Comedian wehrt sichKaya Yanar wird wegen Nahost-Video angezeigt
Der deutsche Komiker Kaya Yanar wohnt in der Zürichsee-Region. Ein Video von ihm zum Nahostkonflikt hat hohe Wellen geschlagen. Jetzt soll eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung eingegangen sein.
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Darum gehts
Gegen den deutschen Komiker Kaya Yanar ist eine Strafanzeige eingegangen. Der Vorwurf soll Volksverhetzung sein.
Grund ist ein Video von Yanar, in dem er sich mit Israels Militäroperation im Gazastreifen befasst.
Yanar erhebt verschiedene Vorwürfe, in mehreren deutschen Medien wird ihm daraufhin Antisemitismus vorgeworfen.
«Nun also Sie auch. Sie haben die Seiten gewechselt.» So beginnt ein Beitrag in der «Jüdischen Allgemeinen», der mit dem Titel «Lieber Kaya Yanar …» überschrieben ist. Hintergrund ist ein rund 20-minütiges Video, das der deutsche Komiker, der am Zürichsee wohnt, kurz zuvor auf Youtube veröffentlicht hat.
Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigen Polizei und Staatsanwaltschaft von Osnabrück, dass eine Anzeige eingegangen ist. Der Vorwurf soll auf Volksverhetzung lauten. «Ein entsprechender Sachverhalt ist bei der Polizei gemeldet und zur rechtlichen Würdigung an die Staatsanwaltschaft Osnabrück überwiesen worden», heisst es von der Polizei. Und bei der Staatsanwaltschaft: «Ein entsprechender Vorgang wurde uns von der Polizei angekündigt.» Aktenkundig ist das also noch nicht, was aber nicht unüblich und nur eine Frage der Zeit sei.
«Keiner von ihnen hatte etwas mit der Hamas zu tun»
Yanar spricht im Video über den Nahostkonflikt. In der Rolle als «Yildirim», ein türkischer Fahrlehrer, wirft er israelischen Regierungsmitgliedern und Militärs vor, zu lügen und Beweise zu fälschen. Er stellt infrage, ob die Aktionen der israelischen Armee und die Opfer im Gazastreifen gerechtfertigt seien. Er prangert an, dass Menschen stürben, die nichts mit der Hamas zu tun hätten.
Er spricht über Desinformation und Fake News und darüber, dass die israelische Armee gezielte Schläge führen statt grossflächig bombardieren könnte, wenn sie denn wollte. Am Ende des Videos ruft er, nun wieder als Kaya Yanar und mit ernsthafter Stimme, zu einem Waffenstillstand auf.
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«Auch nur eine Sekunde an die jüdische Bevölkerung gedacht?»
Im Kommentar in der «Jüdischen Allgemeinen» heisst es dazu: «Sie gehen antisemitischen Klischees auf den Leim und Ihre Fangemeinde nimmt es mit Handkuss auf.» Die Autorin fährt fort: «In einem gebe ich Ihnen recht: Der Krieg fordert zu viele Tote. Aber wenn Sie nun für Gerechtigkeit einstehen, warum haben Sie – wie die meisten Kunstschaffenden – unmittelbar nach dem 7. Oktober geschwiegen?»
Yanar erwiderte daraufhin, er habe nicht geschwiegen. In Instagram-Storys habe er sich zum 7. Oktober geäussert und sich klar gegen die Hamas positioniert.
Auch in der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» wurde Yanars Video kommentiert. «Die ‹Wahrheit› ist hier eine Parade von Kurzschlusspointen, grundsätzlich zuungunsten Israels», urteilt der Autor. Und: «In seiner konsequenten Einseitigkeit ist das alles so hart an der Grenze perfider (antisemitischer) Propaganda, dass man sich schwertut, den vorgeschützten Humanismus seinerseits als ‹Fakt› zu nehmen – und nicht als die Heuchelei, die sich seinerseits halt Kaya Yanar erlaubt.»
«Will nicht durch Schweigen Komplize sein»
Ob und inwiefern Yanars Aussagen antisemitisch sind, wird nun ein Gericht beurteilen. Yanar selbst hat ein Statement dazu veröffentlicht und sieht sich in der Opferrolle: «Jetzt also Antisemit», beginnt er. Und schreibt weiter: «Der Antisemitismus-Vowurf, den sich jetzt manche Tastatur-Akrobaten aus deutschen Redaktionen herbeidichten wollen, ist haltlos und verletzend. Wie kann man aus einer Kritik an einem militärischen Vorgehen einer Regierung schlussfolgern, dass man das Volk Israels und sogar darüber hinaus alle Menschen jüdischen Glaubens dafür zur Verantwortung zieht? Diese Denke fühlt sich für mich rassistisch an und entspricht nicht meiner Art zu denken.»
Gegenüber 20 Minuten lässt das Management von Yanar ausrichten: «Die Anzeige muss ein Irrtum sein. Ich war immer bemüht um Volksvernetzung, den kulturellen Austausch der Völker. Vielleicht ist das mittlerweile in Deutschland strafbar.» Sein Video habe er gemacht, um nicht «durch Schweigen Komplize dieser Katastrophe zu sein». Denn: «Was wir hier erleben, ist eine humanitäre Katastrophe als Reaktion auf einen barbarischen Terrorakt.»
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