In der Kritik: Comedian reisst Witze über Pädophile und Frauen

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In der KritikComedian reisst Witze über Pädophile und Frauen

Bei seinen Stand-up-Comedy-Shows gibt es für den Glarner Michael Schmid thematisch keine Tabus. Dass er damit aneckt, weiss er. Für die Juso gehen seine Witze gar nicht.

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Der Glarner Stand-up-Comedian bei einem Auftritt.

Der Glarner Stand-up-Comedian Michael Schmid reisst auf der Bühne Witze gegen Frauen, macht derbe Sprüche über Vergewaltigung oder Pädophilie. Sein Humor erinnert an die Comedians Jim Norton oder Jimmy Carr. Im Video oben sehen Sie einen Ausschnitt aus einer seiner Vorführungen – mit Beispielen seiner umstrittenen Witze.

Bei einer Leserin sorgt ein Video einer seiner Auftritte, der kürzlich in Zürich stattfand, für ordentlich Kritik: «Ich finde es eine Frechheit, dass man so frauenfeindlich sein kann und sich hinter dem Deckmantel der Komik versteckt.» Sie finde die Witze verletzend und sie glaube nicht, dass dem Comedian das Ausmass solcher Aussagen bewusst sei. Für sie ist klar: «So jemand sollte keine Plattform bekommen und nicht öffentlich auftreten dürfen.»

Auch Juso-Präsidentin Ronja Jansen findet, dass der Comedian zu weit geht. «Durch seine Aussagen werden Gewalt sowie sexualisierte Gewalt an Frauen massiv verharmlost und ins Lächerliche gezogen», so Jansen. Das vor allem, wenn man bedenke, dass in der Schweiz jede dritte Woche eine Frau durch die Schläge ihres Partners oder Ex-Partners stirbt. «Sobald Satire oder Komik die Diskriminierung von Menschen ausschlachtet, geht das meiner Meinung nach nicht mehr in Ordnung.»

«Ziel, die Leute zum Lachen zu bringen»

Der Comedian Michael Schmid selbst sieht das anders: «Auf der Strasse und an jedem Bahnhof wird so geredet. Deshalb verstehe ich nicht, wieso man auf der Bühne nicht so reden darf.» Diskriminieren würde er jemanden erst, wenn er sich nicht über ihn lustig mache, so Schmid. Und: «Das Schlimme ist eigentlich nicht, dass ich einen Witz auf der Bühne mache, sondern dass die Leute darüber lachen.»

Das Kontroverse hebe ihn zudem von der Masse ab. Bis jetzt habe er für sich noch keine Grenze gefunden. Wie weit er gehen darf, teste er jeweils während eines Auftritts. Nach seinem letzten Auftritt habe der hauptberufliche Koch einige gehässige Nachrichten bekommen. Darauf gehe er aber nicht ein. «Mein Ziel ist es, die Leute zum Lachen zu bringen und nicht politisch korrekt zu sein.» Der Niederurner betont, dass er auf der Bühne ein anderer Mensch sei als privat. «Vieles was ich auf der Bühne sage, ist im Privaten ein absolutes No-Go», erzählt er.

Grenzen werden individuell gesetzt

Der Schweizer Comedian Stefan Büsser sieht im Video keine Grenzüberschreitungen. Wenn jemand diese Art von Comedy nicht mag, müsse er sie ja nicht konsumieren. Es sei aber natürlich immer schwierig, so etwas zu beurteilen, da jeder individuelle Grenzen habe. Für ihn gilt: «Ich mache nur Witze, worüber auch mein Gegenüber lachen kann und solange es strafrechtlich erlaubt ist. Das heisst, dass die Meinungsfreiheit gewährleistet ist und zum Beispiel nicht zur Gewalt aufgerufen wird.»

Als Comedian müsse man sich aber auch zuerst finden und Grenzen ausloten, das gehöre dazu. Auch er habe schon Witze gemacht, die er heute lassen würde.

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