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BernContainerdorf für Geflüchtete – «Beispiel, wie man es nicht machen soll»

Rund 1000 ukrainische Geflüchtete sollen im Berner Viererfeld in den neu gebauten Containern untergebracht werden. Bei voller Auslastung stehen den Menschen jeweils vier Quadratmeter zur Verfügung.

Im Berner Viererfeld, am Rande der Stadt, soll Wohnraum für ukrainische Geflüchtete geschaffen werden – wie es scheint, wurde bei der Planung vieles vergessen. (Symbolbild) 

Im Berner Viererfeld, am Rande der Stadt, soll Wohnraum für ukrainische Geflüchtete geschaffen werden – wie es scheint, wurde bei der Planung vieles vergessen. (Symbolbild) 

imago/Martin Bäuml Fotodesign

Darum gehts

In Bern wird schweizweit das erste Containerdorf für ukrainische Geflüchtete entstehen. Der Architekt und Experte für Notunterkünfte, Ueli Salzmann, äussert nun aber gegenüber den Tamedia-Zeitungen (Bezahlartikel) Kritik am Projekt. Er nennt das Projekt im Vergleich zu europäischen Richtlinien sogar «grundfalsch», es halte humanitäre Mindeststandards nicht ein. 

Für gesamthaft 200 Menschen habe es nur vier Küchen, zu enge Gänge, zu wenig Wohnfläche und eine falsche Raumaufteilung, um einige Fehlgänge zu nennen. «Eine solche Siedlungsarchitektur verwenden wir in unseren Schulungen als Beispiel dafür, wie man es nicht machen soll», sagt Salzmann den Tamedia-Zeitungen weiter.

Salzmann, der über dreissig Jahre im Namen von humanitären Organisationen arbeitete, verfügt über grosse Erfahrung von Notunterkunft-Planungen. Er war schon für die UNO, für das internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und für die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) im Einsatz. 

Einer Person stehen vier Quadratmeter zur Verfügung

Insgesamt sollen die Bezügerinnen und Bezüger des Containerdorfs – rund 1000 Ukrainerinnen und Ukrainer – auf 3800 Quadratmeter verteilt werden. Bei voller Auslastung heisst das: rund vier Quadratmeter pro Person oder 15 Quadratmeter für eine vierköpfige Familie. 

Das Projekt soll ähnlich wie das Flüchtlingslager in Lesbos ausgelegt sein, das 2020 abgebrannt ist. Auch die Bauweise habe der Experte kritisiert – und zwar, weil sie einer Militärbaracke gleichen würde. Die Anordnung würde ebenfalls die Risiken für sexuelle Übergriffe begünstigen, weil alle dieselben zu engen Gänge benutzen würden. 

Kein Architekturbüro bei der Planung beteiligt

Die Planung der Unterkunft wurde gemäss dem Kanton von Grafikern und Grafikerinnen erstellt. Es sei kein Architekturbüro beteiligt gewesen, wie die Berner Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion von den Tamedia-Zeitungen zitiert wird. Warum und wie es dazu kam, dass eine Firma namens Grafikreich den Zuschlag vom Kanton erhalten hat, bleibt unklar – auf der Vergabeplattform für öffentliche Aufträge ist er ebenfalls nicht angegeben.

Laut Gundekar Giebel vom Kanton Bern soll die Firma dem Kanton bestens bekannt sein, und sie war und sei befähigt, in kurzer Zeit die dringend notwendige Leistung zu liefern. Ebenfalls soll der Kanton über genügend Erfahrung in diesem Bereich verfügen, um auf einen Beizug eines Architekturbüros mit humanitärem Fachwissen zu verzichten.  

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(sys)

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