113 Menschen starben: Continental mitschuldig an Concorde-Absturz
Aktualisiert

113 Menschen starbenContinental mitschuldig an Concorde-Absturz

Mehr als zehn Jahre nach dem Absturz nahe Paris hat ein französisches Gericht der US-Fluggesellschaft eine Mitschuld gegeben. Continental wurde zu einer Busse verurteilt.

Es war ein warmer Dienstagnachmittag auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle. Um 16.42 Uhr an jenem 25. Juli 2000 erteilte der Tower die Starterlaubnis für Flugnummer AF4590 mit Ziel John F. Kennedy in New York, der Pilot gab Schub und das Flugzeug beschleunigte. Es war das letzte Mal, dass eine Concorde abhob.

Rund zehn Jahre später hat ein Gericht die US-Fluggesellschaft Continental Mitschuld an der Katastrophe gegeben. Die Airline wurde zu einer Geldstrafe von 200'000 Euro (260'000 Franken) verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft hatte 175'000 Euro gefordert. Continental muss wegen des Absturzes 1,08 Millionen Euro Schadenersatz an Air France zahlen. Die Richter vom Gericht in Pontoise verhängten ausserdem gegen einen Mechaniker der US-Airline eine 15-monatige Bewährungsstrafe. Alle übrigen Angeklagten wurden freigesprochen.

Bekannte Probleme am Treibstofftank

Bei drei französischen Beschuldigten der Gegenseite, denen Fehler im Umgang mit bekannten Problemen am Treibstofftank der Concorde vorgeworfen worden waren, stellte das Gericht lediglich «Nachlässigkeiten» fest.

Die Staatsanwaltschaft hatte Continental und fünf weiteren Angeklagte im Zusammenhang mit dem Unglück fahrlässige Tötung vorgeworfen, denn das Metallteil auf der Startbahn, das die verhängnisvolle Kettenreaktion auslöste, stammte von einem Continental-Flugzeug.

Der Concorde platzte beim Überrollen einer Titan-Lamelle ein Reifen. Dabei riss ein Tank auf und das ausströmende Kerosin entzündete sich; die Concorde stürzte ab. Continental wies jede Schuld von sich und erklärte, die Concorde habe Feuer gefangen, noch ehe sie die Lamelle überrollt habe.

Richter sehen Schuld bei Continental

Die französischen Richter kamen nun zu dem Ergebnis, dass der Überschalljet Feuer fing, weil er beim Start über diese Titan- Lamelle der Continental-Maschine rollte. Der verurteilte Continental- Mitarbeiter hatte die Lamelle schlecht fixiert.

Zudem teilte das Gericht mit, der Flugzeugbauer EADS trage eine zivilrechtliche Verantwortung im Zusammenhang mit dem Concorde- Absturz. EADS müsse 30 Prozent möglicher Entschädigungen für die Opfer der Familien übernehmen.

Die Fluggesellschaft Air France, die einem früheren Urteil zufolge keine Schuld trifft, hat bereits mehrere Millionen Euro Schmerzensgeld an die Angehörigen der Opfer bezahlt.

Beim Absturz der Maschine am 25. Juli 2000 starben 113 Menschen - und der Mythos des Überschallflugzeugs. Das Unglück beendete den Einsatz der Concorde. Die französischen und britischen «Donnervögel», die in nur dreieinhalb Stunden von Europa nach New York flogen, wurden 2003 aus dem Betrieb genommen.

Rechtsstreit geht weiter

Die Concorde-Betreiberin Air France hatte mit der US-Airline Continental jahrelang darum gestritten, wer die Schuld an dem Unglück trägt. Die französische Airline hatte Continental die volle Schuld zugewiesen. Der Anwalt von Continental, Olivier Metzner, kündigte Berufung gegen das Urteil an.

Mit ihm sei nicht Recht gesprochen worden, vielmehr sei es ein patriotisches Urteil. Die Entscheidung schütze nur die Interessen der französischen Wirtschaft, sagte er: «Auch Air France hat Fehler begangen.» Es seien Beweise verschwunden. Das werde in den nächsten Wochen bekannt werden. (sda)

Concorde - der luxuriöse Überschalljet

Schnell, laut und teuer: Die Concorde war das einzige Überschallflugzeug der zivilen Luftfahrt im Dauereinsatz. Das russische Pendant Tu-144 wurde nach wenigen Monaten eingemottet.

Eine Reise mit der von British Airways und Air France eingesetzten Maschine konnten sich aber nur wenige leisten. Ein Trip von London nach New York kostete mehr als 10 000 Euro (rund 13 000 Franken).

Etwa 100 Passagiere fanden in dem silbernen Flieger Platz, der mit mehr als zweifacher Schallgeschwindigkeit - 2200 Stundenkilometern - in dreieinhalb Stunden über den Atlantik düste. Die Geschwindigkeit hatte ihren Preis: Die 25 Meter breite und 62 Meter lange Maschine verbrannte 25'600 Liter Treibstoff in der Stunde.

Königin Elizabeth II., Paul McCartney und Claudia Schiffer nutzten den Überschallflieger. Nach Schätzungen waren etwa 80 Prozent der Passagiere Geschäftsleute, nur 10 Prozent Prominente und 10 Prozent Fluggäste, die sich einfach so einen Flug leisten wollten.

Nach dem Concorde-Absturz im Jahr 2000 sanken die Passagierzahlen rapide - drei Jahre später stellten die Fluggesellschaften den Betrieb ein.

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