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Fehlender UmsatzConrad schliesst Schweizer Filialen

Die Mietverträge der beiden Schweizer Conrad-Filialen werden ab 2021 nicht verlängert. Einzig der Online-Versand bleibt bestehen. Bei den Angestellten herrsche eine «miese» Atmosphäre, so ein Mitarbeiter.

von
Nathan Keusch
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Conrad Electronic AG schliesst seine Filialen in der Schweiz.

Conrad Electronic AG schliesst seine Filialen in der Schweiz.

Foto: Conrad.ch
Betroffen ist der Laden in Dietlikon ZH..

Betroffen ist der Laden in Dietlikon ZH..

Google Streetview
…sowie die Filiale in Emmenbrücke LU.

…sowie die Filiale in Emmenbrücke LU.

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Darum gehts

  • Conrad Electronic schliesst seine Schweizer Filialen.

  • Die Mietverträge der Läden laufen 2021 aus. 80 Arbeitnehmer sind betroffen.

  • Ein Mitarbeiter beschreibt die Stimmung innerhalb der Belegschaft als «mies».

Das deutsche Unternehmen Conrad Electronic AG schliesst 2021 seine Schweizer Filialen in Emmenbrücke LU und Dietlikon ZH in der Schweiz. Der Mietvertrag der Filiale in Dietlikon läuft noch bis Ende September 2021. Der Ableger in Emmenbrücke schliesst seine Tore bereits Ende März. Auf Homegate.ch ist die Ladenfläche an der Seetalstrasse 11 bereits zur Nachmiete ausgeschrieben. Auf Anfrage bestätigt das Immobilienportal, dass es sich beim ausgeschriebenen Objekt um die Ladenfläche von Conrad Electronic handelt.

«Zum Trost wurde uns ein Bier gesponsert»

«Wir wurden Ende Juli darüber informiert», sagt ein Conrad-Mitarbeiter* gegenüber 20 Minuten. Nach Feierabend habe es eine Mitarbeiterzusammenkunft gegeben, bei der es hiess, dass die Mietverträge der Läden nicht verlängert worden seien. «Zum Trost wurde uns ein Bier gesponsert», sagt er. Eine offizielle Kündigung habe er aber noch nicht bekommen. Den Mitarbeitern sei nahegelegt worden, sich beim Conrad-Standort in Wollerau SZ zu bewerben. Aus der Schwyzer Gemeinde regelt das Unternehmen den Onlineversand, der auch weiterhin bestehen bleibe.

Gerüchte über die Schliessung habe es intern schon länger gegeben, erzählt der Insider. «Man hat gemerkt, dass es hier keine Zukunft mehr gibt.» Schuld an der Schliessung sei der fehlende Absatz in den Läden. Schon vor der Corona-Krise sei der Umsatz kritisch gewesen. «Seit wir informiert wurden, ist die Stimmung in der Belegschaft besonders mies. Wir müssen uns einen neuen Job suchen.» Laut der Website von Conrad arbeiten in den Filialen zusammen über 80 Menschen. Fast allen werde wohl gekündigt, sagt der Mitarbeiter. «Die Ersten müssen schon Ende Dezember gehen.»

Conrad weiterhin im Onlinegeschäft aktiv

Auf Anfrage von 20 Minuten schreibt Conrad, dass das Unternehmen keine Veränderungen scheue, wenn «bestehende und langjährige Formate des stationären Handels» von den Kunden nicht mehr so angenommen werden wie früher. «Unsere Erfahrungen – und dies auch in konkreten wirtschaftlichen Zahlen ausgedrückt – haben gezeigt, dass die wirtschaftlichen Prognosen für die Filialen Dietlikon und Emmenbrücke nicht ausreichend zufriedenstellend waren, um die auslaufenden Mietverträge im nächsten Jahr zu verlängern», so eine Sprecherin. Nach Ablauf der bestehenden Mietverträge werde man darum die Filialen in der Schweiz 2021 daher schliessen müssen.

Mit den betroffenen Mitarbeitern haben laut der Sprecherin Gespräche stattgefunden, um eine sozialverträgliche Regelung zu finden. «Conrad Schweiz wird diese individuell bei der Planung ihres weiteren beruflichen Fortkommens durch interne und externe Massnahmen unterstützen.» In der Schweiz bleibe das Unternehmen weiterhin aktiv: «Wir sind auch weiterhin für unsere Schweizer Kunden da und werden uns noch stärker auf unser Onlinegeschäft und die persönliche Betreuung unserer B2B-Kunden im Aussen- und Innendienst konzentrieren.»

* Name der Redaktion bekannt.

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445 Kommentare
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Karacho43

24.10.2020, 16:21

Wenn, wie im Fall von Conrad Emmenbrücke ein Nachmieter gesucht wird, für das Lokal mit einem Mietpreis von über CHF 40.000 im Monat, ist verständlich, dass nur noch im Internet Ware angeboten werden kann.

Pesche

24.10.2020, 14:59

Die Maskenpflicht verjagt wieder sehr viele ins Internet. Viele Onlineanbieter sind schon wieder überlastet wie in der Zeit des Lockdowns. Und nun bedroht das alles die kleinen Läden. So wie das System es will, damit die Grosskonzerne die lukrativen Standorte gratis übernehmen können.

Ajam

24.10.2020, 14:55

Der Markt ist offenbar gesättigt. Hier im Wallis bin ich aber froh um den Onlineshop