Beschädigtes Obst – Coop verkauft jetzt 100 Tonnen «abnormale» Birnen
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Beschädigtes ObstCoop verkauft jetzt 100 Tonnen «abnormale» Birnen

Die Kälte und die Unwetter haben die Birnenernte schwer getroffen. Das Obst weist Schäden, Verfärbungen und Verformungen auf. Coop verkauft die Birnen nun ab Montag trotzdem – und will damit den Produzenten helfen und Food-Waste bekämpfen.

von
Dominic Benz
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Coop verkauft ab Montag unter der Eigenmarke Ünique Birnen, die wegen der vergangen Kälte und Unwetter nicht mehr den Schweizer Qualitätsbestimmungen entsprechen. 

Coop verkauft ab Montag unter der Eigenmarke Ünique Birnen, die wegen der vergangen Kälte und Unwetter nicht mehr den Schweizer Qualitätsbestimmungen entsprechen.

Coop
«Ein Teil der geernteten Birnen weist Hagel- und Frostschäden, Verfärbungen oder Verformungen auf und entspricht somit nicht der Norm», teilt Coop mit.

«Ein Teil der geernteten Birnen weist Hagel- und Frostschäden, Verfärbungen oder Verformungen auf und entspricht somit nicht der Norm», teilt Coop mit.

Getty Images/iStockphoto
Damit will Coop will die betroffenen Produzenten unterstützen und Food-Waste verhindern. «Insgesamt werden so über 100 Tonnen Birnen gerettet», schreibt das Unternehmen.

Damit will Coop will die betroffenen Produzenten unterstützen und Food-Waste verhindern. «Insgesamt werden so über 100 Tonnen Birnen gerettet», schreibt das Unternehmen.

Tamedia AG

Darum gehts

  • Kälte und Unwetter haben in diesem Jahr Spuren bei der Birnenernte hinterlassen.

  • Coop verkauft die Birnen ab Montag unter der Eigenmarke Ünique.

  • Weil sie viele Schäden haben, zu gross oder zu klein sind, entsprechen sie nicht mehr den strengen Normbestimmungen für den Verkauf im Laden.

  • Die Ünique-Birnen verkauft Coop rund die Hälfte günstiger als die normalen Birnen.

Der kalte Frühling und die Unwetter im Sommer haben die Schweizer Bäuerinnen und Bauern schwer getroffen. Sie kämpfen mit den dramatischen Ernteausfällen. Viele Betroffene müssen deswegen gar Nebenjobs annehmen, um über die Runden zu kommen.

Auch bei der Birnenernte haben die diesjährigen Wetterverhältnisse ihre Spuren hinterlassen, die Früchte können so normalerweise nicht im Laden verkauft werden. «Ein Teil der geernteten Birnen weist Hagel- und Frostschäden, Verfärbungen oder Verformungen auf und entspricht somit nicht der Norm», teilt Coop mit. Der Detailhändler will die Birnen aber trotzdem verkaufen.

Fast um die Hälft günstiger

Ab Montag können Konsumentinnen und Konsumenten die «abnormalen» Birnen unter der Coop-Eigenmarke Ünique (siehe Box) schweizweit in Coop-Supermärkten kaufen. Damit will Coop die betroffenen Produzenten unterstützen und Food-Waste verhindern. «Insgesamt werden so über 100 Tonnen Birnen gerettet», schreibt das Unternehmen.

Obst und Gemüse jenseits der Norm

Coop-Marke Ünique

Coop verkauft seit 2013 Früchte und Gemüse unter der Marke Ünique. Die Lebensmittel fallen aus der Norm, sind ungewöhnlich geformt, klein oder übergross. Ins Sortiment kommen Früchte und Gemüse, wenn die Ernte nicht dem üblichen Kaliber, Grösse, Form oder Gewicht entspricht. Laut eigenen Angaben rettet Coop gemeinsam mit den Produzenten jährlich über 1’450 Tonnen Obst sowie Gemüse. Das zeige, dass die Lebensmittel trotz ihres ungewöhnlichen Aussehens qualitativ einwandfrei und geschmackvoll sind. In der aktuellen Saison bietet Coop neben Birnen auch Kartoffeln, Rüebli und eine Bio-Gemüsemischung unter Ünique an.

Die Ünique-Birnen gibt es von den Sorten Conférence, Gute Luise und Kaiser Alexander. Pro Kilo kosten das Obst 1.60 Franken. Konventionelle Birnen kosten im Schnitt 3 Franken pro Kilo. Am gesamten Ünique-Sortiment verdient der Detailhändler nichts. «Die Ünique-Früchte und -Gemüse bieten wir zum Selbstkostenpreis an», sagt Coop-Sprecherin Melanie Grüter zu 20 Minuten.

Hohe Ansprüche der Kundinnen und Kunden

Die Frage ist, wie gut sich das Sortiment verkaufen lässt. Denn die Konsumentinnen und Konsumenten haben grundsätzlich hohe Ansprüche. Produkte, die aus der Norm fallen und nicht so schön sind, werden oft liegengelassen. Zahlen zu Ünique-Verkäufen gibt Coop nicht bekannt. Grüter sagt nur: «Unsere Eigenmarke Ünique ist ein voller Erfolg und kommt bei unseren Kundinnen und Kunden sehr gut an.»

Laut der Sprecherin bietet Coop Ünique-Früchte und -Gemüse sowohl kurzfristig als auch längerfristig an. «Wir richten uns mit dem Ünique-Sortiment nach den Launen der Natur. Kartoffeln, Peperoni und die Gemüsemischung sind grundsätzlich das ganze Jahr unter unserer Eigenmarke Ünique erhältlich.»

Rüebli nicht mehr als 24 Zentimeter lang

Die Qualitätsbestimmungen für Obst und Gemüsse in der Schweiz sind streng (siehe Bildergalerie). Sie werden von der Branche gemeinsam erarbeitet. Daran beteiligt sind neben dem Detailhandel die Produktion, der Grosshandel sowie die Verarbeitung.

Gewisse Birnen dürfen etwa keine Fehler an der Schale haben, die länger als 2 Zentimeter sind und müssen einen Mindestdurchmesser zwischen 45 und 60 Millimeter haben. Ein Rüebli darf höchsten 200 Gramm, 24 Zentimeter lang und nicht krumm sein.

Erfüllen das Obst und das Gemüse diese Vorgaben nicht, landet landen es meist in der Gastronomie oder wird zu Biogas verarbeitet. Der Verband Grassrooted schätzt, dass wegen dieser Vorschriften in der Schweiz jährlich bis zu 556’000 Tonnen Lebensmittel auf dem Müll landen. Der Verband fordert daher im Kampf gegen Food-Waste, dass die Bestimmungen angepasst werden.

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