Cola aus Polen: Coop will Preise drücken – Coca-Cola kontert mit CO₂-Bilanz
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Cola aus PolenCoop will Preise drücken – Coca-Cola kontert mit CO₂-Bilanz

Um Druck auf den Getränkehersteller zu machen, importiert Coop neuerdings Halbliterflaschen Coca-Cola aus Polen. Deren CO₂-Bilanz sei aber wesentlich schlechter, kontert der US-Konzern.

von
Raphael Knecht
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Die Halbliterflasche ist zurück in der Schweiz…

Die Halbliterflasche ist zurück in der Schweiz…

20min/Celia Nogler
 …aber auf polnisch.

…aber auf polnisch.

20min/Celia Nogler
Coop importiert die Flaschen derzeit aus Polen.

Coop importiert die Flaschen derzeit aus Polen.

20min Marco Zangger

Darum gehts

  • Bei Coop gibts neuerdings polnisches Coca-Cola in Halbliterflaschen.

  • Damit will der Händler Druck auf den Hersteller machen.

  • Die Importe haben jedoch eine schlechte CO₂-Bilanz.

Seit Kurzem gibt es die Halbliterflasche von Coca-Cola auch wieder in der Schweiz zu kaufen – obwohl diese hierzulande schon lange nicht mehr hergestellt wird. Coop führt sie neu wieder im Sortiment. Laut Etiquette stammen die Flaschen aus Polen.

Kleinere Flasche

Versteckte Preissteigerung

Mit der Abschaffung der Halbliterflasche hat die US-Marke die Schweizer Konsumenten mit einer versteckten Preissteigerung verärgert: Das Volumen der Coca-Cola-Flaschen schrumpfte von 0,5 auf 0,45 Liter – der Preis blieb jedoch bei 1.35 Franken. Seither werden in der Schweiz keine Halbliterflaschen mehr mit dem Süssgetränk abgefüllt.

Als Reaktion auf die Rückkehr der Halbliterflasche hat Coca-Cola bei Swiss Climate eine Studie zur CO₂-Bilanz von Import-Cola in Auftrag gegeben. Gemäss dieser Studie verursacht Coca-Cola aus Polen eine etwa dreimal so hohe CO₂-Belastung wie Coca-Cola aus der Schweiz.

Für den Unterschied gibt es zwei Hauptgründe: Einerseits verursache der Transport aus Polen in die Schweiz eine rund zehnfache Belastung. Andererseits sei aber auch die Primärverpackung in der Schweiz wesentlich umweltfreundlicher. Wegen des hohen Anteils an Recycling-PET seien Schweizer Flaschen eine nur halb so grosse Umweltbelastung wie solche aus Polen.

Kritik an Coop?

Die Studie könnte ein Schuss gegen das Vorgehen von Coop sein – direkt kritisieren will Coca-Cola die Firma aber nicht. Den Händlern stehe es frei, wo sie ihre Waren beziehen, sagt Martin Kathriner, Sprecher von Coca-Cola HBC Schweiz, zu 20 Minuten. Aber den Kunden im Detailhandel sei das Thema Nachhaltigkeit wichtig. Das Unternehmen setze darum bewusst auf lokale Herstellung, um Wertschöpfung vor Ort und Arbeitsplätze zu schaffen.

Dem Getränke-Konzern dürfte es allerdings nicht nur um Nachhaltigkeit gehen. Denn wegen des Parallelimports dürfte das Unternehmen zünftig Geld verlieren, ist ZHAW-Ökonom Tilman Slembeck überzeugt: «Ein Händler importiert Produkte nur von einer Drittquelle, wenn er so Geld sparen kann – und damit bringt er nun die Preisstrategie von Coca-Cola durcheinander.»

Auf die Frage von 20 Minuten, wie viel weniger Coca-Cola verdient, wenn Schweizer Händler Flaschen aus dem Ausland beziehen, wollte Kathriner nicht eingehen. Er wiederholte lediglich, dass es dem Detailhandel frei stehe, Produkte woanders zu beziehen – genauso wie der Verkaufspreis Sache des Handels sei.

Importe nur temporär

Coop versichert, dass es nicht langfristiges Ziel sei, die Cola-Flaschen aus Polen zu importieren: «Bei den Parallelimporten handelt es sich um eine temporäre Massnahme, mit der sich Coop für bessere Preise für ihre Kundinnen und Kunden engagiert», sagt Sprecher Andrea Ruberti zu 20 Minuten.

Parallelimporte sind für Händler ein Druckmittel, um bessere Konditionen beim Schweizer Anbieter zu erhalten. Denner hat etwa 2014 kurzzeitig Coca-Cola aus Tschechien importiert, um einen niedrigeren Preis durchzusetzen.

Das sagen die Händler zum Paralellimport

Derzeit importiert von den grossen Schweizer Detailhändlern lediglich Coop Coca-Cola aus Polen. Bei Lidl Schweiz heisst es, man habe im dauerhaften Sortiment nur Coca-Cola aus der Schweiz – gelegentlich gebe es aber vorübergehende Aktionen mit importierten Artikeln wie etwa der Halbliterflasche von Coca-Cola. Denner gibt an, derzeit in Verhandlungen mit dem Getränkehersteller zu sein. Sollten diese scheitern, sei ein vorübergehender Parallelimport eine Option, um bessere Konditionen zu erhalten. Migros und Aldi geben an, derzeit keine Coca-Cola aus Parallelimport zu beziehen.

Coop hat mit der Aktion bereits jetzt einen Preisrutsch losgetreten. Zuerst senkte der Basler Händler den Preis der 0,45-Liter-Flasche um 5 Rappen auf 1.30 Franken – damit ist die kleinere Flasche stärker von der grösseren, polnischen abgehoben, die im Coop Pronto 1.40 Franken kostet. Wie der «Blick» berichtet, ziehen nun die Discounter nach: Aldi und Lidl bieten die Schweizer Cola-Flasche nun für 1.19 Franken an.

Der Kundschaft lasse man die Wahlfreiheit zwischen der 0,45- und 0,5-Literflasche, heisst es bei Coop weiter. Dass es Konsumenten gibt, die sich die Halbliterflasche zurückwünschen, ist für Coca-Cola nicht Grund genug, wieder eine grössere Flasche einzuführen: «Das ist bei uns derzeit keine Diskussion», sagt Kathriner.

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