Warenwert 20 Millionen: Coop überrascht 500'000 Kunden mit einem Päckli
Aktualisiert

Warenwert 20 MillionenCoop überrascht 500'000 Kunden mit einem Päckli

Der Detailhändler Coop belohnt eine halbe Million Supercard-Besitzer. Sie erhalten ein Paket mit Schweizer Markenprodukten. Für die Hersteller ist es eine riesige Marketingaktion.

von
S. Spaeth

Kein Jahr war für den Schweizer Detailhandel so schwierig wie 2015: Hunderttausende Kunden strömten in den vergangenen Monaten über die Grenze und kauften statt bei Coop und Migros bei Aldi Süd, Edeka oder Rewe. Wegen des Einkaufstourismus dürften den hiesigen Detailhändlern im laufenden Jahr rund 12 Milliarden Franken Umsatz entgehen.

Nun belohnt Coop genau jene Kunden, die zum Einkaufen nicht in Orte wie Lörrach, Waldshut oder Konstanz ausgewichen sind. Wer 2015 viel bei Coop eingekauft hat und langjähriger Supercard-Besitzer ist, erhält ab dem 23. Dezember per Post einen Bon zum Abholen eines Dankespakets im Wert von 40 Franken. Bei 500'000 Geschenken ergibt das einen Total-Warenwert von 20 Millionen Franken. «Es ist zentral, dass wir treue Kunden auch in für den Schweizer Detailhandel schwierigen Zeiten belohnen», sagt Coop-CEO Joos Sutter im Gespräch mit 20 Minuten.

Wurden die Lieferanten zum Mitmachen gedrängt?

Im Karton enthalten sind 17 Produkte – darunter typisch Schweizerische Markenartikel wie Kambly-Biscuits, Ovomaltine-Müesli, Michel-Fruchtsaft oder Ramseier-Most. Hat Coop mit seiner Marktmacht die Lieferanten dazu gedrängt, bei der Aktion mitzumachen? «Nein, auf keinen Fall. Wir mussten nirgends forcieren. Unsere Idee ist auf offene Ohren gestossen», sagt Sutter. Die Schweizer Lieferanten erhielten so die Chance, ihre Produkte zu präsentieren. Positiv tönt es denn auch bei teilnehmenden Markenartikelherstellern. «Es handelt sich um eine sympathische Aktion, die wir gerne unterstützen», sagt eine Rivella-Sprecherin. Es sei im Interesse von Rivella, dass Konsumenten ihre Einkäufe in der Schweiz tätigen.

Wie viel vom Geschenkwert von 20 Millionen Franken zu Lasten von Coop geht, will CEO Sutter nicht verraten. Rechnet man aber lediglich den Warenwert der sieben Coop-Eigenprodukte zusammen, kommt man auf rund 15 Franken, was bei einer halben Million Pakte einem Warenwert von 7,5 Millionen Franken entspricht. Die Markenartikel dürfte Coop kostenlos oder zu Sonderkonditionen erhalten. «Wir finden das Geschenkpaket von Coop eine schöne Idee und waren deshalb bereit, die Produkte kostenlos anzubieten», sagt Ramseier-CEO Christian Consoni zu 20 Minuten. Das Paket biete die Gelegenheit, treuen Kunden zu danken und Neukunden anzusprechen.

Gratissampling: teuer, aber wirkungsvoll

Die Geschenkaktion bedeutet für die Lieferanten einerseits Kosten für die Produkteherstellung, andererseits eine grosse Chance. «Der Hersteller kann seinen Artikel direkt dem Kunden abgeben. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde das Produkt dann probiert, ist sehr gross», sagt Wirtschaftspsychologe Christian Fichter von der Kalaidos Fachhochschule. Der Detailhändler wiederum profitiere, indem er sich als Händler des neuen Produktes empfehlen könne und weil Geschenke immer gut ankommen. Fazit: Gratis-Sampling ist zwar teuer, aber für alle Beteiligten wertvoll. Als Sicht der ökologischen Nachhaltigkeit gibt Fichter zu bedenken, dass bei Sampling-Aktionen jeweils ein Teil der Waren ungenutzt im Müll landet.

Wie genau Coop die Beschenkten auswählt, die ab dem 28. Dezember die Geschenkpakete in den Filialen abholen können, behält der Detailhändler für sich. Sprecher Urs Meier versichert aber, dass nicht nur Grossfamilien eine Chance auf ein Päckli hätten. Für den Geschenkbezug berücksichtige Coop bei den 3,1 Millionen Haushalten mit Supercard eine Mischung aus den Kriterien Umsatz, Frequenz und Supercard-Nutzdauer. Zudem werden 60'000 Pakete verlost.

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