Echtes Spielzeug: Coop als vermeintlicher Waffenhändler
Aktualisiert

Echtes SpielzeugCoop als vermeintlicher Waffenhändler

Zur Fasnacht wirds gefährlich - für die Spielzeughändler. Neu gelten auch gute Imitationswaffen als Waffen. Die Spielzeugverkäufer, die so zu Waffenhändlern werden, klagen über das gesetzliche Durcheinander. Coop nahm bereits eine Waffe aus dem Sortiment.

von
Amir Mustedanagic

Peng! Das neue Waffengesetz ist aus Sicht der Spielzeughändler ein absoluter Rohrkrepierer. Es verlangt von den Spielzeughändlern eine schriftliche Prüfung, wenn sie weiterhin täuschend echte Spielzeugwaffen verkaufen wollen. Denn nach Artikel 4 Ziffer 1 fallen neu auch Imitations-, Schreckschuss- und Soft-Air-Waffen unter das Waffengesetz, sofern Verwechslungsgefahr besteht. Wann aber «Verwechslungsgefahr» besteht, ist vielen Anbietern unklar. «Wir hängen bei der Einschätzung relativ in der Luft», sagt Karl Weisskopf, Mediensprecher von Coop. Der Gesetzestext sei überhaupt nicht detailliert. «Eine gewisse Ausdeutschung wäre sinnvoll», findet er, «sonst müssen wir am Schluss jede Wasserpistole aus dem Sortiment nehmen.»

Coop wünscht sich Verfügung gegen fehlbares Spielzeug

Bisher hatte Coop keine grösseren Probleme: «Wir haben erst in einer einzelnen Filiale reagiert», so Weisskopf. In der Ostschweiz habe die Polizei in einer Geschäftsstelle eine Pistole beanstandet. Das «Corpus Delicti» wurde daraufhin freiwillig aus dem Sortiment genommen – aber nur in der betroffenen Filiale. «Eine offizielle Verfügung gegen das Produkt gab es nicht», sagt Weisskopf. Böse über eine Verfügung wäre Coop aber nicht gewesen. «Wir hätten dann endlich etwas Klarheit erhalten», so Weisskopf. Weil dies aber nicht der Fall war, fordern Coop und der Spielzeug-Lieferant Max Bersinger AG klare Richtlinien vom Bundesamt für Polizei.

Vor allem Importeure, wie die Firma Bersinger, haben grosses Interesse an detaillierten Angaben zur «Verwechslungsgefahr». Nebst Coop beliefert Bersinger auch den Spielzeugfachhandel, Franz Carl Weber sowie zahlreiche Kostüm- und Fasnachtsläden. «Die Palette von Spielzeugpistolen ist dabei relativ breit. Es reicht von altbekannten Cowboy-Revolvern bis hin zu sehr authentischen James-Bond-Pistolen. Es kann durchaus sein, dass einzelne Produkte unter das Verbot fallen», sagt Geschäftsführer Christoph Wüst. Zwar sei bisher noch keine Verfügung gegen ein Produkt eingegangen, soweit möchte man es aber nicht kommen lassen. «Wir haben mehrmals beim Bundesamt für Polizei versucht, Informationen einzuholen. Bisher blieben unsere Anfragen aber unbeantwortet», so Wüst.

«Verwechslungsgefahr ist eine sehr objektive Angelegenheit»

Das Anliegen des Handels stösst bisher beim zuständigen Bundesamt für Polizei aber auf taube Ohren. «Es gibt keine spezielle Arbeitsgruppe, die sich nur mit der Thematik der Imitationswaffen auseinandersetzt und Richtlinien erarbeitet», sagt Pressesprecher Guido Balmer. Zwar treffe sich diese Woche der zuständige Arbeitsausschuss «Waffen und Munition» zu einer Sitzungen an der Imitationswaffen ein Thema sind. Ziel sei es aber nicht Richtlinien zu erarbeiten, sondern den kantonalen Vollzug des Gesetzes zu koordinieren, damit es keine widersprüchliche Praxis gebe, wie Balmer sagt.

Für Kriterien bei den Spielzeug-Waffen sieht Balmer auch keine Notwendigkeit: «Verwechslungsgefahr ist für mich eine sehr objektive Angelegenheit. Ich denke, dass jeder mit gesundem Menschenverstand entscheiden kann, wann sich zwei Gegenstände soweit gleichen, dass man sie verwechseln kann.»

Waffengesetz in Deutschland

In Deutschland sind täuschend echte Waffen-Attrappen seit Anfang 2008 aus der Öffentlichkeit verbannt worden. Kauf und Besitz der Nachbildungen sind indes weiter gestattet. Ein komplettes Verbot der Waffen-Imitate scheiterte am europäischen Spielzeugrecht.

Deine Meinung