04.06.2015 03:53

Qualitätsmanagement

Coop-Mitarbeiter sollen Kollegen bespitzeln

In Basel legt Coop den Fokus auf Freundlichkeit. Einige Geschäftsführer nahmen das etwas zu ernst und schickten Mitarbeiter auf die Pirsch.

von
Laura Frommberg
Kunden oder Undercover-Mitarbeiter? In der Region Basel ist das in den Coop-Filialen derzeit nicht so klar.

Kunden oder Undercover-Mitarbeiter? In der Region Basel ist das in den Coop-Filialen derzeit nicht so klar.

Um als Detailhändler erfolgreich zu sein, braucht man zufriedene Kunden. Und die schätzen nette Mitarbeiter und Sauberkeit. Einige Coop-Geschäftsführer in der Region Basel haben sich das nun offenbar etwas zu sehr zu Herzen genommen. Wie betroffene Mitarbeiter 20 Minuten berichteten, wurden Angestellte dazu aufgefordert, wann immer möglich inkognito in anderen Filialen einzukaufen und als Testkäufer zu agieren. Vor allem die Sauberkeit und die Freundlichkeit der Mitarbeiter sollte dabei unter die Lupe genommen werden.

Werden Fragen zufriedenstellend beantwortet? Wird genug gelächelt? Ist alles am rechten Ort einsortiert? Das seien etwaige Kriterien. Wer einmal eine schlechte Bewertung erhält, werde verwarnt. Beim zweiten Mal drohe die Kündigung. Doch das schürt Ängste vor dem Missbrauch der Praxis. «Man kann das Ganze ja auch nutzen, um unliebsame Mitarbeiter einfacher loszuwerden», so ein betroffener Mitarbeiter zu 20 Minuten. Denn: Eine Art Checkliste gibt es nicht, die Bewertungen sind subjektiv. Er fürchte, dass es vermehrt zu Denunziationen kommen werde.

«Selbstständig organisiert»

Die Aufforderung, die eigenen Angestellten zu Mystery-Käufern zu machen, wie es im Fachjargon heisst, sei keinesfalls eine Aufforderung von der Konzernleitung gewesen, versichert Coop-Sprecher Urs Meier 20 Minuten. «Wie ich aus der Region erfahren habe, hat sich eine kleine Gruppe von Geschäftsführern selbstständig untereinander organisiert, sich im Sinne eines Vergleichs gegenseitig Besuche abzustatten.» Falls es in diesem Kontext zu Bemängelungen und Meldungen von Leistungen auf Personenebene gekommen sei, entspreche das nicht der ursprünglichen Absicht.

«Coop toleriert in keiner Weise versteckte Kontrollen durch Mitarbeiter», betont Meier weiter. Unsere Mitarbeiter sollen und dürfen sich bei uns sicher und wohl fühlen.

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