SPANNUNG AM GIRO: Contador muss Zittern
Aktualisiert

SPANNUNG AM GIROContador muss Zittern

Spannender könnte der 91. Giro d'Italia nicht zu Ende gehen. Für die letzte Bergetappe vom Samstag bleiben Alberto Contador noch 4 Sekunden Vorsprung auf Riccardo Ricco und 21 Sekunden auf Danilo Di Luca (beide It). Sieger der 19. Etappe auf dem Monte Pora wurde Wasil Kirienka (WRuss).

von
Toni Nötzli
SI

Er werde sein Möglichstes geben, hatte Contador für die Fahrt in die nähere Heimat von Paolo Savoldelli angekündigt. Es war nicht eben viel, was der Spanier zu bieten hatte. Ohne seine treuen Helfer Alberto Colom (Sp) und Andreas Klöden (De) wäre der Sieger der letzten Tour de France sein Leadertrikot beinahe los geworden. Colom führte seinen Teamcaptain über den Vivione-Pass, Klöden über den Presolana-Pass an den Fuss der Schlusssteigung.

Auf sich alleine gestellt, konnte Contador im Dauerregen seine Schwäche überhaupt nicht mehr verbergen. Sobald ein hohes Tempo angeschlagen wurde, geriet der Spanier in Schwierigkeiten. Am Schluss musste er sogar um die Schützenhilfe von Italienern der zweiten Kategorie froh sein, die ihre eigene Chance wahrnahmen und so zu Allierten Contadors wurden. Der Spanier wird heute Samstag über den Gavia-Pass und insbesondere den Mortirolo nochmals kritische Augenblicke zu meistern haben.

In den Dolomiten hatte Danilo Di Luca nicht den überzeugendsten Eindruck hinterlassen. Doch auf dem drittletzten Teilstück wartete der letztjährige Giro-Erste mit einer Vorstellung auf, die ihm kaum mehr zugetraut worden war. Wie er es vorausgesagt hatte, griff Di Luca am Vivione-Pass an. Sein Teamkollege Paolo Savoldelli diente ihm dabei während über 30 km als lebende Lokomotive. Als den Helfer die Kräfte verliessen, setzte Di Luca noch einen drauf. Entfesselt stürmte er dem Ziel entgegen und schaffte es noch auf den 2. Etappenplatz. Vor der Etappe noch Sechster, stiess Di Luca mit der Reduktion seines Rückstandes um 1:57 Minuten auf den 3. Gesamtrang vor.

Völlig verärgert gab sich im Ziel Riccardo Ricco. Er hatte sich seinen Antritt für den Schlussaufstieg aufgespart. Die «Kobra» hätte wohl reüssiert, wäre der Vorstoss einige Meter früher erfolgt. So muss der Giro-Sechste des letzten Jahres die knapp verpasste Übernahme der Maglia rosa verarbeiten. Bevor der Italiener den Mut zu seiner Aktion fand, hatte er sich kilometerlang ans Hinterrad von Contador geheftet.

Der Verlierer des Tages war zweifellos Gilberto Simoni. Der 37- Jährige traf mit einem erheblichen Rückstand im Ziel ein und musste so seinen 3. Gesamtrang preisgeben. Es ist unwahrscheinlich, dass es der Routinier ein achtes Mal in seiner Karriere auf das Giro- Podest schafft.

Es geniesst Seltenheitswert, dass ein Bahnfahrer eine Bergankunft für sich entscheidet. Dieser Exploit gelang Wasil Kirienka. Der Punktefahren-Weltmeister zehrte vom Vorsprung von bis zu 22 Minuten, den das Feld sieben Ausreissern der ersten Stunde zugestanden hatte. 18 km vor Schluss entledigte sich der Weissrusse seiner letzten Begleiter und traf solo mit über vier Minuten Reserve auf Di Luca im Ziel ein. Kirienka hatte in Pescocostanzo und auf Alpe Pampeago jeweils den 2. Platz erreicht. Seinem Zweitdivisions-Team Tinkoff sicherte Kirienka den zweiten Etappensieg in dieser Rundfahrt.

91. Giro d'Italia. 19. Etappe, Legnano - Presolana/Monte Pora (238 km): 1. Wasil Kirienka (WRuss) 6:37:32 (35,921 km/h), 20 Sekunden Bonifikation. 2. Danilo Di Luca (It) 4:36, 12 Sek. Bon. 3. Alexander Jefimkin (Russ) 4:43, 8 Sek. Bon. 4. Steven Cummings (Gb) 5:25. 5. Riccardo Ricco (It) 5:44. 6. Emanuele Sella (It) 6:21. 7. Franco Pellizotti (It). 8. Jurgen Van den Broeck (Be). 9. Marzio Bruseghin (It). 10. Denis Mentschow (Russ).

11. Domenico Pozzovivo (It). 12. Alberto Contador (Sp), alle gleiche Zeit. 13. Konstantin Schiutsu (WRuss) 6:53. 14. Vincenzo Nibali (It) 8:50. 15. Felix Cardenas (Kol) 9:24. 16. Andreas Klöden (De) 9:47. 17. Nicki Sörensen (Dä), gleiche Zeit. 18. Gustav Erik Larsson (Sd) 12:04. 19. José Rodolfo Serpa (Kol) 12:18. 20. Ruslan Iwanow (Russ).

Ferner: 21. Gilberto Simoni (It). 22. Paolo Savoldelli (It), alle gleiche Zeit. 33. Paolo Bettini (It) 24:06. 36. Levi Leipheimer (USA) 25:36. 61. Erik Zabel (De) 36:53. 62. Daniele Bennati (It). 83. David Loosli (Sz). 103. Hubert Schwab (Sz), alle gleiche Zeit. - 143 klassiert.

Gesamtklassement: 1. Contador 82:29:14. 2. Ricco 0:04. 3. Di Luca 0:21. 4. Bruseghin 2:00. 5. Pellizotti 2:05. 6. Mentschow 2:47. 7. Sella 4:25. 8. Van den Broeck 4:26. 9. Pozzovivo 5:25. 10. Simoni 7:18.

11. Cardenas 8:40. 12. Nibali 9:31. 13. Klöden 12:10. 14. Larsson 16:42. 15. Fortunato Baliani (It) 18:31. 16. Savoldelli 20:25. 17. Tadej Valjavec (Sln) 22:05. 18. Gabriele Bosisio (It) 29:27. 19. Bettini 31:50. 20. Mauricio Ardila (Kol) 35:19.

Ferner: 21. Leipheimer 35:56. 26. Kirienka 38:45. 68. Bennati 1:48:05. 73. Loosli 1:51:58. 78. Zabel 2:03:40. 106. Schwab 2:38:42.

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