Heimische Alternativen: Coop setzt auf Bio-Palmöl – Kuchen und Törtli gibts jetzt mit Schweizer Rapsöl

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Heimische AlternativenCoop setzt auf Bio-Palmöl – Kuchen und Törtli gibts jetzt mit Schweizer Rapsöl

Wähen, Donuts und Schoggi-Schümli von Coop enthalten kein konventionelles Palmöl mehr. Das sollte nicht nur bei den Eigenmarken so sein, fordert der Bruno Manser Fonds.

von
Marcel Urech
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In diesen Produkten von Coop ist nun kein konventionelles Palmöl mehr drin. Die Detaillistin nutzt stattdessen Bio Suisse zertifiziertes Palmöl oder heimische Öle und Fette wie Rapsöl und Sonnenblumenöl.

In diesen Produkten von Coop ist nun kein konventionelles Palmöl mehr drin. Die Detaillistin nutzt stattdessen Bio Suisse zertifiziertes Palmöl oder heimische Öle und Fette wie Rapsöl und Sonnenblumenöl.

Coop
Die Ankündigung von Coop betrifft Törtli, Wähen, Kuchen, Donuts, Blätter- und Kuchenteig im Eigensortiment.

Die Ankündigung von Coop betrifft Törtli, Wähen, Kuchen, Donuts, Blätter- und Kuchenteig im Eigensortiment.

20min/Simon Glauser
Die tropischen Öle und Fette, die man noch verwende, seien zudem immer aus nachhaltiger Produktion, sagt die Detailhändlerin.

Die tropischen Öle und Fette, die man noch verwende, seien zudem immer aus nachhaltiger Produktion, sagt die Detailhändlerin.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

Coop stellt sein Teig- und Backwarensortiment nicht mehr mit konventionellem Palmöl her. Stattdessen setze man nun auf Bio-Palmöl und einheimische Alternativen wie Rapsöl und Sonnenblumenöl, sagt die Detailhändlerin. Sie spricht von einem «Meilenstein» bei der Umsetzung ihrer Palmölvision.

Die Ankündigung betrifft Törtli, Wähen, Kuchen, Donuts, Blätter- und Kuchenteig im Eigensortiment. Bärentatzen produziere man nun mit Rapsöl, Schoggi-Schümli mit Sonnenblumenöl. Auch für seine Schoggi-Eier und die Margarine nutzt Coop nur noch Palmöl aus nachhaltiger Produktion.

Umweltschäden trotz Label

Das Schweizer Stimmvolk nahm letztes Jahr ein Freihandelsabkommen mit Indonesien an, bei dem sich die Debatte hauptsächlich um Palmöl drehte: Der Genfer Bio-Winzer Willy Cretegny argumentierte, dass der Anbau Regenwälder zerstöre und mit giftigen Pestiziden und Kinder- und Zwangsarbeit geschehe.

Die NGO Walhi dokumentierte zudem Verstösse gegen Umweltrichtlinien beim RSPO-Label, das laut dem Bundesrat eine nachhaltige Produktion garantieren soll. Auch Coop schreibt auf seiner Website, dass das RSPO-zertifizierte Palmöl die Probleme im Palmölanbau nicht zufriedenstellend lösen könne.

Gegen das Abkommen war Johanna Michel, stellvertretende Geschäftsleiterin des Bruno Manser Fonds. Sie lobt Coop dafür, sich vom Palmöl zu lösen und höhere Standards als RSPO zu implementieren. Nun müsse Coop Druck bei den Lieferanten machen, damit auch das restliche Sortiment frei von konventionellem Palmöl werde. Coop sagt auf Anfrage, dass man diesbezüglich gemeinsam mit den Lieferanten nach Lösungen suche.

Das macht Coops Konkurrenz

Auch Coops Konkurrenz macht sich Gedanken zum Thema Palmöl. Lidl Schweiz arbeitet mit WWF Schweiz zusammen und bezieht Palmöl für seine Eigenmarken seit Ende 2018 ausschliesslich aus zertifizierten Quellen. Dabei setze man auf die Label Bio Suisse, RSPO und POIG.

Lidl Schweiz ist wie auch Coop und Migros Mitglied des Palmöl Netzwerks Schweiz. Dieses will bis im Jahr 2025 die Rückverfolgbarkeit für Palmöl und das Pflanzenfett Palmstearin möglichst bis zur Plantage sicherstellen. Coop sagt, dass diese Rückverfolgbarkeit beim Bio-Palmöl aus der Elfenbeinküste bereits möglich sei.

Weisst du beim Einkaufen, ob Palmöl drin ist oder nicht?

Migros gibt an, ausschliesslich auf nachhaltiges Palmöl zu setzen. Die ganze Palmöl- Wertschöpfungskette sei zertifiziert und physisch rückverfolgbar. Man setze auf RSPO, das seit der Revision im Jahr 2018 praktisch die gleich strengen Kriterien wie der von Greenpeace mitbegründete POIG-Standard erfülle.

Zudem habe man das ganze Eigenmarken-Teigsortiment auf Raps- und Olivenöl umgestellt. Von der Umstellung ausgenommen seien die Bio-Produkte, weil man für diese bereits nachhaltiges Palmöl einsetze. Die Alternativen zum Palmöl führten aber auch zu höheren Preisen, sagt Migros. Die Nachfrage nach alternativen Ölen sei gestiegen und die Anbauflächen von beispielweise Raps begrenzt.

Aldi Suisse sagt, dass man Palmölbestandteile in den Eigenmarken kontinuierlich reduziere, wenn es sinnvoll und möglich sei. Das Sortiment von Aldi besteht zu 90 Prozent aus Eigenmarken. Die Eigenmarkenprodukte «Bio Natura» und «retour aux sources» seien frei von Palmölbestandteilen. Seit 2011 sei man zudem bei RSPO dabei. Seine Eigenmarken-Food-Produkte habe man 2016 auf zertifiziertes Palmöl umgestellt.

Palmöl-Abkommen mit Malaysia?

Nach der Annahme des Freihandelabkommens führte die Schweiz Zollerleichterungen für Palmöl-Importe aus Indonesien ein. Die Gegner des Abkommens hatten befürchtet, dass das Abkommen das Geschäft mit heimischem Raps- und Sonnenblumenöl torpediere. Das bewahrheitete sich nicht: Bis Ende Juni 2022 importierte die Schweiz seit dem Abkommen lediglich 21 Tonnen Palmöl aus Indonesien (siehe Box).

Hier bezieht die Schweiz ihr Palmöl

Nun plant der Bund ein ähnliches Freihandelsabkommen mit Malaysia. Das Staatssekretariat für Wirtschaft liess verlauten, für Palmöl dieselben Konditionen wie beim Indonesien-Deal aushandeln zu wollen, wie der «Bund» schreibt (Bezahlartikel). Auch gegen dieses Abkommen wäre ein Referendum möglich.

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