Converium-Aktie bricht ein

Aktualisiert

Converium-Aktie bricht ein

Der Rückversicherer Converium muss aufgrund einer internen Überprüfung seine Finanzergebnisse anpassen und neu ausweisen.

Die Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal 2005 wird deshalb verschoben. Die Anleger reagierten sauer.

Die neuen Zahlen sollten bis Mitte Dezember publiziert werden, teilte Converium am Freitag mit. Ursprünglich sollten die Quartalszahlen am kommenden Dienstag veröffentlicht werden. Die Verschiebung sei bedauerlich, sagte Konzernchef Terry Clarke an einer Telefonkonferenz.

Die interne Überprüfung sei als Vorsichtsmassnahme eingeleitet worden, da die Aufsichtsbehörden in den USA und Europa die Versicherungsbranche ins Visier genommen hätten.

Converium will nun die Verbuchungsweise gewisser Transaktionen anpassen, vornehmlich bei der zedierten Rückversicherung. Dabei würden Verbuchungen als Rückversicherungsgeschäft durch Verbuchungen als Finanzgeschäft ersetzt.

Keine Folgen für Eigenkapital

Converium war im Juli 2004 wegen Nachreservierungen für falsch eingeschätzte Risiken im früher gezeichneten US-Haftpflichtgeschäft ins Schleudern geraten. Die Nachreservierungen bescherten dem Konzern 2004 einen Rekordverlust von 760,8 Mio. Dollar. In der Folge hatte Converium den Ausstieg aus dem US-Geschäft beschlossen.

Nach heutiger Erkenntnis werde die Anpassung der Finanzberichterstattung nicht zu einem Rückgang des Eigenkapitals von 1,65 Mrd. Dollar (per 30. Juni 2005) führen, sagte Clarke. Allerdings sei die interne Überprüfung noch nicht abgeschlossen. Bis dahin sei «die Richtigkeit der früher vorgelegten Finanzergebnisse nicht gewährleistet».

Analysten verwiesen auf ähnliche Fälle in den USA und rechneten nicht mit grossen Auswirkungen auf die Ertragszahlen. «Nach unserer Erfahrung hatten diese Restatements meist keinen grossen Einfluss auf die Zahlen», sagte Kepler-Equities-Analyst René Locher der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Auswirkungen auf das Ergebnis unter dem Strich wollte Converium-Sprecherin Esther Gerster nicht beziffern. Sie dürften aber ziemlich klein bis null sein.

Aktie abgestürzt

Die Investoren reagierten verschnupft. An der leicht schwächeren Schweizer Börse brach die Aktie um 3,5 Prozent auf 12.35 Fr. ein.

Die plötzliche Verschiebung der Quartalsberichterstattung komme überraschend, zumal das Thema gewisser problematischer Rückversicherungsprodukte in den USA nichts Neues sei, urteilte Analyst Georg Marti von der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Bisher habe es überhaupt keine Hinweise auf eine interne Überprüfung bei Converium gegeben. «Das Ganze passt aber gut in das allgemeine aktuelle Bild der Gesellschaft», äusserte sich Marti.

Ratingagenturen reagieren

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) stellte derweil das Langfristrating «BBB&» des Rückversicherers Converium für eine mögliche Rückstufung unter Beobachtung (CreditWatch). Von der Massnahme sind auch das Versicherungsstärkerating der Holding und das Rating verschiedener Tochtergesellschaften betroffen.

Auch die Agentur Fitch stellte das Versicherungsstärkerating «BBB-« unter Beobachtung für eine mögliche Zurückstufung.

Positive Entwicklungen

Im dritten Quartal 2005 habe es auch «positive und ermutigende Entwicklungen» gegeben, teilte Converium weiter mit. In Nordamerika seien Vertragsverspflichtungen von beinahe 250 Mio. Dollar abgelöst worden. Im Gesamtjahr 2005 sollen es netto 500 Mio. Dollar werden.

Den Reinverlust durch die Hurrikane Katrina, Rita, Dennis und Emily veranschlagt Converium auf rund 50 Mio. Dollar. Diese Summe sei angesichts des Gesamtschadens bescheiden. Im Gesamtjahr 2005 will der Konzern Bruttoprämien von rund 2 Mrd. Dollar einfahren.

(sda)

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