11.05.2017 03:40

EnergiestrategieCoop müsste 5 Mio Fr mehr für Strom zahlen

Coop und Ikea befürworten das neue Energiegesetz, obwohl sich ihre Stromrechnung erhöhen würde. Andere Firmen warnen vor einer Versorgungslücke.

von
pam/kwo
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Für Coop sei es wichtig, dass «Ausrichtung und Rahmen der schweizerischen Energiepolitik verlässlich sind – so wie es durch die Energiestrategie vorgesehen ist», so ein Sprecher.

Für Coop sei es wichtig, dass «Ausrichtung und Rahmen der schweizerischen Energiepolitik verlässlich sind – so wie es durch die Energiestrategie vorgesehen ist», so ein Sprecher.

Coop
Darum engagiert sich auch Joos Sutter, CEO von Coop, im Komitee «Ja zur Energiestrategie».

Darum engagiert sich auch Joos Sutter, CEO von Coop, im Komitee «Ja zur Energiestrategie».

Keystone/Georgios Kefalas
Coop, Stromrechung pro Jahr: 99,5 Millionen FrankenDer Detailhändler setzt sich für die Energiestrategie ein, obwohl er künftig 5,7 Millionen Franken zusätzlich für den Strom berappen müsste, weil der Bund pro Kilowattstunde 0,8 Rappen mehr für die Förderung von erneuerbaren Energien einziehen würde.

Coop, Stromrechung pro Jahr: 99,5 Millionen FrankenDer Detailhändler setzt sich für die Energiestrategie ein, obwohl er künftig 5,7 Millionen Franken zusätzlich für den Strom berappen müsste, weil der Bund pro Kilowattstunde 0,8 Rappen mehr für die Förderung von erneuerbaren Energien einziehen würde.

Keystone/Gaetan Bally

Die Stromrechnung des Detailhändlers Coop beläuft sich auf knapp 100 Millionen Franken pro Jahr. Mit dem revidierten Energiegesetz, das am 21. Mai zur Abstimmung kommt, würde dieser Betrag um 5,7 Millionen Franken steigen, weil der Bund pro Kilowattstunde 0,8 Rappen mehr für die Förderung von erneuerbaren Energien einziehen würde.

Auch dem Möbelhändler Ikea dürfte bei einem Ja eine höhere Stromrechnung ins Haus flattern. Das Unternehmen rechnet mit Mehrkosten von 180'000 Franken.

Trotz höherer Kosten machen sich Coop und Ikea für die Energiestrategie stark. Bei Coop sitzt sogar der CEO, Joos Sutter, im Komitee «Energiestrategie Ja». «Bestehen klare Rahmenbedingungen in der Energie- und Klimapolitik, sind Investitionen in die Energieversorgung langfristig auch kostengünstiger», erklärt Coop-Sprecher Urs Meier. Für Coop sei es darum wichtig, dass «Ausrichtung und Rahmen der schweizerischen Energiepolitik verlässlich sind – so wie es durch die Energiestrategie vorgesehen ist».

Ikea: «Schritt in die richtige Richtung»

Ikea betont zudem, dass es «wirksame Verpflichtungen» und «bindende Ziele für den Einsatz erneuerbarer Energien und die Energieeffizienz» brauche, um die Wirtschaft dazu zu ermutigen, effizienter zu produzieren. Die Energiestrategie sei ein erster und wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Und laut der Versicherung Axa, deren CEO sich ebenfalls im Ja-Komitee engagiert, hätte ein Ja zum neuen Energiegesetz einen positiven Effekt auf den Standort Schweiz: «Es stärkt die Versorgungssicherheit der Schweiz, schafft Innovationen, Investitionen und hochwertige Cleantech-Arbeitsplätze im Inland.» Auf wirtschaftliche Impulse hofft auch der Technologiekonzern ABB: «Die ABB kann einen Beitrag zur Umsetzung leisten, indem wir mit innovativen Technologien Lösungen für eine nachhaltigere Energieversorgung bieten.»

Industriefirmen warnen vor Stromausfällen

Doch bei der Frage, inwiefern der hiesige Werkplatz vom Ausbau der erneuerbaren Energien profitieren kann, ist die Wirtschaft gespalten. Das «Wirtschaftskomitee gegen das Energiegesetz», das vom Industrieverband Swissmem angeführt wird, befürchtet etwa, dass die erneuerbaren Energien wie Solarstrom im Winter die Versorgungssicherheit mit Strom nicht gewährleisten können. «Ungeplante Stromausfälle hätten für die Industrie massive Kosten zur Folge», sagt Sprecher Ivo Zimmermann.

Und weil auch die Firmen mit einem höheren Netzzuschlag den Ausbau der erneuerbaren Energien mitfinanzieren, steigen die Kosten, was laut Zimmermann die Konkurrenzfähigkeit reduziert. Zwar erstattet der Bund den Grossverbrauchern wie Stahlwerken diesen Zuschlag zurück. «Davon profitieren aber schweizweit nur etwa hundert Firmen», entgegnet Zimmermann. Sehr viele Unternehmen müssten mit deutlichen Mehrkosten rechnen.

Drohen «Höchsttemperaturen für Büros»?

Zusätzlich befürchten die Gegner aus der Wirtschaft eine «Regulierungsflut». So könne der Bund, um den Energieverbrauch bis 2035 um 43 Prozent zu senken, neue Vorschriften erlassen. Sie warnen vor Kontrollen zum Stromverbrauch bei Maschinen und «Höchsttemperaturen für Büroräumlichkeiten».

Doch führen Investitionen in erneuerbare Energien nicht auch zu mehr Jobs für Schweizer Gebäudetechniker oder Elektriker? Von diesem Argument hält Zimmermann wenig. «Das sind subventionierte und darum kaum nachhaltige Arbeitsplätze, die wohl rasch wieder verschwinden, wenn der Subventionshahn zugedreht wird.» Zudem kämen die meisten Komponenten etwa für Solarpanels aus Asien und nicht aus der Schweiz.

Zimmermann betont, man lehne die Energiewende grundsätzlich nicht ab. «Es ist klar, dass AKW aus wirtschaftlichen und politischen Gründen keine Zukunft haben.» Doch bis die Kernkraftwerke vom Netz gingen, habe man noch genug Zeit, eine Strategie zu entwerfen, die auch die Stromversorgung im Winter sicherstelle.

Energieeffizienz zahlt sich aus

Zwar müsste Ikea mit der Energiestrategie 180'000 Franken mehr für den Strom bezahlen. Doch der Möbelhändler sparte in den letzten fünf Jahren bereits 25 Prozent Energiekosten und damit 1,2 Millionen Franken. Deshalb will Ikea die Mehrkosten durch mehr Effizienz mindern. Auch die Versicherung Axa konnte ihren Energieverbrauch innert acht Jahren um einen Drittel senken, beispielsweise durch Wärmerückgewinnung in ihrem Rechenzentrum. Und der Technologiekonzern ABB betont, dass man gegenüber 1990 seine CO2-Emissionen halbiert habe.

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