Register-Wirrwarr - Comparis warnt vor Ärzten ohne Lizenz
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Register-WirrwarrComparis warnt vor Ärzten ohne Lizenz

Patientinnen und Patienten sind im Unklaren, ob ihr Arzt des Vertrauens über eine Berufslizenz verfügt. Der Vergleichsdienst führt deshalb ein Ärzteverzeichnis mit Übersicht über den Bewilligungsentzug.

von
Fabian Pöschl
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Comparis hat ein Register-Wirrwarr bei Medizinnerinnen und Medizinern registriert.

Comparis hat ein Register-Wirrwarr bei Medizinnerinnen und Medizinern registriert.

Waltraud Grubitzsch/ZB/dpa
Ärztinnen und Ärzte ohne kantonale Berufslizenz könnten einfach den Kanton wechseln und blieben so unentdeckt.

Ärztinnen und Ärzte ohne kantonale Berufslizenz könnten einfach den Kanton wechseln und blieben so unentdeckt.

Socrates Baltagiannis/dpa
Wer nicht mehr selbständig praktizieren darf, kann einfach unter Aufsicht einer Ärztin mit gültiger Bewilligung arbeiten, auch wenn es die eigene Lebenspartnerin ist.

Wer nicht mehr selbständig praktizieren darf, kann einfach unter Aufsicht einer Ärztin mit gültiger Bewilligung arbeiten, auch wenn es die eigene Lebenspartnerin ist.

Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Darum gehts

  • Das BAG führt zwei Ärzte-Register, die nicht identisch sind.

  • Patientinnen und Patienten sehen nicht, ob ihr Arzt oder ihre Ärztin über eine Berufslizenz verfügt.

  • Comparis warnt vor gefährlichen Folgen.

  • Und führt nun eine eigene Liste ein.

Der verschuldete Arzt, der sich in seinem Haus verschanzt hatte und anschliessend das Leben nahm, sorgte im Mai für grosse Schlagzeilen. So flog auch auf, dass er trotz Entzug der Berufslizenz vor über einem Jahr einfach weiter arbeitete.

Medizinerinnen und Mediziner ohne Berufsausübungsbewilligung gibt es nur wenige in der Schweiz, wie der Vergleichsdienst Comparis mitteilt. Allerdings sei eine transparente Information schwierig einzusehen, weil es zwei Ärzte-Register vom Bundesamt für Gesundheit gebe. Diese seien teilweise nicht identisch, nicht aktuell und unvollständig.

«Das kann für Patientinnen und Patienten gefährlich werden», warnt Comparis-Gesundheits-Experte Felix Schneuwly. Denn eine kantonale Sanktion gilt nicht für die ganze Schweiz. So gibt es Personen, die problemlos in anderen Kantonen praktizieren. Und wer nicht mehr selbstständig praktizieren darf, kann einfach unter Aufsicht einer Ärztin mit gültiger Bewilligung arbeiten, auch wenn es die eigene Lebenspartnerin ist.

Ärzteverzeichnis mit Bewilligungsnachweis

Der Vergleichsdienst bietet ein eigenes Ärzteverzeichnis mit den Daten des BAG. In der Profilbox der Medizinerinnen und Mediziner sehen Nutzer sowie Nutzerinnen nun die Info, ob ein Bewilligungsentzug stattgefunden hat oder hängig ist. «Patientinnen und Patienten brauchen die vollständige Information über den Status der Ärztinnen und Ärzte. Nur so können sie bei der freien Arztwahl ihren Teil der Verantwortung wahrnehmen,» so Schneuwly.

Er fordert weiter, dass nicht nur der Entzug der Berufsausübungsbewilligung in den Registern des BAGs publiziert werden muss, sondern auch Verwarnungen und Bussen. Dafür braucht es eine Anpassung der Verordnung, für die sich laut Comparis auch die Ärztevereinigung FMH einsetze.

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