Aktualisiert 26.09.2016 09:22

Elektro-EtiketteCoop testet digitale Preisschilder

Der Detailhändler Coop setzt auf elektronische Preise. Das entlastet die Mitarbeiter und spart Geld. Sind die neuen Schilder der Start für dynamische Preise?

von
S. Spaeth
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Einst sahen die digitalen Preisanschriften aus wie das Display eines schlechten Taschenrechners: Mit der aktuellen Technologie hat sich das geändert: Die Displays sind ähnlich wie bei einem E-Reader gestochen scharf.

Einst sahen die digitalen Preisanschriften aus wie das Display eines schlechten Taschenrechners: Mit der aktuellen Technologie hat sich das geändert: Die Displays sind ähnlich wie bei einem E-Reader gestochen scharf.

Mit dieser Technologie lässt derzeit auch Coop-Chef Joos Sutter Tests durchführen. Der Versuch mit digitalen Preisschildern in der Filiale Gundeli in Basel läuft voraussichtlich bis Ende Jahr. Dem Vernehmen nach wird der Detailhändler diesen Herbst damit noch eine weitere Basler Filiale ausrüsten.

Mit dieser Technologie lässt derzeit auch Coop-Chef Joos Sutter Tests durchführen. Der Versuch mit digitalen Preisschildern in der Filiale Gundeli in Basel läuft voraussichtlich bis Ende Jahr. Dem Vernehmen nach wird der Detailhändler diesen Herbst damit noch eine weitere Basler Filiale ausrüsten.

Keystone/Georgios Kefalas
In einigen europäischen Ländern sind digitale Preisschilder längst an der Tagesordnung.

In einigen europäischen Ländern sind digitale Preisschilder längst an der Tagesordnung.

Sie sahen einst aus wie das Display eines schlechten Taschenrechners: elektronische Preisanschriften im Detailhandel. Als vor Jahren im Ausland die ersten derartigen Preisschilder auftauchten, waren die Zahlen je nach Licht und Betrachtungswinkel kaum zu entziffern. Mit der aktuellen Technologie hat sich das geändert: Die Displays sind ähnlich wie bei einem E-Reader gestochen scharf und lassen für Aktionen sowohl farbige Anschriften als auch die Darstellung von Preisentwicklungen zu.

Mit derartigen Preisschildern experimentiert derzeit Coop. In der Filiale Gundeli in Basel findet seit Mitte August ein Test mit 13'500 digitalen Anschriften statt, wie Coop-Sprecher Urs Meier zu 20 Minuten sagt. Bis auf die Tiefkühlprodukte sind alle Artikel mit den elektronischen Etiketten ausgestattet. Die Leute seien positiv überrascht, mehr zu den Testergebnissen will Coop aber noch nicht bekanntgeben. Der Versuch läuft voraussichtlich bis Ende Jahr. Dem Vernehmen nach wird der Detailhändler diesen Herbst noch eine weitere Basler Verkaufsstelle mit den digitalen Preisschildern ausstatten.

«Das Personal wird entlastet»

Der Vorteil der modernen Preisschilder: Das Ausdrucken und zeitaufwendige manuelle Anbringen der Papieretiketten entfällt. Ein Aktionspreis eines Artikels wird vom zentralen Rechner sowohl an die elektronischen Labels aller Filialen als auch an die Kassensysteme gesendet. «Das Personal in den Verkaufsstellen wird entlastet», sagt Meier. Anders gesagt: Wird dereinst in allen 850 Coop-Filialen aufs Etikettieren verzichtet, spart das eine Menge Arbeitsstunden und in der Folge Personalkosten. Das dürfte die hohen Beschaffungskosten fürs System über die Zeit wettmachen. Eine mittlere Filiale hat rund 15'000 Preisschilder.

Konsumentenschützer betrachten den Trend zu digitalen Preisschildern skeptisch: «Wir haben Bedenken, dass das System den Anreiz schaffen könnte, die Preise ständig nach oben und unten anzupassen, ohne das der Kundschaft aktiv mitzuteilen», liess die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) verlauten, als Media-Markt digitale Preisschilder lancierte. Von dynamischen, je nach Tageszeit unterschiedlichen Preisen will man bei Coop nichts wissen. «Ein solches Preissystem ist nicht vorgesehen», sagt Sprecher Meier. Bei Coop sollen alle Kunden den ganzen Tag von Aktionen profitieren können.

Media-Markt: Keine Preisstrategie in Tankstellen-Manier

Sinnvoll sind elektronische Preisschilder insbesondere bei Waren, deren Preise oft wechseln. Das ist bei Früchten und Gemüse der Fall, die je nach Erntesituation unterschiedlich viel kosten. Noch will sich Coop nicht dazu äussern, ob die neuartigen Preisschilder bald in der ganzen Schweiz eingeführt werden. Sprecher Meier sagt lediglich: «So schnell wird das nicht gehen. Elektronische Preisschilder werden in der Schweiz aber mehr und mehr zum Thema. Wir wollen vorbereitet sein, wenn es so weit ist.»

Digitale Etiketten sind seit Anfang Jahr in allen Schweizer Media-Märkten in Betrieb. «Sie sind der effizienteste Weg, bei einer grossen Anzahl Waren Preisanpassungen vorzunehmen», sagt Sprecherin Séverine de Rougemont. Media-Markt will mit der neuen Technologie besser auf Preisentwicklungen reagieren können. «Hier geht es nicht um eine Preisstrategie in Tankstellen-Manier, sondern darum, Preise elektronisch zu steuern», so de Rougemont. Die Mitarbeiter, die bisher von Hand täglich die Schilder ausgewechselt hatten, sollten sich auf die Beratung konzentrieren können.

Die Migros hat die digitalen Preisschilder im Zuge der Umstellung auf die Beschriftung der Preise an den Regalen statt auf den Produkten geprüft, aber für zu teuer befunden. «Die Papiervariante funktioniert gut, daher ist eine grosse Umstellung nicht notwendig», sagte eine Sprecherin zur «Schweiz am Sonntag».

Zurückhaltung wegen negativer Wahrnehmung dynamischer Preise?

«Die digitalen Preisschilder sind ein logischer Schritt. Die Händler können schneller reagieren und sparen Kosten», sagt Detailhandelsexperte Gotthard F. Wangler zu 20 Minuten. Er vermutet, dass die grossen Schweizer Anbieter bis Ende 2019 auf diesen Trend aufspringen. Den Grund für die aktuelle Zurückhaltung sieht Wangler in der negativen Wahrnehmung dynamischer Preise durch die Konsumenten. Darum ist es zentral, wie der Detailhändler kommuniziert. Dynamische Preise funktionieren in beide Richtungen. (sas)

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