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Concorde-Katastrophe wegen Schlamperei

Als am 25. Juli 2000 eine Concorde brennend vom Himmel über Paris in ein Hotel stürzte und 113 Menschen in den Tod riss, war dies gleichzeitig das Ende des legendären Flugzeugs. Wie sich jetzt herausstellt, hätte die Katastrophe verhindert werden können.

Eine Schwachstelle beim Überschallflugzeug Concorde soll schon Jahre vor dem verheerenden Absturz am 25. Juli 2000 bekannt gewesen sein, sie sei aber nie behoben worden. Das berichtete die Zeitung «Le Figaro» am Donnerstag unter Berufung auf Justizunterlagen.

Die Ermittlungen stehen sieben Jahre nach der Tragödie, die 113 Menschen das Leben kostete, kurz vor dem Abschluss. Im für 2008 vorgesehenen Prozess werde es vor allem um die Frage gehen, warum Konstrukteure und Behörden die Warnungen vor der Schwachstelle des Überschalljets ignorierten, schrieb die Zeitung.

Der Unfallhergang war schnell rekonstruiert: Ein Flugzeug der Continental Airlines hatte auf der Startbahn des Pariser Flughafens «Charles de Gaulle» eine Titanlamelle verloren. Ein Reifen der wenige Minuten später startenden Concorde platzte, Gummiteile durchschlugen einen Tank, ausströmendes Kerosin entzündete sich. Der Air-France-Jet stürzte brennend auf ein Hotel.

Den Ermittlungsunterlagen zufolge gab es seit 1979 mehrere Vorfälle, bei denen Reifenteile den Tank einer Concorde beschädigten. «Eine technische Behebung dieser Schwachstelle (durch eine Kevlar-Verstärkung) war in den 80er Jahren möglich», zitiert der «Figaro» aus einer Studie von 2004.

In einem weiteren Bericht von 2005 haben die Experten demnach festgehalten, dass mehrere schwere Zwischenfälle als Vorboten der Katastrophe bewertet werden könnten. «Es gab zahlreiche Alarmsignale, aber die entsprechenden Massnahmen wurden nie ergriffen», sagte der Anwalt Roland Rappaport der Zeitung.

Wegen der Katastrophe sind zwei frühere Concorde-Ingenieure, ein leitender Angestellter der Flugaufsichtsbehörde DGAC sowie die Fluggesellschaft Continental Airlines angeklagt. (dapd)

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