Umstrittener Name - Coop verkauft Lakritze-Bonbons, die «Negro» heissen
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Umstrittener NameCoop verkauft Lakritze-Bonbons, die «Negro» heissen

Ein News-Scout regt sich über Bonbons im Coop namens «Negro» auf. Schwarze Menschen könnte dieser Name verletzen.

von
Bettina Zanni
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News-Scout S. T.* befürchtet, dass der Produktname «Negro» schwarze Menschen verletzen könnte.

News-Scout S. T.* befürchtet, dass der Produktname «Negro» schwarze Menschen verletzen könnte.

News-Scout
«Wir prüfen die Bezeichnung gegenwärtig», sagt Coop-Mediensprecher Kevin Blättler.

«Wir prüfen die Bezeichnung gegenwärtig», sagt Coop-Mediensprecher Kevin Blättler.

© Fabienne Andreoli
Im Falle der Bonbons ist der Name laut der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus auf den Nachnamen deren Erfinders Pietro Negró zurückzuführen.

Im Falle der Bonbons ist der Name laut der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus auf den Nachnamen deren Erfinders Pietro Negró zurückzuführen.

a-pionir.com

Darum gehts

  • Ein Kunde fordert, dass Coop die Lakritze-Bonbons namens «Negro» aus dem Sortiment nimmt oder unbenennt.

  • Der Grossverteiler prüft nun die Bezeichnung.

  • Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus sieht im Produktenamen hingegen kein Problem.

Ein Produkt im Balkan-Sortiment von Coop in Wald ZH brachte News-Scout S. T.* aus der Fassung. «Zuerst dachte ich, der Name sei ein Witz. Ich konnte kaum glauben, dass der Supermarkt Süssigkeiten mit einem solch geschmacklosen Namen verkauft», sagt der 20-Jährige. «Negro» heissen die schwarzen Lakritze-Bonbons, die er im Regal entdeckte. «Die Bonbons mögen gut schmecken, aber solange sie diesen Namen haben, würde ich sie niemals kaufen.»

T. befürchtet, dass der Produktname, der an das N-Wort erinnert, schwarze Menschen verletzen könnte. Der Name dieses Produkts sei nicht mehr zeitgemäss. «Coop sollte entweder das Produkt aus dem Sortiment nehmen oder es umbenennen», fordert der Kunststofftechnologe.

«Prüfen die Bezeichnung gegenwärtig»

Der Grossverteiler, der das Produkt bereits seit zwölf Jahren im Sortiment hat, reagiert auf die Kritik. «Wir prüfen die Bezeichnung gegenwärtig», sagt Coop-Mediensprecher Kevin Blättler. Für weitere Fragen verwies er auf den serbischen Süssigkeiten-Hersteller Pionir.

Im Angebot habe Coop das Produkt, weil sich der Name auf dessen Farbe sowie den auf der Verpackung abgebildeten schwarz gekleideten Kaminfeger beziehe, sagt Blättler.

Gemeint sei Name des Erfinders

Keinen Handlungsbedarf sieht hingegen die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR). Es sei begrüssenswert, dass in der heutigen Gesellschaft eine Sensibilität für rassistisch konnotierte Begriffe und Abbildungen bestehe, sagt Giulia Reimann, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der EKR. Und es sei wichtig, dass eine kritische Auseinandersetzung stattfinde. «Allerdings haben nicht alle Begriffe, die bei einigen Konsumentinnen und Konsumenten wegen einer vermuteten rassistischen Konnotation Empörung auslösen, einen rassistischen Hintergrund.»

Im Falle der Bonbons ist der Name, laut Reimann, auf den Nachnamen des Erfinders Pietro Negró zurückzuführen. «Ausserdem bezieht sich der Begriff ‹Negro› auch auf die Abbildung eines schwarzen Schornsteinfegers auf der Verpackung.» Problematisch wäre es dann, wenn eine kolonial-rassistisch stereotype Abbildung verwendet würde. Dies sei aber vorliegend nicht der Fall.

Die Rassismusdebatte hat immer wieder dafür gesorgt, dass Grossverteiler Produkte aus dem Sortiment kippten (siehe Bildstrecke). Im Juni 2020 trennte sich etwa die Migros von den umstrittenen Dubler-«Mohrenköpfen». 2017 forderte das «Komitee gegen rassistische Süssigkeiten» in einer Petition, dass die Firma Dubler das Süssgebäck «Mohrenkopf» durch eine nicht-rassistische Bezeichnung ersetzt.

*Name der Redaktion bekannt.

Diskriminierend und beleidigend

Die Menschen im deutschsprachigen Raum nutzten das N-Wort sowohl rassistisch als auch «neutral». Im englischen Sprachraum wurden «Negro» als «neutrale» Bezeichnung und das N-Wort auf Englisch laut der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) als rassistisches Schimpfwort gebraucht. Mit der Dekolonisation afrikanischer Länder in den 1950er und 1960er Jahren, der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA und der «Black Power»-Bewegung entstand Widerstand gegen die weisse Vorherrschaft. Im Zuge dieser Entwicklung wurden das N-Wort und «Negro» zunehmend als diskriminierend und beleidigend abgelehnt.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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