27.07.2017 03:47

LuzernCooles Spezial-Glas kühlt Getränke im Nu herunter

Ein HSLU-Angestellter sagt warmen Getränken und verwässerten Cocktails den Kampf an: Er hat ein Glas erfunden, das ohne Eiswürfel kühlt.

von
Nicole Agostini

Sehen Sie im Video, wie das Abkühl-Glas funktioniert. (Video: na)

Mit einem Abkühlglas will Silvan von Arx von der Hochschule Luzern (HSLU) die Getränke- und Dessertwelt revolutionieren. Der Maschinenbauingenieur hat ein Glas entwickelt, das Getränke kühlt und dabei ganz ohne Eiswürfel auskommt. Lediglich ein Gefrierfach wird benötigt: «Man nimmt das Spezial-Glas und stellt es für eine Stunde mit der Öffnung nach unten in das Gefrierfach zum ‹Aufladen›. Danach füllt man das Glas mit dem Getränk und schon wird es innert kurzer Zeit sehr schnell kalt.»

Spezielle Flüssigkeit speichert Energie

Das Geheimnis: Im doppelwandigen Cooldown-Drink-Glas ist eine spezielle Flüssigkeit enthalten. Von Arx erklärt: «Das gefrorene Phasenwechselmaterial, das sich zwischen den beiden Glaswänden befindet, gefriert bei minus vier Grad. Dabei wird es fest und dieser Energiezustand gespeichert.»

«Nachdem man ein Getränk in das Glas füllt, wird der Phasenwechsel von fest zu flüssig ausgenutzt und kühlt das Getränk auf konstantem Temperaturniveau mit hoher Leistung. Trotz physikalischer Veränderung der Substanz bleibt während dem Schmelzen die Temperatur erhalten.» So könne man rasch ein Getränk kühlen oder auf tiefer Temperatur halten.

Optisches Spektakel

Die Innovation des 28-Jährigen bringt viele Vorteile mit sich: «Wie oft kauft man ein Bier, das man sofort kalt trinken will, aber es ist nicht kalt? Wenn man gerne Longdrinks oder Cocktails hat ist es ideal, weil man nie alle Ingredienzen im Kühlschrank aufbewahrt.» Hinzu kommt: Cocktails werden nicht durch schmelzendes Eis verwässert.

Die Gläser kann man in der Spülmaschine waschen. Sie eignen sich auch für Glacé und Sorbets: «Mit den Cups können Desserts perfekt angerichtet und in bester Konditionierung serviert werden», so von Arx.

Das Abkühl-Glas sei nicht nur praktisch, sondern biete auch ein optisches Spektakel: «Weil das Phasenwechselmaterial durch das Kühlen des Getränks schmilzt, verändert sich ständig die kristalline Struktur. Dann kommt nach und nach die eigentliche Farbe des Getränks zum Vorschein», so von Arx weiter.

HSLU unterstützt Start-Up

Die Idee geisterte schon länger durch seinen Kopf: Den ersten Prototyp hat von Arx vor eineinhalb Jahren gebaut. Im April 2017 gründete er nun mit seiner Partnerin die Firma Scaloric GmbH. Die HSLU hat ihn bei seinem Start-Up unterstützt. «Cool-Down-Drink ist die erste Marke der Firma. Wir arbeiten bereits an neuen Sachen für den Bereich Warmhaltung, aber nicht für Getränke — da gibt es schon so viel», so der Ingenieur weiter.

Die Produktion findet im Hause des Unternehmerpaares statt: «Wir stellen das Phasenwechselmaterial aus verschiedenen, ungiftigen Lebensmittel-Komponenten her und füllen die Gläser. Dafür habe ich eine eigene Abfüllmaschine gebaut.» Das Glas selbst werde im Ausland mundgeblasen.

Mit der Firma seien beide sehr zufrieden und es laufe sehr gut. Die Artikel kann man direkt auf der Webseite im Online-Shop kaufen: Es gibt Biergläser, Schnapsgläser und Schalen für Glace. Zudem haben diverse Getränkehändler das Spezial-Glas ins Sortiment aufgenommen.

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