin ein Teil von Milas Welt bin, freut mich sehr.»

Familienfilm

Mit ihrem Kinodebüt «Abrir puertas y ventanas» holte Filmregisseurin Milagros Mumenthaler (r.) am Filmfestival Locarno 2011 einen Goldenen und einen Silbernen

Leoparden. Im Film geht es um drei Schwestern, die nach dem Tod ihrer Grossmutter allein leben. Milagros ist halb Schweizerin, halb Argen­tinierin und wuchs in Spanien und in der Schweiz auf – das Bild entstand anfangs der 80er-Jahre in Lausanne. Ihre Schwester Eu­genia studierte in Lyon Anthropologie. Sie hat heute in Genf eine eigene Filmproduktionsfirma, Alina Film Sàrl, mit der sie unter anderem die Filme ihrer Schwester herausbringt.

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