Aktualisiert 09.07.2018 17:57

Weniger VerpackungCoop befreit Bio-Früchte und -Gemüse vom Plastik

Coop will Bio-Früchte und -Gemüse künftig unverpackt oder ohne Plastikverpackung anbieten. Die Umstellung beginnt im Herbst.

von
V. Blank
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Kommt bald unverpackt ins Einkaufskörbli: Bio-Gemüse und -Früchte bei Coop.

Kommt bald unverpackt ins Einkaufskörbli: Bio-Gemüse und -Früchte bei Coop.

Coop
Man wolle «so viel Plastik wie möglich reduzieren», heisst es bei Coop auf Anfrage.

Man wolle «so viel Plastik wie möglich reduzieren», heisst es bei Coop auf Anfrage.

Coop
Es ist Vorschrift, dass Bio-Produkte deutlich von herkömmlicher Ware zu unterscheiden sind. Das ist nicht nur über die Verpackung möglich, sondern auch mit Klebern ...

Es ist Vorschrift, dass Bio-Produkte deutlich von herkömmlicher Ware zu unterscheiden sind. Das ist nicht nur über die Verpackung möglich, sondern auch mit Klebern ...

Bio-Suisse

Es ist ein massives Ärgernis für Schweizer Konsumenten: Die Bio-Zucchetti im Supermarkt sind in Plastik verschweisst, und die Bio-Äpfel gibt es nicht im Offenverkauf, sondern ebenfalls in einer mit Plastik überzogenen Kartonschachtel. Darüber beschweren sich die Kunden regelmässig bei den Händlern.

Jetzt reagiert Coop: Wie Recherchen von 20 Minuten ergeben haben, plant die Detailhändlerin, Bio-Früchte und -Gemüse bald unverpackt oder zumindest ohne Plastikverpackung anzubieten. Coop bestätigt das auf Anfrage. Die Umstellung entspreche einem «grossen Kundenwunsch». Man wolle «so viel Plastik wie möglich reduzieren».

Gänzlicher Verzicht nicht möglich

Coop will im Herbst beginnen, die ersten Bio-Früchte und -Gemüse unverpackt ins Sortiment zu nehmen. «Beispiele für massive Verpackungsreduktionen sind in einem ersten Schritt die stangen- und kugelförmigen Gemüsearten wie Lauch, Sellerie oder Rhabarber», sagt Coop-Sprecher Urs Meier. Bei diesen Sorten würden beispielsweise Banderolen zum Einsatz kommen, die den Plastik ersetzen.

Ganz auf Verpackungen verzichten kann Coop aber nicht bei allen Früchte- und Gemüsearten: Beispielsweise Beeren oder Rosenkohl benötigten aufgrund der Handhabung weiterhin eine Verpackung, so Meier.

Unterscheidbarkeit muss da sein

Bei anderen Sorten sei die Haltbarkeit das ausschlaggebende Kriterium, warum eine Verpackung nötig ist: «Etwa Krautstiel oder Spinat werden ohne Schutz sofort welk», sagt der Coop-Sprecher. Wo eine Verpackung immer noch unumgänglich ist, will Coop Plastik-Alternativen einsetzen – etwa Graspapier oder Zellulose.

Bisher rechtfertigten die Detailhändler das in Plastik verpackte Bio-Obst und -Gemüse jeweils mit dem Gesetz. Es ist Vorschrift, dass Bio-Produkte deutlich von herkömmlicher Ware zu unterscheiden sind. Das Gesetz könne man trotz des Plastikverzichts einhalten, sagt Coop-Sprecher Meier: «Dort, wo wir die Verpackung ganz weglassen können, arbeiten wir mit anderen Unterscheidungsmassnahmen – beispielsweise mit kleinen Stickern, dem Laser oder mit Banderolen.»

Die Umweltorganisation WWF beurteilt Coops Vorhaben grundsätzlich positiv: «Mit dem Verpackungsverzicht kann Coop eine grosse Menge an Abfall einsparen», sagte WWF-Sprecher Philip Gehri zu 20 Minuten. Es gebe aber noch Verbesserungspotenzial: «Vom Ideal einer Kreislauf-Wirtschaft sind wir noch sehr weit entfernt. Ein Material wie Plastik durch ein anderes zu ersetzen, ist für die Umwelt nicht automatisch besser.»

Das tun andere Detailhändler

Neben Coop sind auch andere Detailhändlern daran,

ihr Sortiment umweltfreundlicher zu gestalten: Lidl Schweiz plant, bis Ende 2019 keine Einweg-Plastikartikel mehr zu verkaufen. Die Einweg-Produkte sollen allerdings nicht verschwinden, sondern aus alternativen und recycelbaren Materialien hergestellt werden.

Bei der Migros heisst es auf Anfrage, dass man bis in zwei Jahren 6000 Tonnen Verpackungsmaterial einsparen wolle. Ein grundsätzlicher Plastikverzicht erachte man aber nicht als zielführend: «Plastik weist bei der richtigen Entsorgung häufig die geringere Umweltbelastung auf als andere Materialien», sagt Migros-Sprecherin Alexandra Kunz. Die Migros teste immer wieder Alternativen wie Licht-Tattoos. «Wir haben allerdings festgestellt, dass viele Produkte unter der Kennzeichnung verfault sind», sagt Kunz. Man teste aber weiterhin Alternativen und verfolge aktiv neue wissenschaftliche Entwicklungen.

Aldi Suisse sagt auf Anfrage, man teste regelmässig Möglichkeiten, umweltfreundlicheres Verpackungsmaterial einzusetzen. «Wir prüfen derzeit den Verzicht von gewissen Einweg-Kunststoffprodukten, wobei diese ehrlicherweise nicht den Grossteil der von uns in Verkehr gebrachten Kunststoffe ausmachen», sagt Sprecher Philippe Vetterli zu 20 Minuten.

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