US-Army: Coming-out für schwule Soldaten
Aktualisiert

US-ArmyComing-out für schwule Soldaten

Ab heute geht die amerikanische Armee neue Wege: US-Soldaten im Dienst dürfen fortan offen zu ihrer Homosexualität stehen. Konservative Politiker haben bereits Widerstand angekündigt.

Amerikanische Soldaten nehmen am 16. Juli 2011 an der «Gay Pride Parade» in San Diego teil.

Amerikanische Soldaten nehmen am 16. Juli 2011 an der «Gay Pride Parade» in San Diego teil.

«Don't ask, don't tell» (Nicht fragen, nichts sagen) - damit ist es am Dienstag in der US-Armee vorbei. Schwule und Lesben dürfen fortan in den Streitkräften dienen, ohne ihre Homosexualität leugnen zu müssen.

Bislang mussten Homosexuelle eine schwere Entscheidung treffen: Entweder sie verheimlichten ihre sexuelle Orientierung, oder sie verloren ihren Job. Das ist der Kern der sogenannten «Don't ask, don't tell»-Regel, die Anfang der 90er Jahre unter dem damaligen Präsidenten Bill Clinton eingeführt wurde.

Die Abschaffung der Regelung war ein Kernanliegen der Homosexuellen-Bewegung. Nach heftiger Debatte stimmten das Repräsentantenhaus und der Senat im vergangenen Dezember schliesslich zu. US-Präsident Barack Obama, sein Verteidigungsminister Leon Panetta und Generalstabschef Mike Mullen gaben Ende Juli endgültig grünes Licht.

Obama feierte das Ende einer «diskriminierenden Regelung, die unsere militärische Einsatzbereitschaft untergräbt und die amerikanischen Prinzipien für Gerechtigkeit und Gleichheit verletzt». Dem Militär würden nun nicht mehr talentierte Soldaten vorenthalten, «nur weil sie schwul oder lesbisch sind.»

Sein Vorgänger Clinton hatte bereits 1993 versucht, den Homosexuellen-Bann zu beenden, konnte sich mit seinen Generälen aber nur auf die Schweige-Regelung einigen. Dem Kompromiss zufolge konnten Schwule und Lesben in die Streitkräfte eintreten, wenn sie nicht offen zu ihrer Homosexualität standen.

Zugleich durfte die Armee Bewerber und Soldaten nicht nach ihrer sexuellen Orientierung fragen. Seit Inkrafttreten der Regelung wurden rund 14 000 Armeeangehörige entlassen, weil sie sich zu ihrer Homosexualität bekannten. Sie können nun ab Dienstag auf Wunsch ihren Dienst wieder aufnehmen.

Konservativer Widerstand

Bei den Republikanern versuchten Politiker bis zuletzt, die Öffnung der Streitkräfte für Schwule und Lesben zu verhindern. Sie argumentieren, dass dies Zusammenhalt und Einsatzbereitschaft gefährden und dem Ansehen der Truppe schaden könnte.

Michele Bachmann, die den erzkonservativen Tea-Party-Flügel im Repräsentantenhaus anführt und sich um die Präsidentschaftskandidatur 2012 bewirbt, sagte etwa, dass sie den Homosexuellen-Bann wieder einführen würde.

Mehrere republikanische Kongressabgeordnete forderten in der vergangenen Woche in einem Brief an Panetta einen Aufschub, weil dem Kongress die Einzelheiten der neuen Armeevorschriften nicht zugänglich gemacht worden seien.

Soldaten aufklären

Doch die Streitkräfte haben sich bereits an die neuen Realitäten angepasst. In speziellen Kursen wurden Soldaten in den vergangenen Monaten geschult, wie sie mit offen homosexuellen Kameraden umgehen sollen.

Eine Untersuchung des Pentagon zeigte eine Zustimmung unter den Soldaten von insgesamt 70 Prozent für das Ende von «Don't ask, don't tell». Nur bei den Marineinfanteristen und anderen elitären Kampfeinheiten war eine Mehrheit gegen die Änderung.

Pünktlich zum Inkrafttreten der neuen Regelung erscheint am Dienstag auch eine Zeitschrift für Schwule und Lesben bei den Streitkräften. Das Magazin «OutServe» soll auf Stützpunkten der US- Armee verteilt werden.

In dem Heft werden Fotos und Biografien von knapp hundert Soldaten veröffentlicht, die sich offen zu ihrer Sexualität bekennen. Die Macher nannten es auf ihrer Webseite einen «historischen» Schritt, dass sich schwule, lesbische oder bisexuelle Soldaten nicht mehr verstecken müssten.

Einigen Aktivisten geht aber auch die neue Regelung nicht weit genug. Sie beklagen, dass Lebenspartner homosexueller Soldaten nicht auf der jeweiligen Militärbasis leben dürften. Ausserdem geniessen sie auch weiterhin nicht dieselben Rechte wie die Ehepartner heterosexueller Soldaten.

Die Homo-Ehe ist zwar mittlerweile in sechs US-Bundesstaaten erlaubt, unter den für die Streitkräfte relevanten Bundesgesetzen ist die Ehe aber weiter als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert.

(sda)

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