Aktualisiert 13.02.2009 14:39

PreissturzCoop wird zum Discounter

Coop steigt in den Harddiscount-Bereich ein. Der zweitgrösste Schweizer Detailhändler senkt die Preise von mehr als 600 Markenartikeln im Schnitt um zwölf Prozent, wie Coop-Konzernchef Hansueli Loosli bekannt gab.

Ab Montag werden über 600 Markenartikel in den Gestellen der Coop-Filialen durchschnittlich 12 Prozent weniger kosten, wie der Grossverteiler am Sonntag mitteilte. Nach Angaben von Coop handelt es sich um den grössten Preisabschlag aller Zeiten.

Konzernchef Hansueli Loosli sprach an einer kurzfristig anberaumten Medienkonferenz sogar von «einem mittleren Erdbeben bei den Markenartikelpreisen in der Schweiz».

Das «Erdbeben», mit welchem der zweitgrösste Detailhändler der Schweiz gemäss Mediencommuniqué die Kunden am seinem Erfolg teilhaben lassen will, dürfte indes auch von Marktüberlegungen ausgelöst worden sein. Denn mit der Offensive trimmt sich Coop nämlich vor allem fit für den Wettbewerb im Discountbereich.

Dieser wird bei den Markenartikeln derzeit von Denner dominiert. Denner hat 2005 Hauptkonkurrent Pickpay übernommen und wurde mittlerweile selbst von der Migros übernommen. Konkurrenziert wird Denner im Discountgeschäft mit Markenartikeln bald von deutschen Lidl-Kette, die im Frühling in den Schweizer Markt eintreten wird.

Preisniveau der Discounter

Erklärtes Ziel von Coop ist es, preislich mit Denner und Lidl mithalten zu können. Gemäss Marketingchef Jürg Peritz will der Grossverteiler mindestens die gleich tiefen Preise wie die beiden Discounter anbieten können.

Mit den Produktelinien Prix Garantie und der Qualité & Prix habe Coop bei den Tiefpreisprodukten und den Eigenmarken die Preisparität mit dem Hauptkonkurrenten Migros bereit herstellen können, sagte Peritz. Gleiches soll nun auch bei den Markenartikeln geschehen.

Aus der eigenen Tasche

Die Preisreduktion bei den über 600 Markenartikeln kostet Coop pro Jahr rund 100 Mio. Franken. Berappt wird die Umsatzeinbusse gemäss Konzernchef Loosli vorerst von Coop selbst.

«Gewissen Lieferanten wird unsere Politik nicht gefallen», sagte er vor den Medien. Es werde sich in den nächsten Monaten zeigen, inwieweit die Lieferanten ihre Preise ebenfalls nach unten werden anpassen müssen.

Dass sich Coop die Preisreduktion überhaupt leisten kann, erklärt Loosli unter anderem mit der kontinuierlich gesteigerten Produktivität von Coop. «Erst langfristig ökonomisches Handeln machen solche Preissenkungen überhaupt möglich.»

Seit der Fusion der 15 Coop-Genossenschaften zur Jahrtausendwende hätten dank einer zentralen Lagerbewirtschaftung, einer effizienten Logistik und einfacheren Abläufen die Vertriebskosten reduziert werden können. So habe immer wieder Spielraum für Preissenkungen geschaffen werden können.

Laut Marketingchef Peritz hat Coop dank den tieferen Vertriebskosten seit 2004 bei insgesamt 2870 Artikeln die Preise senken können. Und die Tiefpreisstrategie soll noch weiter fortgesetzt werden. Die europäische Einkaufsgemeinschaft Coopernic, bei der Coop sich beteiligt, zeige, dass das Preisniveau in der Schweiz immer noch zu hoch sei. (dapd)

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