Neue Kosten für Lieferanten: Coop gerät ins Visier der Wettbewerbskommission
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Neue Kosten für LieferantenCoop gerät ins Visier der Wettbewerbskommission

Lieferanten des Basler Detailhändlers müssen neue Gebühren bezahlen. Der Schweizerische Gewerbeverband verurteilt das: Coop könnte seine Marktmacht missbrauchen. Jetzt hat die Weko ein Verfahren eingeleitet.

von
Barbara Scherer
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Die Wettbewerbskommission Weko klärt ab, ob Coop eine marktbeherrschende Stellung missbraucht.

Die Wettbewerbskommission Weko klärt ab, ob Coop eine marktbeherrschende Stellung missbraucht.

Andreas Agazzi
Denn seit Mitte Januar wickelt der Detailhändler die Rechnungen von Lieferanten über die Inkassofirma Markant ab.

Denn seit Mitte Januar wickelt der Detailhändler die Rechnungen von Lieferanten über die Inkassofirma Markant ab.

20min/Marvin Ancian
Für die Produzenten von Coop fallen dadurch neue Gebühren an.

Für die Produzenten von Coop fallen dadurch neue Gebühren an.

imago/Gerhard Leber

Darum gehts

  • Die Weko ermittelt gegen Coop.

  • Der Detailhändler steht unter Verdacht, seine marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen.

  • Lieferanten würden unter Druck gesetzt und müssten neue, hohe Gebühren zahlen.

Schweizer Lieferanten fühlen sich schlecht behandelt von Coop. Denn seit Mitte Januar wickelt der Detailhändler die Rechnungen von Lieferanten über die Inkassofirma Markant ab. Für die Produzenten fallen dadurch hohe Gebühren an.

Jetzt hat die Wettbewerbskommission Weko ein Verfahren gegen Coop eingeleitet, wie die «Sonntagszeitung» schreibt. Die Geschäftsgebaren von Coop werden nun unter die Lupe genommen. Der Detailhändler äussere sich nicht zum laufenden Verfahren, wie eine Sprecherin zu 20 Minuten sagt.

Besonders kleine Firmen leiden

Der Schweizerische Gewerbeverband SGV versuchte bereits im Vorfeld des Verfahrens zu intervenieren: Durch die Abrechnung über das Inkassobüro verschlechtern sich die Konditionen der Lieferanten um bis zu 2 Prozent, heisst es in einem Schreiben des SGV an die Coop-Gruppe.

«Die zusätzlichen Kosten sind eine grosse Belastung besonders für kleine Firmen», erklärt Hans-Ulrich Bigler auf Nachfrage. Zudem habe Coop die Änderungen ohne Vorlaufzeit und ohne Möglichkeit einer Verhandlung eingeführt. Alternativen seien den Lieferanten auch keine angeboten worden.

«Man könnte darin einen Missbrauch von Marktmacht vermuten», so Bigler. Auf den Brief des Verbands sei der Detailhändler nicht eingegangen. «Es hiess nur, dass alles normal abgelaufen sei.» Dass die Weko nun ein Verfahren gegen Coop eingeleitet hat, sei richtig, so Bigler.

Lieferanten können sich nicht wehren

Auch der Markenartikelverband Promarca verurteilt auf Anfrage das Vorgehen von Coop. «Für viele Produzenten ist Coop ein unvermeidlicher Handelspartner», sagt Geschäftsführerin Anastasia Li-Treyer. Sie verstehe nicht, wieso Coop sein System ändern müsse, dieses habe bisher gut funktioniert. Die neuen Gebühren würden kleine und mittelgrosse Unternehmen in Existenznot bringen.

Wollen die Lieferanten nicht über Markant abrechnen, stehe ihnen nur ein noch teureres System bei Coop zur Verfügung. Dagegen wehren können sie sich nicht wirklich: «Einige Verbandsmitglieder haben uns erzählt, dass Coop Produkte von Herstellern, die sich gewehrt haben, unter fadenscheinigen Gründen aus dem Sortiment gekippt hat», sagt Li-Treyer.

Dass Produkte aus dem Sortiment entfernt werden, habe nichts mit Markant zu tun, sagt Coop zu 20 Minuten. «Coop lanciert jedes Jahr rund 2000 Neuheiten und ersetzt im gleichen Umfang Produkte mit geringer Nachfrage», erklärt eine Sprecherin.

Die Zusammenarbeit mit dem Inkassobüro Markant war der Entscheid der Coop-Geschäftsleitung: Philipp Wyss ist laut «Sonntagszeitung» die treibende Kraft gewesen. Er wird im Mai den Chefposten bei Coop übernehmen.

Untersuchungen gegen Inkassofirma laufen bereits

Gegen die Inkassofirma Markant läuft bereits eine Untersuchung der Wettbewerbskommission. Ermittelt wird wegen Kartellverdacht. Neben Markant werden auch rund 15 Gross- und Einzelhändler untersucht. Dazu gehören prominente Detailhändler wie Landi, Loeb, Manor, Müller, Spar, Valora und Volg. Die Weko führte im September deshalb bei Markant eine Hausdurchsuchung durch. Sollte sich der Verdacht der Weko erhärten, drohen happige Geldbussen. Wer gegen das Kartellgesetz verstösst, muss bis zu 10 Prozent des Umsatzes in den betroffenen Märkten aus den vergangenen drei Jahren zahlen.

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