Überwachungs-Programm: Computer entlarven böse Banker noch vor der Tat
Aktualisiert

Überwachungs-ProgrammComputer entlarven böse Banker noch vor der Tat

Skandale kosten Grossbanken Milliarden. Um das schon im Vorfeld zu verhindern, setzen sie komplizierte Computerprogramme ein. Auch in der Schweiz.

von
Laura Frommberg
1 / 10
2014: Der französischen Grossbank BNP Paribas droht eine Busse von 8,9 Mrd. Dollar - wegen Geschäften mit dem Iran und anderen Ländern, die auf der US-Sanktionsliste stehen. Im Bild CEO Jean Laurent Bonnafé.

2014: Der französischen Grossbank BNP Paribas droht eine Busse von 8,9 Mrd. Dollar - wegen Geschäften mit dem Iran und anderen Ländern, die auf der US-Sanktionsliste stehen. Im Bild CEO Jean Laurent Bonnafé.

Keystone/AP/Francois Mori
2014: Wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung wurde die Schweizer Grossbank Credit Suisse zu einer Strafe von 2,6 Mrd. Dollar verdonnert.

2014: Wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung wurde die Schweizer Grossbank Credit Suisse zu einer Strafe von 2,6 Mrd. Dollar verdonnert.

Keystone/Ennio Leanza
2013: Hauptsitz der Rabobank im niederländischen Utrecht. Sie wurde wegen Libor-Manipulationen zur Kasse gebeten und zahlte 1,07 Mrd. Dollar (inkl. Zahlungen an nicht-amerikanische Behörden).

2013: Hauptsitz der Rabobank im niederländischen Utrecht. Sie wurde wegen Libor-Manipulationen zur Kasse gebeten und zahlte 1,07 Mrd. Dollar (inkl. Zahlungen an nicht-amerikanische Behörden).

Keystone/AP/bas Czerwinski

Es klingt ein bisschen nach dem Film «Minority Report»: Der Computer weiss noch vor dem Menschen, dass man einen Fehler begehen wird. Diese einstige Science-Fiction-Idee ist bei Grossbanken nun Realität geworden. Um Prozesskosten und Strafen zu umgehen, setzen sie Algorithmen auf ihre Mitarbeiter an. Diese Computerprogramme überwachen die Handlungen der Mitarbeiter und suchen potenzielle schwarze Schafe heraus, noch bevor diese etwas falsch machen.

Ein Anbieter solcher Programme ist die Firma Digital Reasoning. Eigentlich hatte sie das Programm entwickelt, um der US-Regierung zu helfen, potenzielle Terroristen zu entlarven, bevor diese einen Anschlag verüben. Dann erkannte man, dass dieses Geschäftsfeld auch andernorts vielversprechend ist. Inzwischen zählt unter anderem die Credit Suisse zu den Kunden.

Was genau wird überwacht?

Wie genau die Programme funktionieren, verrät Digital Reasoning nicht. Auch die Credit Suisse will aus Sicherheitsgründen dazu nichts sagen. Bei der UBS, die zwar keine Kundin von Digital Reasoning ist, aber die Daten der Mitarbeiter ebenfalls durch elektronische Filter laufen lässt, gibt es ebenso wenig Informationen zu den Mechanismen.

Offener gibt sich da die US-Grossbank J.P. Morgan: Sie testet neu ebenfalls einen Algorithmus, der Risiko-Mitarbeiter entlarven soll. Nach einem erfolgreichen Testlauf soll er schon bald unternehmensweit eingesetzt werden. Kriterien, die vom Computer untersucht würden, seien etwa, ob Mitarbeiter Compliance-Seminare schwänzten. Auch ob sie sich in Chats und Gesprächen über Regulierung lustig machten oder darüber redeten, Regeln zu brechen, werde überwacht, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Angespanntes Arbeitsklima

Dass das nicht überall gut ankommt, ist klar. Mitarbeiter beider Schweizer Grossbanken berichten 20 Minuten, dass das Arbeitsklima angesichts der ständigen Überwachung angespannter geworden sei. Viele Angestellte hätten auch Angst, dass die Bank das Programm nutze, um Mitarbeiter einfacher entlassen zu können.

Die Banken weisen solche Kritik von sich. Es gehe schlicht darum, Fehlverhalten zu verhindern. «Wir halten uns an die regulatorischen und arbeitsrechtlichen Vorgaben und geben hierzu keine weiteren Angaben», sagt eine UBS-Sprecherin.

Deine Meinung