Technologie mit Bedingungen: «Contact-Tracing-Apps sind ethisch vertretbar»
Aktualisiert

Technologie mit Bedingungen«Contact-Tracing-Apps sind ethisch vertretbar»

Die Anwendung von Contact Tracing-Apps sind derzeit in aller Munde. Während der Bund die Technologie noch prüft, gibt die nationale Ethikkommission schon ihr Segen dafür.

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Mit einer Contact-Tracing-App auf dem Smartphone könnte man vielleicht schon bald die Ansteckungskette des Coronavirus unterbrechen.

Mit einer Contact-Tracing-App auf dem Smartphone könnte man vielleicht schon bald die Ansteckungskette des Coronavirus unterbrechen.

kay Nietfeld
Das planen App-Entwickler aus ganz Europa. Sie haben sich dazu in der in einer Non-Profit-Organisation zusammengeschlossen.

Das planen App-Entwickler aus ganz Europa. Sie haben sich dazu in der in einer Non-Profit-Organisation zusammengeschlossen.

Keystone/Ennio Leanza
Das Ziel ist, dass positive Getestete oder solche mit eindeutigen Anzeichen ihre Infektion der App melden, sodass diese automatisch Kontakt aufnehmen kann mit Personen, die dem Erkrankten zu nahe gekommen sind.

Das Ziel ist, dass positive Getestete oder solche mit eindeutigen Anzeichen ihre Infektion der App melden, sodass diese automatisch Kontakt aufnehmen kann mit Personen, die dem Erkrankten zu nahe gekommen sind.

Keystone/Christian Beutler

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus wird auch über die Anwendung des sogenannt digitalen Contact Tracing via Smartphone-Applikation diskutiert. Diesem stehen gemäss der nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin (Nek) keine «grundsätzlichen ethischen Erwägungen» entgegen, wenn strikte Bedingungen eingehalten würden.

So muss die Nutzung der dafür nötigen Smartphone-Applikation auf Freiwilligkeit beruhen, schreibt die Nek in einer Stellungnahme, über welche am Freitag auch Radio SRF berichtete. Mit der Applikation werden deren Nutzerinnen und Nutzer darüber informiert, wenn sie Kontakt mit einer Person hatten, die mit dem Coronavirus infiziert ist. Der Person mit der Applikation soll mitgeteilt werden, dass sie sich dem Risiko einer möglichen Ansteckung ausgesetzt hat. So soll die Übertragungskette unterbrochen werden.

Bedingung Nummer 1: Freiwillig

Die Nutzerinnen und Nutzer sollen sich nicht nur freiwillig für die Verwendung der Applikation entschieden und dieser ohne «äusseren Druck» zugestimmt haben müssen, sie müssen auch über die Verwendung der Daten umfassend informiert worden sein. Angesichts der Verhältnismässigkeit sei zudem nur eine Anwendung denkbar, welche die Kontakte in anonymisierter Form aufzeichne, schreibt die Nek. Nicht zulässig sei es, wenn eine infizierte Person mit Echtzeitdaten lokalisiert würde.

Das digitale Contact Tracing berühre zwar wichtige Interessen und Rechtsgüter des Individuums, namentlich dessen Privatsphäre, schreibt die Nek. Deswegen seien die genannten Bedingungen strikt einzuhalten. Die Methode könne aber auf der anderen Seite auch zur Wahrung individueller Rechtsgüter des Individuums beitragen – zum Beispiel, wenn die Massnahme die Bewegungsfreiheit wieder öffne oder die Bevölkerung wieder oder weiterhin zur Arbeit gehen könne.

Die Massnahme müsse aber zeitlich begrenzt werden und es müsse eine genügende Aufsicht geben. Zudem müssen die Bevölkerung jederzeit transparent, umfassend und regelmässig über die Ziele, die Funktionsweise, den Nutzen und die Grenzen des digitalen Contact Tracing informiert werden. Das Ganze soll auch international koordiniert werden und nur als Teil einer breit angelegten Strategie zur Bekämpfung der Pandemie in Betracht kommen.

Die NEK hat sich im Auftrag des Departements des Innern mit der Frage befasst. (sda)

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