05.07.2018 03:41

Zurück zur Butter

Coop will weniger Palmöl verwenden – und Migros?

Coop will wieder Butter in seine Guetsli rühren. Und wo nötig, nur Bio-Palmöl nehmen. Migros setzt dagegen auf ein anderes Label.

von
Isabel Strassheim
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Viele alltägliche Lebensmittel enthalten Palmöl.

Viele alltägliche Lebensmittel enthalten Palmöl.

Colourbox
Monokulturen mit Ölpalm-Plantagen bedecken heute Zehntausende Quadratkilometer in Malaysia und Indonesien.

Monokulturen mit Ölpalm-Plantagen bedecken heute Zehntausende Quadratkilometer in Malaysia und Indonesien.

Brot für alle / Miges Baumann
Statt Regenwald oder vielfältiger Torfgebiete breiten sich laut Brot für alle Plantagen aus, wie hier auf Kalimantan, dem indonesischen Teil von Borneo.

Statt Regenwald oder vielfältiger Torfgebiete breiten sich laut Brot für alle Plantagen aus, wie hier auf Kalimantan, dem indonesischen Teil von Borneo.

Brot für alle / François-de-Sury

Palmöl hat einen schlechten Beigeschmack bekommen. Für die Produktion in Asien oder Mittelamerika werden Regenwälder abgeholzt und Menschen sowie Tiere vertrieben. Coop will die Verwendung in seinen Eigenmarken nun eindämmen: Butter und andere Öle sollen wieder zum Einsatz kommen. Wo das nicht geht, soll Bio-Palmöl verwendet werden – auch in Nicht-Bio-Produkten.

«Ein wesentlicher Teil unserer konventionellen Lebensmittel-Eigenmarken wird auf Bio-Knospe-Palmöl umgestellt», sagt Coop-Projektleiter Raphael Schilling zu 20 Minuten. Eine kleinere Menge soll ausserdem ganz durch andere Öle und Fette ersetzt werden. «Wenn es geschmacklich besser ist, werden wir Palmöl beispielsweise mit heimischen Alternativen wie Butter ersetzen, zum Beispiel bei Guetsli.»

Behält Coop Nutella im Sortiment?

Die ersten palmölbefreiten Produkte sollen 2019 bei Coop in den Regalen stehen. Auch die Umstellung auf Bio-Palmöl soll dann nach und nach erfolgen. Für das Bio-Knospe-Palmöl gelten strenge Vorschriften: Palmöl von nach 1994 gerodeten Flächen ist ausgeschlossen. Unter anderem müssen auch gute Arbeitsbedingungen eingehalten werden. «Was wichtig ist: Die Überprüfung erfolgt durch Bio Suisse und ist anders als bei dem bisherigen internationalen Label RSPO viel transparenter», sagt Schilling, Coop-Projektleiter Nachhaltigkeit.

Für Coop stellt sich aber auch die Frage, was mit den herkömmlichen Palmölprodukten wie Nutella passieren soll. Verkauft der Händler die weiter, auch wenn er die eigenen Produkte auf das neue, verschärfte Label umstellt? «In einem ersten Schritt kümmern wir uns um unsere Eigenmarken, in einem zweiten Schritt um die der Drittanbieter», so Schilling. Das bedeutet: Nutella-Hersteller Ferrero und auch viele andere dürften sich dann wappnen müssen.

Kleinbauern statt Riesenplantagen

Die Organisationen Brot für alle, Fastenopfer und Pro Natura werten das Bio-Suisse-Palmöl als grossen Fortschritt im Kampf gegen Landraub und Umweltzerstörung durch Palmölplantagen. «Wichtig ist für uns, dass das Label Kleinbauern fördert und eine maximale Betriebsgrösse gesetzt ist, um weg von den riesigen Monokulturen zu kommen», sagt Tina Goethe, die bei Brot für alle für Entwicklungspolitik zuständig ist.

Für Goethe ist aber entscheidend, dass Coop Palmöl zumindest bei einem Teil der Eigenmarken durch andere Öle oder Fette ersetzen will. Migros möchte das nicht unbedingt. «Das Ausweichen auf andere Öle ist für die Migros keine dauerhafte Lösung, denn die kritisierten Umweltprobleme würden damit lediglich auf andere Öle übertragen», sagt Sprecherin Alexandra Kunz.

Migros sucht neue Produzenten

Migros stellt über 80 Prozent der Produkte selber her. Sie verbraucht jährlich rund 8000 Tonnen Palmöl für Lebensmittel sowie 9000 Tonnen sogenannte Palmöl-Derivate für Waschpulver, Zahnpasta oder Seifen. Coop ist dagegen ein kleinerer Palmölplayer und verwendet bislang jährlich insgesamt 2700 Tonnen.

Auch Migros prüft die Umstellung auf ein neues Label. Aktuell wird eruiert, welche Produzenten und Lieferanten für eine Umstellung auf den internationalen Standard POIG (Palm Oil Innovation Group) in Frage kommen. «Der einzige sinnvolle Weg ist die kontinuierliche Verbesserung des Anbaustandards für Ölpalmen», sagt Mediensprecherin Kunz.

Kritik an Palmölmonokulturen

Brot-für-alle-Expertin Goethe kritisiert den POIG-Standard:« Er setzt der weiteren Expansion der Ölpalmplantagen nichts entgegen, die POIG-Mitglieder bekennen sich im Gegenteil zur Förderung der Palmölindustrie.» Kleinbäuerliche Produktion spiele für diesen Standard keine Rolle. Die Bedingungen von POIG wurden unter anderem in Zusammenarbeit mit Greenpeace und WWF ausgearbeitet.

Auch Nestlé bewegt sich

Der weltgrösste Lebensmittelkonzern Nestlé gehört zu den grössten Palmölabnehmern. Auch bei Nestlé tut sich jetzt etwas: «Wir versuchen falls möglich unser Angebot auf die Konsumentennachfrage abzustimmen. Dazu gehört auch, palmölfreie Rezepturen innerhalb unserer Produktpalette anzubieten», sagt Konzernsprecher Michael Jennings zu 20 Minuten. Zudem hat der Konzern Anfang Juni eine Liste mit zehn umstrittenen Lieferanten publiziert, von denen er kein Palmöl mehr beziehen wolle.

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